Was ist schöner als ein Lächeln? – Körpersprache bei MS

Junge Frau mit Multipler Sklerose hält sich eine Skizze mit einem lächelnden Mund vor das Gesicht und symbolisiert damit positive Körpersprache.

Wir zwinkern, heben die Augenbrauen oder verziehen die Mundwinkel. Mit den Händen zeigen wir den Weg oder unterstreichen Gesagtes. Unsere verschränkten Arme schaffen Distanz. Die Körpersprache gehört zu unserer Kommunikation dazu, wie die Sprache selbst. Es kann allerdings vorkommen, dass die Körpersprache durch einen MS-Schub oder aufgrund bestimmter MS-Symptome beeinträchtigt ist.

Leben mit MS – Mimik, Gestik und Co.

Der Mensch kann laut Paul Watzlawik nicht nicht kommunizieren. Jede Bewegung, jede Haltung, jeder Gesichtsausdruck und jede Geste sagt etwas. Wir verstärken mit der Körpersprache unsere Gefühle und das Gesagte, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Eine MS-Erkrankung spielt dabei in erster Linie keine Rolle.

Welchen Mitteln der Körpersprache wir uns bedienen, ist gesellschaftlich und kulturell geprägt.1 „Daumen hoch" bedeutet bei uns, dass uns etwas zusagt, in anderen Ländern kann das allerdings eine Beleidigung sein.

Die Sprache ohne Wort sagt aber noch mehr. Denn wir unterstreichen mit ihr auch unsere Stimmung und unseren Charakter. Gleichermaßen erkennen wir so, ob uns jemand sympathisch ist oder ob wir ihm vertrauen können.

Eine Geste sagt mehr als 1000 Worte

Gerade die emotionale Kommunikation funktioniert über Körpersprache besonders gut. Ein Arm um die Schultern zeigt Unterstützung, ein geneigter Kopf und ein aufgeschlossener Blick können Mitgefühl ausdrücken. Die Palette der ungesprochenen Worte ist riesig.

Man kann sie auch gezielt für sich nutzen, z. B. wenn es um den ersten Eindruck oder ein Vorstellungsgespräch geht. Wer freundlich lächelt, wirkt aufgeschlossener und sympathischer. Ein kräftiger Händedruck zeugt von Selbstbewusstsein. Es gibt viele Möglichkeiten bei seinem Gegenüber zu punkten. Das beste Beispiel dafür ist der Halo-Effekt.

Der Halo-Effekt

Der Halo-Effekt beschreibt die Tatsache, dass von äußeren Merkmalen auf die Eigenschaften einer Person geschlossen wird. „Halo" ist der englische Begriff für Heiligenschein.2 Eine freundlicher Blick und ein echtes Lächeln sind die beste Mimik schlechthin. Wenn wir ehrlich lachen, dann tut das nicht nur unser Mund, sondern auch die Augen. Ein fröhliches Lachen kann dann schon mal Türen öffnen.

Wenn die Körpersprache durch die MS gestört ist

Körperhaltung und Mimik nehmen also einen enormen Einfluss darauf, wie wir auf andere Menschen wirken. Aber was ist, wenn unser Körper nicht so spricht wie wir? Aufgrund von Symptomen der MS wie Lähmungen, Bewegungs-, Empfindungs- oder Feinmotorikstörungen kann die Körpersprache beeinflusst sein.3 Ein kräftiger Händedruck ist dann vielleicht nicht so kräftig wie er sein sollte oder ein federnder Gang etwas holprig. Auch die Mimik kann eingeschränkt sein. Dann wirken wir nach außen vielleicht nicht mehr so, wie wir uns fühlen und wie wir eigentlich sind.

Die wichtigsten Tipps für eine positive Körpersprache mit MS

  • Augenkontakt halten: Blicken Sie ihrem Gegenüber in die Augen während Sie oder er redet. Das zeugt von Interesse und wirkt selbstsicher.
  • Nicken: Nicken Sie ab und zu, um dem Gegenüber zu signalisieren, dass Sie aufmerksam zuhören und am Gespräch interessiert sind.
  • Den richtigen Abstand halten: Sie sollten Ihrem Gegenüber nicht zu nahe kommen, aber auch nicht zu weit weg stehen. Ein guter Maßstab für den richtigen Abstand ist oft eine Armlänge.
  • Hände schütteln: Bei der Begrüßung hinterlässt ein fester Händedruck (aber nicht zu fest) beim Gegenüber einen selbstsicheren Eindruck.
  • Haltung bewahren: Wer sehr gebeugt steht oder sitzt kann eingeschüchtert wirken. Eine gerade Körperhaltung (Schultern nach hinten und beide Beine fest auf den Boden) wirkt hingegen souverän und selbstbewusst.

Mit einem geeigneten Training kann man verloren gegangene Mimik und Gestik nach einem MS-Schub wieder erlernen. In unserem Service haben wir hier einige Übungen für Sie zusammengestellt, mit denen Sie zu Hause vor dem Spiegel Ihre Mimik stärken können. Eine Möglichkeit, die Körperhaltung und -bewegungen bei MS zu schulen, bietet die Feldenkrais-Methode.

Bewegung bei MS – die Feldenkrais-Methode

Das Ziel der Feldenkrais-Methode bei Multipler Sklerose ist es, grundlegende Bewegungen zu verbessern und Schmerzen zu reduzieren. Dazu wird das eigene Bewusstsein auf die Bewegungen gelenkt und gesunde und effiziente Bewegungsabläufe wieder (neu) erlernt.4 Bei MS kann die Feldenkrais Methode bei Symptomen wie Spastik, Ataxie, Gleichgewichtsstörungen oder auch beim Gehen und Sitzen eingesetzt werden.

Beim Training übt man gezielt Bewegungen und -abläufe, z. B. dort wo der Schmerz oder die Verspannung sitzt, um die gesunde Ausführung bewusst zu erleben. So kann man auch an der eigenen Körpersprache arbeiten. In unserem Bereich Leben finden Sie weitere Tipps zum Bewegungstraining bei MS und Informationen zur Feldenkrais Methode.

Das erwartet Sie nächstes Mal auf MS und Ich

Ab dem 12.10.2018 starten wir mit dem neuen Themenspecial „Risikofaktor Salz bei MS". Hier finden Sie aktuelle Forschungsergebnisse rund um das Thema MS.

Quelle(n):

[1] Ulrich Sollmann 2016: Einführung in Körpersprache und nonverbale Kommunikation 2. Aufl. Heidelberg: Carl-Auer Verlag.
[2] Yvonne de Bark 2014: Körpersprache einfach nutzen. Hannover: Humboldt.
[3] John Swain, Sally French, Colin Barnes, Carol Thomas 2004: Disabling Barriers, Enabling Environments. London: Sage.
[4] https://www.feldenkrais.de/