Wie unsichtbare MS-Symptome sichtbar werden
Novartis

Unsichtbare Symptome bei Multipler Sklerose (MS) können MS-Erkrankten das Leben schwer machen. Sie werden oft nicht richtig behandelt oder stoßen bei ihren Mitmenschen auf Unverständnis. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, unsichtbare MS-Symptome sichtbar zu machen.

Wenn man krank ist, aber gesund aussieht

Wenn man von Multipler Sklerose spricht, denken die meisten Menschen zunächst an körperliche Einschränkungen oder sogar an ein Leben im Rollstuhl. Fragt man hingegen einen MS-Erkrankten, wie sich die MS bei ihm zeigt, merkt man schnell, dass tatsächlich viel mehr dahinter steckt. MS-Symptome, die vielleicht den Alltag mehr belasten, als eine eingeschränkte Mobilität.

Vieles was die MS betrifft ist unsichtbar. Dazu gehören MS-Symptome wie

  • Fatigue, eine abnorme Müdigkeit
  • Kognitive Störungen: Konzentrations-, Denk- und Aufmerksamkeitsstörungen
  • Depressionen
  • Seh- und Augenbewegungsstörungen
  • Schmerzen
  • Sensibilitätsstörungen
  • Sexuelle Störungen
  • Sprech-, Atem- und Schluckstörungen

    Viele Menschen wissen nicht, welche unterschiedlichen Symptome die MS-Erkrankung mit sich bringen kann. MS-Erkrankte stoßen daher aufgrund von Unwissenheit oft auf Unverständnis in ihrem beruflichen und privaten Umfeld. Das passiert besonders dann, wenn man krank ist, aber gesund aussieht. Hier finden Sie noch einmal alle unsichtbaren MS-Symptome auf einen Blick.

    In dem Artikel „#sichtbarwerden: Unsichtbare MS-Symptome werden sichtbar“ erfahren Sie auch, wie einige MS-Patienten die unsichtbare Seite der MS erleben.

    Wie unsichtbare Symptome entstehen

    Bei der Multiplen Sklerose kommt es im Gehirn und Rückenmark durch autoimmune Entzündungsprozesse einerseits zum Verlust der Nervenisolierschicht (Demyelinisierung) und andererseits zum Verlust von Nervenzellen (Neurodegeneration). Die Zerstörung der weißen und grauen Substanz im Gehirn führt dazu, dass die Weiterleitung von Impulsen über die Nervenbahnen im ZNS verlangsamt oder unterbrochen wird.

    Bei MS-Erkrankten ruft dies neurologische MS-Symptome hervor, die manchmal nur „unterschwellig“ spürbar sind, wie Fatigue oder Kognitive Störungen. Nicht immer ist klar, inwieweit auch progrediente Verlaufsformen davon abgegrenzt werden können.

    Wie unsichtbare Symptome sichtbar gemacht werden können

    Um die Krankheitsaktivität zu bewerten, werden verschiedene Kriterien herangezogen1:

    • Schübe
    • Fortschreiten der Beeinträchtigung
    • Neuropsychologische Aspekte
    • MRT-Aktivität

    Denn ein Gesamtbild über die Krankheitsaktivität kann man tatsächlich nur bekommen, wenn man alle Aspekte in eine Beurteilung einbezieht. Dazu gehören das Auftreten von Schüben, die Schubhäufigkeit, verbleibende Beeinträchtigungen nach einem Schub wie auch Auswirkungen auf das Berufsleben oder auf Freizeitaktivitäten.

    Inwieweit eine Beeinträchtigung fortschreitet, nimmt einen großen Einfluss auf die alltäglichen Aktivitäten. Weil MS-Erkrankte anfangs mit vergleichsweise geringer Behinderung den größten Nutzen von einer Behandlung haben,2 sollte die Krankheitsprogression bereits in der früheren Phase der Erkrankung erfasst werden. So kann man optimal behandeln und frühzeitig gegebenenfalls durch eine Therapieoptimierung auf Veränderungen reagieren.

    Neuropsychologische Aspekte wie kognitive Störungen oder Depressionen können sich signifikant auf die Lebensqualität von Patienten mit MS auswirken und z. B. die Einhaltung der Therapievorgaben beeinträchtigen, was sich wiederum auf den Krankheitsverlauf auswirken kann.

