Das vernetzte Gehirn – Neues aus der MS-Forschung

Das vernetzte Gehirn – Neues aus der MS-Forschung

Multiple Sklerose (MS) war wieder ein wichtiges Thema auf dem DGN-Kongress 2017 in Leipzig. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) bot ein umfassendes Programm mit einem Update zum gesamten Spektrum der Neurologie.

Unter dem Motto „Vernetztes Gehirn" wurden alle wichtigen Trends in der Neuromedizin - von der Grundlagenforschung über neue Therapieansätze bis zu akuten Herausforderungen in der Versorgung diskutiert. Im Fokus standen u.a. die kognitive Neurologie und Neuropsychiatrie, Bewegungsstörungen, Schmerzen und neurodegenerative Erkrankungen wie die Multiple Sklerose.

Das MS-Register - Aktuelle Versorgungssituation bei MS

Bei MS gibt es eine Vielzahl neurologischer Symptome, die mehr oder weniger gut diagnostiziert und behandelt werden. Hinsichtlich der Bedürfnisse und der Versorgungssituation von Menschen mit MS gibt es daher weiter Verbesserungsbedarf.

Das zeigen auch aktuelle Daten aus dem MS-Register der DMSG in Deutschland, die auf dem Kongress vorgestellt wurden. Hier wurden 35755 Patientendaten genauer unter die Lupe genommen.[1]

Die Frage war, welche neurologischen Symptome bei MS besonders häufig auftreten und inwieweit diese behandelt werden. Das dabei am häufigsten berichtete Symptom der MS war Fatigue, eine krankhafte Erschöpfung. Jeder dritte Patient mit einer Erkrankungsdauer unter zwei Jahren litt daran. Es folgten die Spastik und Blasenentleerungsstörungen. Weitere häufige Symptome innerhalb der ersten zwei Krankheitsjahre waren Depressionen, Schmerzen, Ataxie/Tremor und kognitive Störungen. Auffällig war, dass Fatigue und kognitive Störungen oft nicht behandelt sind, obwohl diese Symptome einen erheblichen Einfluss auf das Leben der Patienten nehmen.

Informationen zu den Symptomen im Detail bekommen Sie hier auf unserer MS und Ich-Seite.

Bedürfnisse von Menschen mit MS

Eine weitere Studie untersuchte die Bedürfnisse und Versorgungsrealität bei 127 MS-Patienten. Da die MS einen erheblichen Einfluss auf zahlreiche Lebensbereiche hat, gaben die Betroffenen weit über die medikamentöse Therapie hinausreichende Bedürfnisse in der individuellen Versorgung an. Bei den Patienten wurde „Zeit im ärztlichen Gespräch" wichtiger bewertet als medikamentöse Behandlungen, klinische Untersuchungen und MRT-Kontrollen. Von besonderer Bedeutung für Patienten mit Erwerbsminderungsrente war die psychische Versorgung, wie auch die Physiotherapie und die Versorgung mit Hilfsmitteln. Der niedrige Anteil an Patienten mit Psychotherapie und/oder Psychopharmakotherapie deutet auf eine Unterversorgung bei Patienten psychischer Begleiterkrankung hin.

Versorgungssituation verbessern

Jeder fünfte Patient musste bisher auf Grund der Beeinträchtigungen durch MS seine Berufstätigkeit einschränken oder aufgeben.[2] Die Ergebnisse der Studien zeigen, dass Fatigue, kognitive Störungen und psychische Störungen oft nicht ausreichend behandelt sind. Dabei sind gerade diese Symptome eine häufige Ursache für eine verminderte Lebensqualität und Berufsunfähigkeit.

Möglicherweise verbessert sich die Lebensqualität für Menschen mit MS wieder, wenn man die Bedürfnisse und Versorgungssituation der Patienten stärker in der Behandlung berücksichtigt. Dies könnte gleichzeitig dazu beitragen, ihre Berufsfähigkeit länger zu erhalten.

Auch die Mitarbeit der Patienten ist dabei von Bedeutung. Denn in der Behandlung von kognitiven Störungen stellt das eigene Gedächtnistraining einen wesentlichen Baustein dar. Ihre Kognition können Sie mit der App „MS Kognition" der DMSG trainieren, die Ihnen hier kostenlos zur Verfügung steht. Weitere Übungen, die Sie einfach in Ihren Alltag einbauen können, finden Sie hier.

Mehr zum Thema Kognition finden Sie in unserer Broschüre „Kognition und Multiple Sklerose - Denken, Verstehen, Handeln", die Ihnen hier zum Download bereit steht. 

Quelle(n):

[1] Stahmann A. et al.: MS in Deutschland: Symptome und Behandlungsdefizite - aktuelle Daten aus dem MS-Register der DMSG: Posterpräsentation auf dem DGN 2017 vom 20.-23-09.1017 in Leipzig, Abstract S. 355-356, https://www.dmsg.de/msregister/download/nextCloud/index.php/s/ag08Hsq93XP9DvL

[2] Faber H. et al.: Querschnittserhebung zu Bedürfnissen und Versorgungsrealität bei MS deutet auf Unterversorgung bei psychischer Komorbidität: Posterpräsentation auf dem DGN 2017 vom 20.-23-09.1017 in Leipzig, Abstract S. 365