Gehirnschutz − ein wichtiges Ziel der MS-Therapie

Gehirnschutz − ein wichtiges Ziel der MS-Therapie

Moderne Behandlungsoptionen und neuropsychologische Verfahren können kognitiven Störungen effektiv entgegenwirken.

Dem Gehirnabbau bei MS ist niemand schutzlos ausgeliefert. Denn das Gehirn bleibt in seiner Entwicklung niemals stehen. Durch eigenes Handeln kann man selbst einen effektiven Beitrag zum Gehirnschutz leisten. Das nötige Wissen, finden Sie in dieser Fokusthemenreihe, die sich rund um das Gehirn und seine Funktionen, die Gehirnatrophie sowie den Gehirnschutz bewegen.

Neuropsychologische Tests zur Diagnose von kognitiven Störungen

Wenn der Verdacht besteht, dass kognitive Beeinträchtigungen den Alltag belasten, kann der Neurologe verschiedene standardisierte neuropsychologische Testverfahren, wie u. a. FST (Faces Symbol Test), MUSIC (Multiple Sclerosis Inventory Cognition) oder BRB-N (Brief Repeatable Battery of Neuropsychological Tests in MS) anordnen, welche die kognitive Leistung messen. Sie können helfen, ein Defizit oder auch eine Veränderung der kognitiven Fähigkeiten aufzudecken.

Neuropsychologische Tests prüfen die ...

  • Gedächtnisfunktion, wie Arbeitsgedächtnis, Lernen und Kurzzeitgedächtnis
  • Aufmerksamkeitsfunktionen
  • Exekutivfunktionen, wie Strategiebildung, Problemlösen, Schätzen und andere Alltagskompetenzen
  • Visuell-räumliche Informationsverarbeitung, wie Raumvorstellung, Objekterkennung, Perspektivische Wahrnehmung etc.
  • Emotionalen Befindlichkeit (Depression), Fatigue und psychosoziale Situation (Lebensqualität, persönliche Belastung, finanzielle Situation)

Um die kognitiven Störungen von Depressionen und Fatigue abzugrenzen, werden zusätzlich u. a. standardisierte Fragebögen eingesetzt.

Kognitive Defizite gezielt ausgleichen

Nach einer genauen Analyse der kognitiven Defizite, kann ein Plan erarbeitet werden, wie man bestmöglich die vorhandenen Funktionen erhalten und Defizite ausgleichen kann. Damit möchte man einerseits den Leidensdruck insgesamt vermindern und andererseits nachfolgende Beeinträchtigungen, wie z. B. eine Abschottung vor Familie oder Freunden, reduzieren.

Im Vordergrund steht dabei die nicht-medikamentöse Therapie mittels neuropsychologischer Verfahren1.

Die Bausteine des neuropsychologischen Trainings sind:

Computergestütztes neuropsychologisches Training

  • Trainiert spezielle kognitive Bereiche am Computer, z. B. Aufmerksamkeit und Konzentration, verbales, visuelles und figurales Gedächtnis, Reaktionsverhalten, Planungsverhalten, Visuomotorik (Koordination visueller Wahrnehmung), Daueraufmerksamkeit u. a.
    Dabei passt sich das Schwierigkeitsniveau automatisch dem Leistungsniveau an.

Individuelles Training mit dem Patienten

  • Unter fachlicher Anleitung und Kontrolle werden beobachtete Defizite aber auch alltagsorientierte Fähigkeiten geübt, z. B. Lesen, Rechnen, Wahrnehmung, Sehen und Orientierung.

Verhaltenstherapie

  • Entspannungs- und Stressbewältigungstechniken, Stärkung des Selbstwertgefühls, Veränderung der Selbstwahrnehmung, Verbesserung der Eigenständigkeit, Hilfsmitteltraining, Entscheidungs- und Problemlösetraining, Kommunikationstraining, Lebenszielplanung, Aktivitätenplanung usw.

Menschen mit MS sollten die Chance nutzen, mit einer modernen Therapie nicht nur die klassischen MS-Symptome zu reduzieren, sondern auch den Abbau der Nervenzellen. Mit gezielten Übungen kann man zudem das Gedächtnis trainieren und Aufmerksamkeit sowie Konzentration schulen. Hier erfahren Sie im Interview mit Prof. Dr. Wolfgang Brück, wann sich Menschen mit MS Gedanken über Hirnschutz machen sollten.

Geeignete Übungen, die Sie im Alltag einbauen können, finden sich beispielsweise hier oder in unserer kostenfreien App „MS und Ich", die Ihnen hier zum Download bereitsteht.

Betroffene, egal in welchem Krankheitsstadium, sollten mit dem Gehirntraining beginnen. Denn auch hier gilt wie so oft: Je früher gestartet wird, desto besser. Ein zeitig trainiertes Gehirn kann schließlich länger gut funktionieren.

Quelle(n):

[1] Thomas Henze 2005: Symptomatische Therapie der Multiplen Sklerose. Stuttgart: Thieme Verlag.