Mehr Power am Arbeitsplatz: Tipps für MS-Betroffene

Mehr Power am Arbeitsplatz: Tipps für MS-Betroffene

Viele Menschen mit MS sind schnell ermüdbar und/oder neigen zu Merkfähigkeits- und Konzentrationsstörungen. Sind diese sogenannten „unsichtbaren" Symptome leicht ausgeprägt, können ein paar einfache Maßnahmen helfen, wieder Kraft zu schöpfen – für die Arbeit und den Alltag.

Effektive Ruhepausen

Die Anzahl der Ruhepausen ist durch § 4 im Arbeitszeitgesetz geregelt. Dieses besagt, dass die Arbeit durch Ruhepausen von mindestens 30 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs bis zu neun Stunden und 45 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden insgesamt unterbrochen werden muss. Die Ruhepausen können vom Arbeitnehmer in Zeitabschnitte von jeweils mindestens 15 Minuten aufgeteilt werden.

Häufiger eine kürzere Pause zu nehmen hat erfahrungsgemäß einen höheren Erholungseffekt als eine lange Pause. Gerade wenn man auch berücksichtigt, dass schon nach 60 bis 90 Minuten Arbeitszeit unsere Konzentrationsfähigkeit und unser Leistungsvermögen deutlich nachlassen. Oft reicht es, zwischendurch eine andere Arbeit zu erledigen, z. B. ein wenig Ablage zu machen oder das Fenster zu öffnen, durchzuatmen, sich einen Kaffee zu holen und einen kurzen Plausch zu halten. Die offizielle Pause sollten Sie auf alle Fälle gut für sich nutzen. Zum Beispiel mit einem Gang an die frische Luft, Rückentraining, Atemübungen, Progressiver Muskelentspannung oder Autogenem Training. Viele Unternehmen bieten für ihre Beschäftigten Kurse im Rahmen ihres betrieblichen Gesundheitsmanagements an. Auch die gesetzlichen Krankenkassen haben solche Kurse im Angebot. Erkundigen Sie sich nach Ihren Möglichkeiten.

Autogenes Training

Das Autogene Training ist eine weit verbreitete Entspannungstechnik. Es lässt sich auch ohne aufwendiges Zubehör und mit geringem Zeitaufwand in den normalen Tagesablauf integrieren. Damit können Sie sich im stressigen Arbeitsalltag auch zwischendurch mal eine kurze Auszeit gönnen und Kraft für neue Aufgaben tanken. Im ersten Schritt soll dazu ein Zustand der Wärme und Entspannung erlangt werden, der zu einer einfachen Form der Trance, ähnlich dem Einschlafen, führen soll. Damit lernen Sie Schmerzen und Stress auszuschalten und sich auf eigene Ziele zu konzentrieren. Am Anfang kann es hilfreich sein, das Autogene Training zu üben, wenn Sie schon etwas müde sind. So gelangen Sie noch leichter in den gewünschten Entspannungszustand.

Beispielübung: Die Kutscherhaltung nach J. H. Schulz ist leicht nachzumachen und gibt Ihnen einen sanften Einstieg in das Autogene Training. Der Name dieser Haltung rührt daher, dass J. H. Schultz für seine Übungen die Entspannungshaltung der Berliner Pferdekutscher übernahm, die auf einem Kutschbock (der ja keine Lehne hat) ein Nickerchen machten. Die Droschkenkutscherhaltung ist besonders leicht und unkompliziert. Sie brauchen dafür nur einen einfachen Hocker, einen Stuhl oder eine Bank, weshalb sie nahezu überall praktiziert werden kann. Wenn Sie es richtig machen, ist Ihr Körper in dieser Haltung völlig entspannt. Wie für die anderen Positionen auch sollten Sie zuvor einengende Kleidung lösen. Setzen Sie sich locker auf den vorderen Teil der Sitzfläche, Schultern und Kopf leicht nach vorn gebeugt. Lassen Sie die Hände ganz entspannt auf den Oberschenkeln der leicht geöffneten Beine ruhen (Bild 1). Oder Sie neigen den gesamten Oberkörper nach vorn und stützen das Gewicht mit den Ellbogen ab. Die Hände hängen dabei nach innen herunter (Bild 2). [1]

Mit der Kutscherhaltung aus dem Autogenen Training kann man in Arbeitspausen Kraft schöpfen.

Die Kutscherhaltung aus dem Autogenen Training

Hitze am Arbeitsplatz: Einfache Maßnahmen für einen kühlen Kopf

Der Sommer ist für die meisten Menschen eine schöne Jahreszeit, er hat für viele MS-Betroffene aber auch so seine Tücken. Wer am Uhthoff-Phänomen leidet, kann die Hitze nicht gut vertragen. Beim Uhthoff-Phänomen handelt es sich um eine vorübergehende Verschlechterung neurologischer MS-Symptome bei einer Erhöhung der Körpertemperatur. Zu Hause kann man sich dagegen schützen, aber was kann man tun, wenn man arbeiten muss? Haben Sie sich auch schon mal aufgrund hoher Außentemperaturen gegen die Arbeit gesträubt? Oder waren Sie nach einem langen Arbeitstag im Büro total geschafft?

Manchmal helfen schon ganz einfache Maßnahmen, den Arbeitstag im Sommer angenehmer zu gestalten:

  • Lüften Sie Ihr Arbeitszimmer gut in den frühen Morgenstunden.
  • Nutzen Sie Gleitzeitregelungen und beginnen Sie früher.
  • Achten Sie auf geeignete luftige Kleidung.
  • Stellen Sie sich immer Mineralwasser bereit, und trinken Sie viel.
  • Nutzen Sie Sonnenschutzvorrichtungen und halten Sie diese auch nach der Arbeitszeit unbedingt geschlossen.
  • Betreiben Sie elektrische Geräte, die zusätzlich Wärme erzeugen, nur bei Bedarf.

So macht nicht nur die Arbeit im Sommer wieder mehr Freude, sondern Sie sparen auch noch viel Energie für einen schönen lauen Sommerabend.

Weitere Informationen zum Uhthoff-Phänomen

Quelle(n):

[1] Übungen aus: Autogenes Training. GU Verlag. ISBN: 978-3-8338-1973-5. August 2010; München