Das Gehirn mit MS – Schutz und Vorbeugung

Das Gehirn mit MS – Schutz und Vorbeugung

Unser Gehirn ist das Zentrum unseres Denkens und Handelns. Es vor Schäden zu schützen, ist daher für uns selbstverständlich. Nervenzellen und -fasern sind dafür verantwortlich, dass in kürzester Zeit Informationen, die auf uns einprasseln, verarbeitet werden. Sie lösen damit Reaktionen wie Denken, Fühlen oder Handeln in unserem Körper aus.

Neurodegeneration ist ein Begriff, der häufig in Zusammenhang mit dem Gehirn und Multipler Sklerose (MS) fällt. Er bezeichnet den Funktionsverlust oder den kompletten Verlust von Nervenzellen. Durch Entzündungsprozesse am Myelin (=Ummantellung der Nervenbahnen) kann dieser Prozess bei Menschen mit MS allerdings zu einem verstärkten Abbau von Hirnsubstanz führen. Dies verlangsamt oder behindert die Informationsweiterleitung von den Organen und Muskeln an das Gehirn und umgekehrt.

Eine Folge der Neurodegeneration können neurologische Symptome, u.a. Störungen der Aufmerksamkeit, des Denkens und des Gedächtnisses sein, sogenannte kognitive Störungen. Kognitive Störungen können sehr individuell ausfallen und sind nicht immer eine direkte Folge von Neurodegeneration. Auch Müdigkeit (Fatigue), Depression oder ein bestimmtes Medikament können die geistigen Fähigkeiten beeinträchtigen.

Kognitive Störungen - ja oder nein?

Kognitive Störungen fallen nicht so schnell auf wie körperliche Symptome und schleichen sich oft langsam ein. Bei dauerhaften kognitiven Einschränkungen sollte der behandelnde Arzt kontaktiert werden. Er kann weitere Untersuchungen veranlassen, die im Zweifelsfall den Abbau des Gehirns erkennen lassen, z. B. eine MRT-Untersuchung. Alles um Thema Kognition finden Sie auch hier auf Ihrer MS und Ich-Seite.

In den meisten Fällen kann das Gehirn Defizite, die z. B. durch den Verlust von Nervenzellen entstehen, gut ausgleichen. Es passt sich den Veränderungen an, indem es „Umleitungen" baut, die die fehlenden Funktionen ausgleichen. Dies ist vergleichbar mit einer Autobahn, die nicht mehr befahrbar ist. Obwohl der Verkehr durch eine Umleitung anders läuft als vorher, erreichen die Autos effektiv ihr Ziel.

Umleitungen funktionieren noch besser und schneller, wenn sie regelmäßig trainiert werden. Dies kann im Alltag mittels gezielter Kognitionsübungen geschehen. Hier finden Sie z. B. Übungen, die Ihr Gehirn fit halten können. Auch regelmäßige Kontrollen durch den Arzt sind wichtig. Je früher Sie an den Hirnschutz denken, desto besser. Mehr zum Thema Kognition finden Sie auch in unserer Broschüre „Kognition bei Multipler Sklerose - Denken, Verstehen und Handeln", die Ihnen hier zum Download bereit steht.

TIPPS, die Ihnen den Umgang mit kognitiven Störungen im Alltag erleichtern:

  • Wichtige Dinge notieren: Eintragungen im Kalender oder der altbekannte Notizzettel können eine gute Stütze im Alltag sein.
  • Hilfsmittel nutzen: Geeignete Apps, die mit dem Smartphone verwendet werden können, bieten ein MS-Tagebuch oder Erinnerungshilfen (z. B. die App MS und Ich).
  • Routinen einbauen: Routinen können im Alltag daran erinnern, wo z. B. Dinge abgelegt wurden, wie der Haustürschlüssel oder das Portemonnaie.
  • Stress vermeiden: Negativer Stress war noch nie gut für den Körper, daher gilt, so wenig Stress wie möglich um Entzündungsprozesse zu vermeiden.
  • Gehirnjogging betreiben: Darunter versteht man Übungen, die das eigene Gedächtnis oder die Merkfähigkeit trainieren, diese finden Sie z. B. auch hier.
  • Ausreichend Schlafen: Wer kennt es nicht, zu wenig Schlaf und man hat das Gefühl der Kopf liegt noch im Bett. Im Schlaf sortiert das Gehirn allerdings das Unwichtige aus. Die wichtigen Informationen kommen ins Langzeitgedächtnis. Die optimale Schlafdauer kann sich jedoch individuell unterscheiden und hängt von den Bedürfnissen des Einzelnen ab.