Mein Kind hat Multiple Sklerose (MS)

Multiple Sklerose (MS) in der Schule

Wenn Kinder zeitweise stolpern, Gegenstände fallen lassen oder einen Krampf (z. B. im Bein) bekommen, denkt kaum jemand daran, dass es sich um die Symptome von MS handeln könnte. Doch all diese und viele andere Symptome können durch MS verursacht werden. MS im Kindes- und Jugendalter kommt vergleichsweise selten vor. Auch wenn die MS in den meisten Fällen erst im jungen Erwachsenenalter auftritt, so erkranken doch etwa drei bis sechs Prozent aller MS-Betroffenen bereits vor dem 17. Lebensjahr an dieser Autoimmunerkrankung. Dabei sind die meisten MS-Patienten im Kindesalter zwischen 10 und 16 Jahre alt.

Ein informiertes Kind kommt besser mit der MS klar

Da die MS bisher nicht heilbar ist, muss Ihr Kind lernen, mit der Erkrankung zu leben. Dafür ist es wichtig, dass Ihr Kind versteht, welche Beschwerden durch die MS ausgelöst werden, wie es damit umgehen kann und warum die kontinuierliche Behandlung der MS so wichtig ist.

Das Angebot „Entdecke MS" kann Kindern und Jugendlichen dabei helfen, die Erkrankung MS zu verstehen. Auf einem interaktiven Rundgang erhalten sie in kindgerechter Sprache Erklärungen über die häufigsten MS-Symptome. Es wird beschrieben, wie Koordinationsstörungen, Lähmungen, Sehstörungen und andere MS-Symptome aussehen, wie sie entstehen und wie Kinder und Jugendliche damit besser klarkommen können. Das Angebot wurde von Novartis in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für MS im Kindes- und Jugendalter realisiert.

Kindgerechte Informationen zur MS findet man auch auf dieser Website:
www.kinder-und-ms.de

Mitschüler und Lehrer wissen häufig noch viel zu wenig über die MS-Erkrankung. Die begleitenden Symptome der MS werden schnell fehlgedeutet, beispielsweise als Unvermögen, Interesselosigkeit oder Faulheit. Das sorgt in vielen Situationen für Unverständnis auf beiden Seiten und Unsicherheit im Umgang mit den Betroffenen. Schulkameraden und Lehrer, die über die Krankheit informiert sind, werden nicht nur mehr Verständnis zeigen, sondern vielleicht sogar Unterstützung anbieten und bei Problemen helfen.

MS in der Schule – die Mitschüler

Kinder sind häufig ehrlicher und direkter als Erwachsene. Mitschüler, die anders sind als sie selbst, werden schnell mit provozierenden Fragen und Äußerungen konfrontiert – meist aufgrund von Unwissenheit und Unsicherheit. Kinder haben normalerweise keine Ahnung davon, was sich hinter der Krankheit MS verbirgt. Deshalb ist es wichtig, dass ein Kind mit Multipler Sklerose das Selbstbewusstsein besitzt, mit Mitschülern offen über seine Krankheit zu sprechen – Eltern und Lehrer sollten dabei behilflich sein.

Schulkameraden, die mit der Krankheit vertraut sind, werden verstehen, dass ihr Mitschüler mit MS manchmal etwas langsamer ist oder aufgrund von Schüben im Unterricht fehlt. Der Umgang miteinander ist dadurch ganz selbstverständlich und Mitschüler können bei Problemen sogar helfen.

Insbesondere während längerer Krankheitsphasen ist es für Ihr Kind wichtig, den Kontakt zu Mitschülern zu pflegen. Befreundete Schulkameraden können den versäumten Unterrichtsstoff und die Hausaufgaben ins Krankenhaus bringen und von der Schule erzählen. So bleibt Ihr Kind über den Schulalltag informiert und kann Versäumtes nacharbeiten. Die Erledigung von Hausarbeiten und der Besuch von Freunden in der Klinik helfen gegen Langeweile und sorgen zudem für positive Gedanken an die Zukunft.

MS in der Schule – die Lehrer

Für die schulische Laufbahn Ihres Kindes ist es notwendig, dass Sie als Eltern die Schule informieren und Unterstützung einfordern. So können Eltern und Lehrer unterstützen:

  • Mögliche Fehlzeiten Ihres Kindes sind durch ärztliche Bescheinigungen zu belegen. Dadurch wird gewährleistet, dass Fehlzeiten mit MS bei der Notengebung berücksichtigt werden können.
  • Sie sollten mit dem Klassenlehrer mögliche Optionen durchsprechen, durch die Ihr Kind den versäumten Lernstoff anhand von Übungen, Nachhilfe usw. aufarbeiten kann.
  • Ein Gespräch mit dem zuständigen Vertrauenslehrer kann dabei helfen, die Einbindung Ihres Kindes in die Klassen- bzw. Schulgemeinschaft zu fördern.
  • Es sollte um eine möglichst gleichberechtigte Behandlung gebeten werden, um so dem Wunsch Ihres Kindes nach Normalität nachzukommen.

Berufswahl

Ebenso wie für gleichaltrige Mitschüler ist es auch für Kinder und Jugendliche mit MS sehr wichtig, einen möglichst guten Schulabschluss vorzuweisen, um die Chance auf die gewünschte weiterführende Ausbildung zu haben. Für den Abschluss gilt: Je höher die Bildung, desto größer ist die Freiheit bei der anstehenden Berufswahl. Niemand weiß, wie die Krankheit in den nächsten Jahren verlaufen wird – sie sollte daher nicht bereits im Vorfeld die Zukunft bestimmen.

Mehr als ein Drittel der MS-Betroffenen in Deutschland können ihren Beruf ohne größere Anstrengungen über viele Jahre ausführen und bis zu ihrem Rentenalter in einem Unternehmen arbeiten. Einige Berufe stellen besondere körperliche Anforderungen an den Arbeitnehmer oder sind seelisch stark belastend. Positiver, gesunder Stress spendet Motivation und ist förderlich, wohingegen ständige Überforderung sich negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken kann. Jeder sollte für sich gut überlegen, welche Anforderungen der gewünschte Beruf mit sich bringt und ob er diesen dauerhaft gewachsen ist. Generell sind Berufe nicht geeignet, die hohe körperliche Anstrengungen abverlangen oder bei hohen Temperaturen verrichtet werden müssen (z. B. Maurer, Dachdecker etc.).

Folgende Tabelle zeigt Faktoren, die die Ausübung des Berufs erschweren können und daher bei der Berufswahl berücksichtigt werden sollten:

Die Erfahrung von Fachberatern kann für Ihre individuelle
(Berufs-) Planung hilfreich sein. Anlaufstellen sind beispielsweise speziell ausgebildete Berater der Agentur für Arbeit, Reha-Experten der Krankenkassen, der Beratungsdienst der Universität, das Integrationsamt oder eine Beratungsstelle der DMSG (MS-Selbsthilfe). Sie helfen Ihnen bei der Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz oder Studienzweig.

Ausführliche Informationen zum Thema finden Sie in unserer Broschüre „Schule und Beruf mit MS".