Sprech- und Schluckstörungen bei Multipler Sklerose (MS)

Sprech- und Schluckstörungen bei Multipler Sklerose (MS)

Im Verlauf der MS-Erkrankung können Sprech- und Schluckstörungen auftreten. Unter Sprechstörungen, der sogenannten Dysarthrie, versteht man die Beeinträchtigung der Fähigkeiten beim Sprechvorgang, die z. B. zu Problemen bei der korrekten und flüssigen Aussprache führen kann. Dabei unterscheidet man zwischen Sprechstörungen, die entweder nur die Lautbildung oder die Stimme und die Atmung (Dysarthrophonie) betreffen. Im Unterschied zur Sprachstörung sind bei der Sprechstörung nur die motorisch-artikulatorischen Fertigkeiten betroffen, nicht jedoch das Sprachvermögen an sich. Am häufigsten tritt bei MS-Patienten die paroxysmale Dysarthrie auf, bei der der eigentliche Sprachfluss nicht gestört wird, es aber zwischendurch zu kurzen Versprechern kommen kann.

Schluckbeschwerden, sogenannte Dysphagien, erschweren u. a. die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme. Bei MS-Betroffenen finden sich meist verschiedene Mischformen der Sprech- und Schluckstörungen.

Welche Symptome gibt es?

Unser Sprech- und Schluckvorgang wird durch ein komplexes Zusammenspiel von Muskeln, Nerven und Gehirn gesteuert. Gerät dieses aus dem Gleichgewicht, kann es zu zahlreichen Komplikationen kommen. Die Ausprägung von Sprech- und Schluckstörungen ist von Patient zu Patient unterschiedlich: Sie reicht von leicht verwaschener bis zu kaum verständlicher Aussprache sowie von geringfügigen Schwierigkeiten beim Essen und Trinken bis zu eventueller Mangelernährung.

Erste Symptome einer Sprechstörung können u. a. eine zu hohe oder tiefe Stimmlage, ein zu schnelles oder langsames Sprechtempo sowie auch Atemstörungen sein.

Schluckstörungen machen sich häufig durch Hustenreiz, vermehrten Speichelfluss und Schwierigkeiten beim Essen und Trinken bemerkbar. Dabei sollten erste Anzeichen nicht ignoriert werden, denn im Extremfall kann eine Schluckstörung auch zu Untergewicht, Mangelernährung und Dehydratation führen. Gelangt beim Verschlucken Nahrung in die Luftröhre, kann dadurch eine Lungenentzündung ausgelöst werden.

Sprech- und Schluckstörungen werden interdisziplinär durch Neurologen und den Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten (HNO-Arzt) diagnostiziert.

Sprech- und Schluckstörungen bei MS können sich durch unterschiedliche Symptome bemerkbar machen.

Symptome bei Sprech- und Schluckstörungen

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Die Therapie von Sprech- und Schluckstörungen umfasst je nach Beschwerdebild verschiedene Maßnahmen. Therapiemöglichkeiten finden sich im Bereich der Logopädie.

Bei Schluckbeschwerden kann z. B. das funktionelle Schlucktraining mit Verfahren wie dem Mendelsohn-Manöver und dem supraglottischen Schlucken helfen. Dabei soll der Betroffene den normalerweise automatisch ablaufenden Prozess des Schluckens bewusst neu erlernen. Gleichzeitig werden sogenannte Ersatzstrategien eingeübt, die zu einem sichereren Schlucken durch z. B. eine bestimmte Kopfhaltung oder gezieltes leeres Nachschlucken führen.

Beim Essen sollten sich von Schluckstörungen Betroffene viel Zeit lassen, möglichst kleine Happen/Schlucke zu sich nehmen und diese gründlich kauen. Gönnen Sie sich zwischendurch auch kurze Pausen. Das Benutzen von Hilfsmitteln (z. B. spezielles Essbesteck und Trinkbecher) oder das Essen pürierter Speisen können den Schluckvorgang erleichtern. Unterstützend wirken auch kleine Schlucke Wasser während der Mahlzeit. Stellen Sie sich deshalb immer ein Glas bereit. Auch eine aufrechte Sitzposition beim Essen ist oft hilfreich: Stellen Sie dazu beide Beine fest auf den Boden, sitzen Sie aufrecht mit leicht vorgebeugtem Oberkörper und legen Sie die Unterarme auf dem Tisch auf. Versuchen Sie, sich beim Essen möglichst gut auf das Kauen und Schlucken zu konzentrieren. Verzichten Sie auf übermäßige Mengen an Milch- und Süßspeisen, da diese zu einer vermehrtem Schleimbildung führen.

Therapiemöglichkeiten der Sprechstörungen sind z. B. ein Training der Mundmotorik, die Verbesserung der Lautbildung durch klarere und flüssigere Artikulationsbewegungen, Atem- und Sprechrhythmusübungen sowie das Arbeiten an Körperspannung und -haltung, um Stimme und Atmung zu verbessern. Neben der Therapie beim Logopäden können Sie viele Übungen zu Hause durch- und fortführen sowie eventuell auch auf Hilfsmittel wie den Sprachverstärker oder Sprachcomputer zurückgreifen.