Das Berufsleben: Multiple Sklerose (MS) am Arbeitsplatz

Das Berufsleben: Multiple Sklerose (MS) am Arbeitsplatz

Für mehr als 200.000 Betroffene in Deutschland gehört die Erkrankung MS zum Alltag dazu, oft mit Veränderungen der Lebens- und Zukunftsplanung. Mancher MS-Patient resigniert früh und zieht sich vorzeitig aus dem Arbeitsleben zurück. Eine voreilige Berentung ist langfristig jedoch kontraproduktiv. Sie sorgt für einen Rückzug aus dem alltäglichen sozialen Leben.
Mehr als ein Drittel der MS-Betroffenen in Deutschland können ihren Beruf ohne größere Anstrengungen über viele Jahre weiter ausführen und bis zu ihrem Rentenalter in einem Unternehmen weiterarbeiten. Es ist jedoch sinnvoll, die körperliche Belastbarkeit während eines Arbeitstages zu berücksichtigen. MS-Erkrankte können schneller ermüden, mehrere Pausen über den Tag verteilt sind daher wichtig. Bei verminderter Leistungsfähigkeit helfen Teilzeitstellen und/oder leichtere Tätigkeiten dabei, trotz der chronischen Erkrankung weiter im Berufsleben zu bleiben.
Versuchen Sie so lange wie möglich an der Arbeitswelt teilzuhaben! Eine Arbeitsstelle kann viele positive Effekte mit sich bringen, z. B.:

  • Anerkennung für vollbrachte Leistungen,
  • die Motivation, sich der MS zu stellen,
  • ein stärkeres Selbstbewusstsein 
  • Kraft, um der Erkrankung aktiv entgegenzutreten.

Wie sag ich's meinem Chef und meinen Kollegen?

Nach der Diagnose MS stehen Betroffene vor der Entscheidung, ob sie ihren Arbeitgeber über die Erkrankung informieren oder nicht. Solange die MS die Arbeitsfähigkeit nicht einschränkt, muss sie dem Arbeitgeber nicht zwingend mitgeteilt werden.

Vor einem Gespräch mit seinem Vorgesetzten ist es sinnvoll, sich z. B. bei der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) über die gesetzlichen Bestimmungen für Behinderte zu informieren. Denn niemand kann den individuellen Verlauf der MS voraussehen. Viele junge MS-Erkrankte sind über lange Zeit kaum beeinträchtigt. In diesem Fall kann es besser sein, die Krankheit nicht im Arbeitsumfeld publik zu machen, da dies die Chancengleichheit im Beruf beeinträchtigen kann.

Es kann jedoch auch von Vorteil sein, den jeweiligen Arbeitgeber in Hinblick auf eine mögliche geringere Leistungsfähigkeit aufgrund der MS zu informieren. Der offene, selbstbewusste Umgang mit der Erkrankung kann dann eine rechtzeitige Anpassung der Aufgaben und des Arbeitsumfeldes ermöglichen.

Liegen bereits dauerhafte Einschränkungen vor ( über mindestens 6 Monate), die sich negativ auf das konkrete Arbeitsverhältnis auswirken oder wurde eine Schwerbehinderung anerkannt, muss ein Arbeitnehmer dies nicht von sich aus dem Vorgesetzten mitteilen. Auf Anfrage ist er allerdings mitteilungspflichtig: Wer die zulässige Frage des Arbeitgebers nach dem Vorliegen einer chronischen Erkrankung, nach Schwerbehinderteneigenschaft bzw. Gleichstellung wahrheitswidrig verneint, kann gekündigt werden oder seinen Arbeitsvertrag durch Anfechtung wegen arglistiger Täuschung verlieren.

Mehr zu diesem Thema finden Sie in unseren Broschüren Recht und Soziales bei MS und Schule und Beruf mit MS.