Biomarker für MS: Gibt es einen Test für MS?

ALT-Text (Beschreibung mit Keywords)	Blutentnahmeröhrchen auf dem Ankreuzbogen zur Testung des Blutes. Bei Multipler Sklerose wird die Blutabnahme zur Kontrolle von Biomarkern im Blut genutzt.

Biomarker geben Hinweise darauf, ob jemand krank ist oder erkranken wird. Sie geben Aufschluss, welche Therapie die richtige ist oder wie gut ein Patient auf eine Behandlung anspricht. Biomarker gewinnen auch in der Diagnose, Therapie und Vorhersage des Krankheitsverlaufs bei Multipler Sklerose immer mehr an Bedeutung.

Was sind Biomarker?

Biomarker sind messbare Parameter, die biologische Prozesse im Körper anzeigen. Sie werden als Indikator für Gesundheit oder Krankheit hinzugezogen. Beispielsweise können mit Hilfe der Blutuntersuchung Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand einer Person gezogen werden. Oder beim Schwangerschaftstest ist ein Hormon im Urin Indikator für eine Schwangerschaft. Meist ergänzen Biomarker das sogenannte „klinische Bild“, das alle Symptome und Beschwerden einer Erkrankung beschreibt, um eine Krankheit aufzudecken.

Unterschiedliche Biomarker und ihr Einsatz bei MS

Bei den Biomarkern unterscheidet man verschiedene Gruppen von Biomarkern. Sie liefern Informationen zur Diagnose, zur Wirksamkeit einer Therapie oder zum Krankheitsverlauf der Multiplen Sklerose.

Diagnostische Biomarker bei der MS Erkrankung

Die diagnostischen Biomarker ermöglichen es, die Ergebnisse einem bestimmten Krankheitsbild wie der MS-Erkrankung zuzuordnen.

Ein diagnostischer Biomarker bei MS kann die Untersuchung des Nervenwassers mittels Lumbalpunktion oder aber die Magnetresonanztomografie (MRT) sein.

Prädiktive Biomarker bei der MS Erkrankung

Prädiktive Biomarker können anzeigen, ob bei einem Patient eine bestimmte Therapie anschlägt und sie die Auswirkungen oder den Verlauf der Erkrankung mildern kann. Aktuell gibt es viele Forschungsansätze mit denen herausgefunden werden soll, ob bestimmte MS-Medikamente bei einigen Patienten besser wirken als bei anderen.

Solch ein Biomarker kann aber auch vor riskanten Nebenwirkungen eines MS-Medikamentes schützen.1

Prognostische Biomarker bei der MS Erkrankung

Prognostische Biomarker geben einen Hinweis auf den möglichen Verlauf einer Krankheit. Im Bereich der prognostischen Biomarker wurde vor kurzem eine Studie veröffentlicht, die herausfand, dass es einen Zusammenhang zwischen dem NfL-Spiegel2 im Blutserum und der Entwicklung einer Gehirnatrophie gibt.3 Demnach könnte in Zukunft möglicherweise der Verlauf der MS bereits durch eine Blutabnahme bestimmt werden.

Die Zukunft der MS-Diagnose und MS-Behandlung

Eine frühe MS-Therapie kann den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen. Biomarker sind daher nicht nur für die Diagnose von Bedeutung, sondern sorgen gleichzeitig schneller für eine geeignete Therapie.

Nicht jeder MS-Schub wird sofort als Schub erkannt. Manchmal führen Infektionen wie eine Erkältung oder das Uhthoff-Phänomen für kurze Zeit zu MS-typischen Symptomen. Ein Biomarker könnte in Zukunft helfen, einen MS-Schub früher zu erkennen. Damit würde gleichzeitig die Entscheidung für eine Therapie zur Behandlung des Schubs und zur Schubvorbeugung leichter fallen.

Eine Zusammenfassung zum aktuellen Stand der MS-Diagnose und MS-Therapie finden Sie in der Broschüre „Multiple Sklerose - frühzeitig erkennen und erfolgreich behandeln“, die Ihnen hier zum Download bereit steht.

Personalisierte Medizin – was ist das?

Mit dem Konzept der Personalisierten Medizin soll jeder chronisch Erkrankte über die Krankheitsdiagnose hinaus persönlich behandelt werden und Unterstützung finden. In der Personalisierten Medizin spielen Biomarker eine wesentliche Rolle, da sie dem Behandler ein individuelles Bild des Patienten vermitteln können. Das Prinzip der Personalisierten Medizin findet zunehmend Anklang sowohl in der MS-Forschung als auch in der MS-Diagnostik und MS-Behandlung.

Multiple Sklerose ist die Krankheit mit den tausend Gesichtern. Werden der individuelle Verlauf und die Symptome beachtet, kann eine Therapie gezielter eingesetzt oder optimiert werden. Was genau eine Therapieoptimierung ist, das können Sie hier nachlesen.

Das erwartet Sie nächstes Mal auf MS und Ich

Mit aktuellen Themen aus der MS-Forschung geht es auch weiter. In unserem nächsten Artikel haben wir neue Erkenntnisse vom Neurologenkongress 2018 für Sie vorbereitet. Wie Mensch und Maschine gemeinsam die Medizin revolutionieren, erfahren Sie dann ab dem 9. November. Seien Sie also wieder dabei. Wir freuen uns auf Sie!

Quelle(n):

[1] https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/multiple-sklerose-medikamentose-behandlung-wird-sicherer-ein-neuer-biomarker-kann-vor-3183.php
[2] NfL (Neurofilament Leichtketten) sind eine Komponente des Zellskeletts und werden bei der Schädigung von Axonen (Nervenzellfortsätzen) freigesetzt.
[3] Disanto G. et al.: Serum Neurofilament light: A biomarker of neuronal damage in multiple sclerosis. Annals of Neurology 2017 Jun; 81(6):857-870.