Die „unsichtbaren“ Symptome der MS – oft Grund einer Erwerbsunfähigkeit

Auch die „unsichtbaren“ Symptome der MS erschweren oft das Arbeiten.

Nicht nur die körperlichen Funktionsbeeinträchtigungen wie Spastik, Lähmungserscheinungen und eingeschränkte Mobilität können das Fortführen einer Erwerbstätigkeit erschweren. Auch die sogenannten „unsichtbaren" Symptome der MS wie kognitive Störungen und Fatigue (erhöhte Erschöpfbarkeit) führen nicht selten alleine – und unabhängig von der körperlichen Beeinträchtigung – zur vorzeitigen Erwerbsunfähigkeit.

Die „unsichtbaren" Symptome werden – wie auch andere Begleitsymptome der MS – oft noch nicht ausreichend behandelt. So wären beispielsweise Spastik, Blasenstörungen und Depressionen einer medikamentösen Therapie in der Regel gut zugänglich, dennoch werden nach den Daten des Deutschen MS-Registers 31–45 % dieser Patienten nicht behandelt [1]. Bei 64 % der im Register erfassten Patienten wird eine Fatigue diagnostiziert. Diese wird jedoch in 79 % der Fälle nicht therapiert. Bei 36 % der Patienten wird eine kognitive Störung angegeben. Hier sind 83 % der betroffenen Patienten nicht behandelt. Dies liegt unter anderem daran, dass für die beiden letztgenannten Symptome noch keine „durchschlagenden" Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Es gibt jedoch einige nicht-medikamentöse Maßnahmen, die den Umgang mit den Symptomen erleichtern und deren Ausprägung mildern können.

Häufigkeit „unsichtbarer" (psychischer) Symptome und motorischer Symptome (Beispiel Ataxie), mehrere Antworten waren möglich. Nach [1].

Kognitive Störungen

Bei rund der Hälfte der Patienten werden kognitive Einschränkungen nicht erkannt und von den Patienten allenfalls als Merkfähigkeits- und Konzentrationsstörungen eingeschätzt [1].

Zu den kognitiven Störungen zählen eine verminderte Geschwindigkeit bei der Verarbeitung von Informationen, Aufmerksamkeitsstörungen, Beeinträchtigungen des sprachlichen und nicht-sprachlichen Langzeitgedächtnisses sowie des Metagedächtnisses, Störungen der visuell-räumlichen Wahrnehmung und der sogenannten Exekutivfunktionen, die für die Handlungsplanung und problemlösendes Denken verantwortlich sind.

Diese Einschränkungen wirken sich nicht nur negativ auf die Lebensqualität des Einzelnen aus, sondern können auch die berufliche Leistungsfähigkeit vermindern. Sie erfordern eine ausführliche neuropsychologische Testung. Medikamentöse Maßnahmen sind in der Regel unwirksam. Helfen kann ein zielgerichtetes kognitives Training (Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Exekutivfunktionen), das unterstützt wird von psychologischer Beratung, Vermittlung von Strategien zum Umgang mit den Problemen, Erlernen im Gebrauch von Hilfsmitteln und einer psychotherapeutischen Betreuung.

Fatigue

Die Fatigue unterscheidet sich deutlich von „normaler" Müdigkeit. Die Patienten geben eine zunehmende Schwäche und Mattigkeit an, die – abhängig von der Belastung und des Tagesverlaufs – stärker werden. Außerdem klagen sie über einen Antriebs- und Energiemangel sowie ein dauerhaft vorhandenes Müdigkeitsgefühl. Die Ursachen sind letztendlich unbekannt; wahrscheinlich handelt es sich um ein Syndrom mit verschiedenen Ursachen. In letzter Zeit mehren sich die Hinweise, dass die Fatigue zumindest teilweise durch eine Aufmerksamkeitsstörung bedingt ist.

Die medikamentöse Therapie ist in der Regel wenig erfolgreich. Daher stehen nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Beratung von Patienten und Angehörigen, Strukturierung des Tagesablaufs mit der Möglichkeit zu ausreichenden Pausen, Vermittlung von Energiemanagement-Strategien, kühlende Maßnahmen und körperliches Training vor allem mit Ausdauersportarten wie „Nordic Walking" oder auf dem Fahrradergometer im Vordergrund der Behandlung.

Zum Umgang mit schneller Ermüdbarkeit und Konzentrationsstörungen lesen Sie auch unsere Tipps: Mehr Power am Arbeitsplatz. Weitere Informationen zu kognitiven Störungen und Kognitionsübungen finden Sie hier: Was sind kognitive Störungen?

Weitere Informationen zu den verschiedenen Begleitsymptomen der MS finden Sie im Bereich MS Wissen

Quelle(n):

Quelle:
[1] Flachenecker P, Stuke K, Elias W et al.: Multiple sclerosis registry in Germany: results of the extension phase 2005/2006, Dtsch Ärztebl Int 2008; 105:113-119.