MS und Arbeit: Die Zahlen

Studien zu MS und Arbeit

Der Einfluss der Erkrankung MS auf den Beruf ist erheblich. Das bestätigen die Ergebnisse mehrerer Studien.

Berufstätige MS-Patienten

Eine davon ist die von Novartis unterstützte PEARL-Studie, unter Leitung von PD Dr. Tjalf Ziemssen, MS-Zentrum am Universitätsklinikum Dresden. An der Studie nahmen 1.062 berufstätige MS-Patienten deutschlandweit teil. Ein Viertel der befragten Patienten berichtete von MS-bedingten Fehlzeiten am Arbeitsplatz innerhalb der letzten drei Monate. Bezogen auf ein Jahr betrug die Zeit der Krankschreibung im Mittel 24 Tage. Fast die Hälfte der befragten Patienten gab an, dass ihr Gesundheitszustand in den letzten sieben Tagen auch ihre Arbeitsproduktivität beeinträchtigt hatte [1].

Berentung und ihre Folgen

Eine Literaturanalyse des MS-Zentrums Dresden ergab, dass etwa
40 % der MS-Patienten nicht erwerbstätig sind oder eine vorzeitige Rente beziehen[2]. Die Berentung erfolgt im Schnitt 13 Jahre nach der Diagnosestellung [3].

Laut einer Untersuchung der Multiple Sclerosis International Federation (MSIF Survey) gaben 47 % der Patienten, die aufgrund der MS erwerbslos geworden waren, ihre Arbeit innerhalb von 3 Jahren nach der Diagnose auf [4].

MSIF Survey: Umfrage unter MS-Patienten (mehrere Antworten waren möglich). Nach [4].

Für betroffene Patienten ist die vorzeitige Berentung meist mit deutlichen finanziellen Einschnitten verbunden. Besonders junge Patienten, die aufgrund der verkürzten beruflichen Tätigkeit kaum Anwartschaften erwerben konnten, sehen sich mit einer problematischen finanziellen Langzeitperspektive konfrontiert, was nachweislich mit einer Beeinträchtigung des psychischen Wohlbefindens und der Lebensqualität einhergeht [5].

Auch für die Solidargemeinschaft sind die Folgen beträchtlich. Laut einer aktuellen Untersuchung von Reese et al. betragen die Behandlungskosten für einen MS-Patienten in Deutschland pro Quartal insgesamt 10.329 Euro. Die indirekten Kosten, primär verursacht durch den Produktivitätsausfall, machen mit 4.846 Euro etwa 47 % der Gesamtkosten aus [6].

Faktoren, die eine Erwerbstätigkeit bei MS fördern

Die Diagnose MS bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass man sich in seinem Beruf einschränken muss oder sogar berufsunfähig wird. Im Rahmen des (MSIF Survey) wurden erwerbstätige Patienten nach den Faktoren befragt, die es ihnen ermöglichen, trotz MS weiterhin erwerbstätig zu sein. Die Mehrheit der Patienten gab in diesem Zusammenhang die „Stabilität der Erkrankung" an. Eine zuverlässige symptomatische sowie die immunmodulierende Therapie, eine sitzende Tätigkeit sowie flexible Arbeitszeiten wurden ebenfalls häufig angegeben. Weitere Informationen hierzu finden Sie im Artikel Erhalt der Erwerbstätigkeit bei MS.

Quelle(n):

Quellen:
[1] Viktor, Stefan: PEARL ProspEctive phArmacoeconomic cohoRt evaLuation. Novartis Pharma GmbH. 2014.
[2] Kern S, Kühn M, Ziemssen T: Chronisch krank und ohne Arbeit? Eine aktuelle Analyse zur Erwerbstätigkeit bei Multipler Sklerose. Fortschritte der Neurologie-Psychiatrie 2013; 81; 95-103.
[3] Flachenecker P et al.: Multiple sclerosis registry in Germany: results of the extension phase 2005/2006. Dtsch Arztebl Int 2008; 105(7): 113-119.
[4] Multiple Sclerosis International Federation: MSIF survey on employment and MS. 2010. Erscheinungsdatum: April 2010
[5] McCabe et al.: The effects of economic disadvantage on psychological well-being and quality of life among people with multiple sclerosis. Journal of Health Psychology 2005; 10(1): 163-173.
[6] Reese et al.: Economic Burden in a German Cohort of Patients with Multiple Sclerosis. Eur Neurol 2011; 66: 311-321.