Der Darm – Auslöser für MS?

Der Darm – Auslöser für MS?

Aktuelle Studien erforschen nicht nur genetische Faktoren als Ursache und Auslöser von Multipler Sklerose. Zunehmend rückt der Zusammenhang von Multipler Sklerose und Darmgesundheit weiter in den Fokus der Wissenschaftler.

Umweltfaktoren und MS – der Ursache auf der Spur

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ist MS eine sogenannte multifaktoriell verursachte Autoimmunerkrankung1. Das bedeutet, dass sich nicht nur ein Auslöser für die MS Erkrankung finden lässt, sondern unterschiedliche Faktoren zur Entstehung der MS in Betracht kommen.
Neben den genetischen Faktoren, machen die sogenannten Umweltfaktoren ca. zwei Drittel des Risikos aus. Zu den möglichen Risikofaktoren, welche die Entstehung und das Wachstum von Entzündungszellen fördern können, zählen u.a.2:

  • Rauchen
  • Körpergewicht
  • Vitamin-D-Spiegel
  • Alkoholkonsum
  • Darmgesundheit

Auch Salz steht immer wieder in Verdacht, im Zusammenhang mit der Entstehung und dem Verlauf der Multiplen Sklerose zu stehen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel „Salz und MS - Beeinflusst Salzkonsum den Verlauf der MS“.

Darm und MS – das sagt die Wissenschaft

Der Darm ist der wichtigste Teil des Verdauungstraktes. Alles was wir zu uns nehmen landet im Darm und wird dort verarbeitet. Der Darm verdaut allerdings nicht nur die aufgenommene Nahrung, er entzieht der Nahrung die wichtigsten Nährstoffe, produziert Hormone und bildet einen großen Teil an Abwehrzellen für das Immunsystems. Eine gesunde Darmflora ist dazu notwendig.

Die Darmflora setzt sich aus unterschiedlichen Mikroorganismen zusammen. Vorstellen kann man sich das Ganze wie ein gut funktionierendes Ökosystem. Alles lebt in einer Wechselbeziehung miteinander und kann voneinander profitieren. Das Gleichgewicht innerhalb der Darmflora sorgt dafür, dass der Darm funktioniert.

Darmgesundheit als Auslöser für MS

Studien an Zwillingen wiesen erstmals auf einen Zusammenhang zwischen Darm und MS hin. In einer Studie wurde die Darmflora von Zwillingen miteinander verglichen. Einer der Zwillinge war dabei an MS erkrankt, der andere nicht. Aufgrund der genetischen Ähnlichkeit von Zwillingspaaren erhoffte man sich, Rückschlüsse auf den Einfluss der Darmgesundheit ziehen zu können.

In Tests transplantierten die Wissenschaftler die Darmbakterien der Zwillinge in Mäusen. Mäuse, welche die Darmbakterien von Zwillingen mit MS bekamen, entwickelten häufiger eine MS ähnliche Erkrankung als die Mäuse, die Darmbakterien von gesunden Zwillingen bekamen.3

Damit lieferte die Zwillingsstudie wichtige Hinweise darauf, dass die Darmflora an der Entstehung der MS beteiligt ist. Gleichzeitig lässt sie auf neue Therapieansätze bei Multipler Sklerose hoffen.

Bedeutung des Glückshormons Serotonin

Neurotransmitter wie das Glückshormon Serotonin dienen als Botenstoffe vor allem für die Kommunikation zwischen Nervenzellen im Gehirn. MRT-Aufnahmen geben Hinweise darauf, dass das serotogene System bei MS-Patienten abhängig von der Verlaufsform verändert ist. Dies kann möglicherweise nicht nur zu einer Fehlsteuerung des Immunsystems führen. Ein geringerer Serotonin-Spiegel fördert gleichermaßen Entzündungen im Körper.

Da Darmbakterien an der Serotoninproduktion im Darm beteiligt sind, vermuten niederländische Forscher, dass eine gestörte Darmflora damit einen Beitrag zur Entstehung einer MS leistet.4

Entzündungshemmende Ernährung bei MS

Gerade wenn es um die Darmgesundheit geht, spielt ein weiterer Faktor eine wichtige Rolle: die Ernährung. Vor allem unsere westliche Ernährung besteht vorwiegend aus Kohlenhydraten, tierischen Fetten und Zucker.5  All diese Komponenten stehen in Verbindung mit entzündungsfördernden Prozessen im Körper. Mehr dazu erfahren Sie in unserer Ernährungsbroschüre.

Eine vollwertige Ernährung bei MS hingegen ist gesund, kann für mehr Wohlbefinden sorgen und unterstützt die Funktion des Darms. Gleichzeitig kann sie Entzündungsprozessen im Körper entgegenwirken. Mehr über die entzündungshemmende Ernährung bei Multipler Sklerose erfahren Sie hier.

Ernährung bei MS – ein Müsli für einen guten Start

Für einen guten Start in den Tag kann ein Vollkornmüsli eine abwechslungsreiche Basis bieten. Wir haben Ihnen eine Anleitung und ein Rezept für ein leckeres Müsli zusammengestellt. Hier finden Sie das Rezept zum Download.

Das erwartet Sie auf MS und Ich

Am 23. November geht es weiter mit aktuellem Wissen aus der MS-Forschung. Dann geht es um neue Forschungsergebnisse zur MS, die auf dem Neurologenkongress 2018 in Berlin vorgestellt wurden. Es bleibt spannend. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Quelle(n):

[1]Linker, R. & Mäurer, M.: Endzündliche [sic!] Erkrankungen des ZNS. Welche Rolle spielt die Ernährung für die Multiple Sklerose? September 2017, Volume 18, Supplement 1, pp 54-59.
[2] Linker, R. & Mäurer, M.: Endzündliche [sic!] Erkrankungen des ZNS. Welche Rolle spielt die Ernährung für die Multiple Sklerose? September 2017, Volume 18, Supplement 1, pp 54-59.
[3] Berer, K. et al.: Gut microbiota from Multiple Sclerosis patients enables spontaneous autoimmune encephalomyelitis in mice. PNAS (2017)
[4] Malinova TS, Dijkstra CD, de Vries HE. Serotonin: A mediator of the gut-brain axis in multiple sclerosis. Mult Scler. 2017 Nov 1:1352458517739975. doi: 10.1177/1352458517739975
[5] Haghika, A.: Der Darm und die Ernährung sind an der Entstehung der MS beteiligt. MS-Magazin 2016 (3). S.6-9.