    MRT-Aktivität

    Die Kernspintomographie, kurz MRT, ist eine bildgebende Methode, die mittels eines starken Magnetfeldes Schnittbilder des Gehirns und des Rückenmarks erstellt.

    Je nach Untersuchungsmethode können die Entzündungsherde lokalisiert, nach „Alter“ beurteilt oder auch Hirnatrophie festgestellt werden. Neue aktive Läsionen in der MRT gelten als Indikator für Krankheitsaktivität.

    Regelmäßige MRT-Kontrollen sind wichtig, um den Krankheitsverlauf zu beobachten. Dazu ist vor allem wichtig, dass die MRT-Aufnahmen vergleichbar sind. Um sicherzustellen, dass eine Therapie wirkt, kann nach 6 Monaten eine MRT-Kontrolle erfolgen, ebenso bei relevanten Änderungen der Krankheitsdynamik, die eine Therapieumstellung nach sich ziehen könnte.3 Ansonsten reicht in der Regel eine MRT-Kontrolle einmal pro Jahr.  

    Wie genau die MRT-Untersuchung verläuft, dass erfahren Sie in unserem Service „Fakten und Informationen rund um die Magnetresonanztomographie“ (MRT).

    Man sieht den Schaden oft zu spät, erst wenn sich bereits MS-Symptome zeigen

    Auch wenn sich die Krankheitsaktivität bei MS scheinbar gut durch die MRT darstellen lässt, so zeigt sich auch häufig, dass die Befunde unzureichend mit dem neurologischen Befund der MS-Betroffenen korrelieren.4

    Gerade Betroffene mit progredienten Verlaufsformen haben trotz fortschreitender Behinderung oft ein „stabiles“ MRT-Bild.5 Der Übergang zur SPMS wird daher häufig zu spät erkannt.

    Bei einer fokalen Läsion ist die Schädigung oder Veränderung auf einen bestimmten abgegrenzten Bereich des Gewebes beschränkt. Fokale Läsionen sind im MRT sichtbar. Mikroläsionen sind sehr klein. Sie sind nicht im MRT sichtbar und zeigen die unterschwellige Entzündungsaktivität.

    Erst das Gesamtbild zeigt die Krankheitsaktivität

    Um die Krankheitsaktivität wirklich zu beurteilen, ist das Gesamtbild aus Schüben, Krankheitsprogression, neuropsychologischen Aspekten und MRT-Aktivität aussagekräftig. Es ist also wichtig, auf Symptome zu achten, frühzeitig eine Verschlechterung zu erkennen und darauf zu reagieren. Je früher man eine wirksame Therapie einleitet oder gegebenenfalls auf eine Therapie für die (hoch)aktive Verlaufsform umstellt, umso mehr verzögert man die Behinderungsprogression.

    Mehr dazu erfahren Sie in unseren kommenden Fokusthemen.

    Quelle(n):

    [1] Schönfelder T, Pöhlau D: Früherkennung und Diagnostik der Multiplen Sklerose, M. Kip et al. (Hrsg.), Weißbuch Multiple Sklerose, Springer 2016, S. 24-50, Download unter: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2F978-3-662-49204-8.pdf
    [2]  Leray E, Yaouanq J, Le Page E, Coustans M, Laplaud D, Oger J, Edan G (2010): Evidence for a two-stage disability pro-gression in multiple sclerosis. Brain 133(Pt 7), 1900-1913. DOI: 10.1093/brain/awq076.
    [3] DGN-Leitlinien: https://www.dgn.org/leitlinien/2333-ll-31-2012-diagnose-und-therapie-der-multiplen-sklerose (zuletzt besucht: 18.11.19)
    [4] MS Stiftung Trier: MRT – führen häufigen Kontrollen auch zu einer besseren Behandlung? ZIMS-Magazin 2; Juni 15, 2018, http://ms-stiftung-trier.de/mrt-haeufigen-kontrollen-auch-zu-einer-besseren-behandlung/#more-562; Jutta Scheiderbauer.
    [5] Mahad DH, Trapp BD, Lassmann H. Pathological mechanisms in progressive multiple sclerosis. Lancet Neurol. 2015 Feb;14(2):183-93. doi: 10.1016/S1474-4422(14)70256-X.