Salz und MS
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Salz steht immer wieder in Verdacht, im Zusammenhang mit der Entstehung und dem Verlauf der Multiplen Sklerose zu stehen. Ziel aktueller Studien ist es daher, neue Erkenntnisse über die Wirkung von Salz auf MS zu gewinnen.

Einfluss von Salz auf die Immunabwehr bei Multipler Sklerose

Eine Studie mit Mäusen untersuchte das Verhalten von Immunabwehrzellen (sog. Makrophagen) in Abhängigkeit zur Salzkonzentration. Bei den Mäusen wurde die experimentelle autoimmune Enzephalomyelitis (EAE) herbeigeführt.1 Das ist eine im Tierreich ähnliche Erkrankung wie die Multiple Sklerose. Es konnte bei den Mäusen nachgewiesen werden, dass bei salzreicher Ernährung mehr Makrophagen in das zentrale Nervensystem (ZNS) eindrangen. Zudem förderte das salzreiche Milieu immunstimulierende Moleküle, die Zunahme der T-Zellen und eine Verschlimmerung der Erkrankung.

Welche Bedeutung haben T-Zellen?

Die T-Zellen oder auch T-Lymphozyten sind eine bestimmte Art von Immunzellen. Ihre Aufgabe ist es, von Viren befallene sowie geschädigte Körperzellen zu erkennen und zu zerstören. So schützen sie den Körper vor Krankheiten. Bei der Multiplen Sklerose greifen allerdings die T-Lymphozyten fälschlicherweise das körpereigene ZNS an. Eine Folge können unterschiedliche Symptome der MS sein, die Sie hier nachlesen können.

Aufgrund dieser Studie mit den Mäusen wurde Salz als ein möglicher Entstehungs- und Verlaufsfaktor für weitere Studien zur MS hinzugezogen.

Nimmt Salz Einfluss auf die Aktivität und den Verlauf der MS?

Zwei aktuelle Studien zum Thema MS und Salz zeigen ein anderes Bild:

Kein erhöhtes Risiko für MS bei erhöhtem Salzkonsum

Die Nurses' Health Study (NHS) befragte alle 4 Jahre über 175.000 Krankenschwestern zu ihren Ernährungsgewohnheiten und das über 17 Jahre hinweg. Die Erhebung der Ernährungsfragebogen wurde nicht zum Zweck der MS-Forschung erhoben, konnte aber dennoch dafür verwendet werden. Während der Studie erkrankten 479 Frauen an MS. Es wurde bei einem hohen Salzkonsum kein erhöhtes Risiko für MS beobachtet.2

Kein Zusammenhang zwischen Salzkonsum und Verlauf der MS3

Eine andere Forschungsgruppe untersuchte die Wirkung von erhöhtem Salzkonsum auf ein bereits vorhandenes klinisch isoliertes Syndrom (KIS) und die Aktivität der MS. Unter einem KIS versteht man ein einzelnes MS-typisches Frühsymptom, das zum ersten Mal auftritt, wie z. B. eine Sehnerventzündung. Mehr über die verschiedenen Verlaufsformen der MS erfahren Sie hier. Dazu wurde über 5 Jahre hinweg bei 465 Probanden mit einem KIS die Natriumkonzentration im Urin untersucht und bewertet.

Mit der Studie konnten weder bestätigte MS-Diagnosen noch die Anzahl der Läsionen bei den MRT-Untersuchungen mit der Natriumausscheidung in Verbindung gebracht werden. Die Salzaufnahme nahm bei den Probanden keinen Einfluss auf den Verlauf oder die Aktivität der MS.

Wie viel Salz ist gesund?

Eine Studie des DEGS (Deutsches Erwachsenen Gesundheitssurvey) hat herausgefunden, dass die Deutschen fast doppelt so viel Salz konsumieren wie empfohlen.4 Die empfohlene Tagesmenge an Salz liegt bei einem Erwachsenen gerade einmal bei ca. 5 bis 6 g.5 Das entspricht ca. einem gestrichenen Teelöffel.

Auch wenn nicht bewiesen werden konnte, dass Salz einen Einfluss auf die MS hat. Tatsächlich nimmt es aber Einfluss auf unsere Gesundheit. Denn ein zu hoher Salzkonsum belastet den Körper durch eine übermäßige Wasserausscheidung. Das kann dauerhaft die Nieren schädigen und zu Gefäßverengungen führen, durch die der Blutdruck steigt. Dadurch erhöht sich auch das Risiko für Herzerkrankungen.6

Ernährung und MS – worauf sollte ich achten?

Gerade bei chronischen Erkrankungen wie der MS ist es wichtig, den Körper mit einer ausgewogenen Ernährung zu unterstützen und ihm alle benötigten Vitamine und Nährstoffe zuzuführen. Dabei sollte man auf einen angemessenen Salzkonsum achten.

Einige Tipps zum richtigen Salzkonsum:

  • Erst nachher Salzen: Wer während des Kochens schon viel mit Salz abschmeckt, der tendiert leicht dazu, mehr Salz hinzuzugeben als nötig. Besser: Nudel- und Kartoffelwasser leicht salzen, den Rest dann, wenn es auf dem Tisch serviert wird. So hat man einen besseren Überblick über die Salzmenge.

  • Alternative zu Salz: Eine gute Alternative zum Salz sind Kräuter. Kräuter wie Oregano, Thymian, Rosmarin oder auch Dill eigenen sich sehr gut als Salzersatz, da sie ein leckeres Aroma abgeben.

  • Achtung versteckte Salze: Viele Fertiggerichte oder auch Knabbereien wie Chips enthalten viel Salz. Daher sollte man auf den Salzgehalt achten und diese nur in Maßen verzehren.

Wollen Sie mehr über eine gesunde Ernährung mit MS wissen, dann finden Sie hier weitere Informationen.

Der aktuelle Service auf MS und ICH

Wir haben in unserem aktuellen Service eine herbstliche Vorspeise für Sie herausgesucht. Das leckere Rezept für ein Carpaccio vom Steinpilz steht Ihnen hier zum Download bereit.

Das erwartet Sie auf MS und Ich

Mit aktuellen Themen aus der MS-Forschung geht es auch weiter. In unserem nächsten Artikel „Biomarker und MS – gibt es einen MS-Test?" finden Sie spannende Neuigkeiten zur MS-Diagnose. Seien Sie also auch am 26.10.18 wieder dabei. Wir freuen uns auf Sie!

Quelle(n):

[1] Hucke S, Eschborn M, Liebmann M et al. Sodium chloride promotes pro-inflammatory macrophage polarization thereby aggravating CNS autoimmunity. J Autoimmun. 2016;67:90-101
[2] Cortese, M. et al: No association between dietary sodium intake and the risk of multiple sclerosis. Neurology. 2017 Sep 26; 89(13):1322-1329.
[3] Fitzgerald, K.C. et al.: Annals of Neurology Volume 82, Issue1 July 2017 Pages 20-29
[4] Ergebnis der DEGS (Deutsches Erwachsenen Gesundheitssurvey) Studie aus dem Jahr 2008-2011
[5] https://www.dge.de/nachrichten/detail/selbstkochen-verringert-natriumzufuhr-nicht/
[6] https://www.wissenschaft-im-dialog.de/projekte/wieso/artikel/beitrag/wieso-ist-zu-viel-salz-schaedlich-fuer-den-koerper/