Wie war das gleich? – Gehirnatrophie und Kognition

Wie war das gleich? – Gehirnatrophie und Kognition

Gehirnatrophie macht sich bei Menschen mit Multipler Sklerose (MS) oft durch kognitive Störungen bemerkbar.

Der Abbau von Hirnvolumen ist ein normaler Alterungsvorgang. Bei Menschen mit MS ist dieser doch häufig ausgeprägter und zeigt sich früher oder später durch Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen. Bis zu 70 % der MS-Patienten sind davon betroffen.

Im Thalamus kommt es sehr früh zum Abbau der synaptischen Übertragung. Dies stört den Thalamus bei seinen Aufgaben – der Wahrnehmung, Filterung und Abwandlung der relevanten Informationen aus der Flut aller eintreffenden Impulse der Sinnesorgane – und geht mit kognitiven Defiziten einher. Mehr Informationen dazu finden Sie hier in unserem Fokusthemenartikel „Angriff durch MS: Was passiert im Gehirn".

Wie machen sich kognitive Beeinträchtigungen bemerkbar?

Es gibt unterschiedliche Arten von kognitiven Beeinträchtigungen, die sich im Alltag bemerkbar machen. Dazu zählen u.a. die Gedächtnisleistung, Informationsverarbeitung, Konzentration und komplexe Aufmerksamkeit wie auch das Planen und Handeln.

Unter der Gedächtnisleistung versteht man das Speichern und das Reproduzieren von Informationen. Das heißt, sich z. B. eine Einkaufsliste einzuprägen, Telefonnummern zu merken oder Vokabeln so zu lernen, dass man sie wieder abrufen kann.
Die Informationsverarbeitung wird dann gebraucht, wenn man einen Text verstehen will und sich Zusammenhänge erschließen muss.

Konzentration und Aufmerksamkeit benötigt man für viele Dinge im Alltag: ob Kommunikation, Lesen, Fernsehgucken oder Bewegung. Sie wird dann beansprucht, wenn man bspw. kocht oder mehrere Dinge gleichzeitig erledigt, wie telefonieren und sich dazu Notizen zu machen.

Strategien zu entwickeln und Probleme zu lösen fällt unter Planen und Handeln. Ist diese Fähigkeit eingeschränkt, kann es schwerer fallen auf spontane Situationen schnell zu reagieren und Lösungen zu finden, z. B. wenn das Kind früher als normal von der Schule abgeholt werden muss.

Kognitive Störungen im Alltag

Kognitive Störungen betreffen alle Lebensbereiche: ob Beruf, Familie, Partnerschaft oder Freizeit. Hier erfahren Sie im Interview mit Prof. Dr. Iris-Katharina Penner, wie kognitive Störungen den Alltag von Menschen mit MS beeinträchtigen können.

Gerade in unserer Informationsgesellschaft, in der das Surfen im Internet zum Alltag gehört und Medienvielfalt und Codes etwas Selbstverständliches sind, können sie für Betroffene zu einer erheblichen Belastung werden.

Nicht selten führen sie bei den Betroffenen zu Problemen, weniger Lebensqualität und schließlich sozialem Rückzug. Strategien zu entwickeln, die kognitive Defizite ausgleichen oder verbessern, ist ein wesentliches Ziel der MS-Therapie.

Kognitive Störungen früh erkennen

Gehirnschwund ist tückisch und macht sich meist schleichend im Alltag bemerkbar. So kann es passieren, dass nicht sofort auffällt, wenn sich kognitive Fähigkeiten verschlechtern. Menschen mit MS sollten ihre geistigen Fähigkeiten im Auge behalten und auch den Partner oder die Familie dabei einbinden.

Einmal den Schlüssel zu vergessen oder beim Supermarkteinkauf nicht an das Brot zu denken, ist etwas ganz Normales. Wenn sich Missgeschicke dieser Art allerdings häufen, sollte man mit seinem Arzt darüber sprechen, ob möglicherweise Gehirnatrophie die Ursache für kognitive Beeinträchtigungen sein kann. Er kann weitere diagnostische Untersuchungen, wie eine Magnetresonanztomographie (MRT), in die Wege leiten.

Mehr Informationen dazu finden Sie hier in unserem Fokusthema „MRT – Frühes Erkennen schützt das Denkorgan".

Je früher man sich dem Gehirnschwund entgegenstellt, desto besser. Neben modernen Behandlungsoptionen kann jeder MS-Patient durch seinen eigenen Lebensstil und gezieltes Kognitionstraining seinem Gehirn dabei helfen, dem Verlust an Hirnvolumen besser standzuhalten. Hier finden Sie Tipps, wie Sie kognitive Störungen im Alltag kompensieren können.

Wie man sein Gehirn weiter schützen kann und der Gehirnatrophie soweit möglich entgegenarbeiten kann, das verraten wir Ihnen in unserem kommenden Fokusthema ab dem 23.03.2018.