Training der Mund- und Zungenmuskulatur bei MS

Training der Mund- und Zungenmuskulatur bei MS

Merken Sie auch manchmal, dass es Ihnen schwerer als früher fällt zu sprechen? Dass Ihnen die Stimme versagt oder Sie undeutlich sprechen? Sprechstörungen sind ein häufiges Symptom der Multiplen Sklerose (MS), dadurch bedingt, dass die am Sprechen beteiligte Muskulatur geschwächt oder gelähmt ist bzw. Koordinationsprobleme aufweist. Liegen Sprechstörungen vor, sollten Sie einen Logopäden zu Rate ziehen. Denn, was viele nicht wissen: Durch eine geeignete Therapie können Sprechstörungen effektiv gebessert werden.

Der Logopäde trainiert mit Ihnen ausgesuchte Wahrnehmungsübungen, aktive motorische Übungen für Zunge und Mund, Atemübungen und Übungen zur Sprechlautstärke. Dabei ist die Verbesserung der Muskulatur im Mundbereich, die als wichtiger Bestandteil der Aussprache beeinträchtigt ist, ein wichtiges Therapieziel. Wir haben für Sie einige Übungen herausgesucht, die Sie leicht in Ihren Alltag einbauen können – zu Hause oder im Büro. Die Lippen spitzen, nach dem Essen den Mund mit der Zunge nach Speiseresten abtasten, in der Mittagspause Seifenblasen pusten oder einfach seine Kaltgetränke mit dem Strohhalm trinken. So einfach kann das Training sein.

Lippen- und Zungenübungen zur Muskelkräftigung
  • Zunge kräftig an Gaumen ansaugen – halten – mit sattem Klang lösen und „klacken" lassen 
  • Nach jeder Mahlzeit mit der Zunge einzeln die Zähne nach Speiseresten abtasten 
  • Mit der Zunge die Wangen „ausbeulen", den Mund von innen in alle Richtungen ausstreichen 
  • So oft es möglich ist, mit dem Strohhalm trinken (Achtung: Verbrennen Sie sich nicht dabei!) 
  • Lippen spitzen, dann Lippen breit ziehen 
  • Beide Wangen aufpusten, dann beiden Wangen ansaugen 
  • Linken Mundwinkel nach links, dann den rechten Mundwinkel nach rechts ziehen 
  • Anpusten von hängenden Gegenständen oder Windmühlen bzw. Auspusten von Kerzen

Ihr Logopäde zeigt Ihnen sicherlich noch mehr Übungen. Und vergessen Sie nicht: Machen Sie lieber häufiger mal eine Übung zwischendurch – morgens am Waschbecken, nach dem Essen oder auch am Schreibtisch – dafür nicht so lange. Zwischendurch sollten Sie nicht vergessen, immer wieder die Muskulatur zu lockern!

Lippen- und Zungenstimulatoren

Zungenstimulatoren zum Training der Lippen- und Zungenmuskulatur

Zungenstimulatoren

Mit Hilfsmitteln wie Lippen- und Zungenstimulatoren können Sie gezielte Kräftigungs- und Koordinationsübungen für die Lippen- und Zungenmuskulatur trainieren und so logopädische Übungen im Alltag zu Hause ergänzen. Das Übungsbesteck trainiert die Zungen-, Wangen- und Rachenmuskulatur und stimuliert bestimmte Stellen im Mund, durch die die korrekte Zungen- und Lippenposition nachempfunden werden kann.

Funktionelle Schlucktherapie

Bei starken, dauerhaften Schluckbeschwerden, sogenannten Dysphagien, die u. a. die Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeiten erschweren, können Maßnahmen der funktionellen Schlucktherapie helfen. Ziel ist das Stärken der am Schlucken beteiligten Muskeln durch das Stimulieren und Trainieren wichtiger Bewegungsabläufe. Unterschieden werden bei der funktionellen Schlucktherapie restituierende (indirekte), kompensatorische (direkte) und adaptive Methoden.

Zu den kompensatorischen Verfahren der funktionellen Schlucktherapie zählen u. a. das supra- und supersupraglottische Schlucken (Glottis = Kehlkopf) sowie das Mendelsohn-Manöver. Diese kompensatorischen Verfahren haben das Ziel, den Schluckvorgang durch Haltungsänderung und bestimmte Schlucktechniken zu verbessern. Beim supra- und supersupraglottischen Schlucken wird z. B. das bewusste Atemanhalten vor und während des Schluckvorgangs geübt. Beim supraglottischen Schlucken besteht die Übung darin, unmittelbar nach dem Schlucken zu husten. Hingegen versucht der Übende beim supersupraglottischen Schlucken nicht nur während des Schluckvorgangs die Luft anzuhalten, sondern gleichzeitig aktiv mit der Bauchmuskulatur dagegen zu pressen. Das Mendelsohn-Manöver zielt darauf ab, den oberen Speiseröhreneingang freizuhalten und die Zungenmuskulatur und den Kehlkopf verstärkt zu trainieren. Dabei wird vor und während des Schluckvorgangs die Zunge mehrere Sekunden lang gegen den Gaumen gedrückt. Gleichzeitig kommt es zur Anhebung des Kehlkopfes. Damit soll eine Verbesserung der Öffnung des Speiseröhreneingangs erreicht werden.

Die unterschiedlichen Verfahren der funktionellen Schlucktherapie dienen der verbesserten Atmung und Nahrungsaufnahme und werden entweder einzeln oder in Kombination angewandt. Aufgrund anatomischer Unterschiede können diese Maßnahmen bei jedem Patienten unterschiedliche Erfolge bewirken. Deshalb sollten diese Verfahren auch unbedingt nur unter Anleitung eines erfahrenen Therapeuten trainiert werden.