Kinderbetreuung und Haushaltshilfe bei Multipler Sklerose (MS)

Kinderbetreuung und Haushaltshilfe bei Multipler Sklerose (MS)

Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, ist oft schon eine Managementleistung für sich. Kommt dazu noch die MS, ist die Mehrfachbelastung oft nicht mehr zu schaffen. Insbesondere, wenn längere Klinik- und/oder Rehaaufenthalte anstehen, müssen sich viele Eltern fragen, wie dies mit der Kinderbetreuung zu vereinbaren ist. Hier gibt es verschiedene Betreuungsmodelle.

Kinderbetreuung

Bei der Betreuung von Kindern gibt es verschiedene Optionen, die sich nach dem Bedarf richten. Grundsätzlich ist hier zwischen allgemeinen Kinderbetreuungskosten sowie der „Betreuung und Versorgung eines Kindes in Notsituationen“ zu unterscheiden.

Wer an einer medizinischen oder beruflichen Rehabilitationsmaßnahme teilnimmt und Kinder zu versorgen hat, hat Anspruch auf Betreuungskosten als ergänzende finanzielle Leistung zu den Rehamaßnahmen. Ist die medizinische Reha z. B. notwendig, um eine bestehende bzw. ansonsten folgende körperliche Behinderung zu verbessern bzw. zu verhindern, besteht auf Kinderbetreuungskosten ein Rechtsanspruch. Diese beinhalten entweder die Erstattung der Kosten für die Mitnahme eines Kindes an den Kur- bzw. Rehaort und dessen dortige Unterkunft und Verpflegung oder aber beziehen sich auf die Erstattung der Kosten der Kinderbetreuung im eigenen Haus. Letztere kann bis zu 130 Euro pro Kind im Monat betragen. Anträge für Kostenübernahmen müssen beim jeweiligen Rehaleistungsträger eingereicht werden.

Die so genannte „Betreuung und Versorgung eines Kindes in Notsituationen“ setzt voraus, dass zuvor alle Anträge auf Haushaltshilfe (siehe unten) von der Krankenkasse abgelehnt worden sind. Ist die Versorgung der Kinder und die Betreuung des Haushalts aber aufgrund der Erkrankung eines Elternteils, eines Kuraufenthalts, etc. trotzdem nicht möglich, ist das Jugendamt hier die Anlaufstelle. Hier kann der Antrag auf ambulante Familienpflege in sogenannten Notsituationen gestellt werden, der darauf abzielt, die Betreuungskosten für Kinder in Ausnahmesituationen, wie z. B. einem längeren Rehaaufenthalt, zu übernehmen.

Hilfe im Haushalt

Auch eine Unterstützung in Form einer Haushaltshilfe ist möglich. In deren Aufgabenbereich fallen dann z. B. das Kochen, der Einkauf oder auch die Kinderbetreuung. Voraussetzung für eine Kostenübernahme ist hier, dass Kinder unter 12 Jahren zu Hause zu versorgen sind bzw. keine andere Person im Haus die anfallenden Aufgaben erledigen kann (z. B. wegen beruflicher Verpflichtungen, zu hohem Umfang der Aufgaben, sehr hohem Alter, etc.).

Eine Haushaltshilfe kann eine fremde oder auch verwandte bzw. bekannte Person sein, die für den benötigten Zeitraum bei der täglichen Arbeit im Haus mithilft. Oft wird eine Haushaltshilfe direkt von dem Kostenträger ausgesucht und zur Verfügung gestellt. Wird diese selbst ausgewählt und eingestellt, muss unbedingt vorher abgeklärt werden, ob die Kosten übernommen werden.

Der Antrag wird meist bei der Krankenkasse, der Unfall- oder Rentenversicherung gestellt bzw. kann bei Bezug von Sozialhilfe auch Teil dessen sein. Dementsprechende Formulare und Informationen können dort erfragt werden. Hier sollte im persönlichen Gespräch in Erfahrung gebracht werden, in welchem konkreten Umfang die Kosten der Haushaltshilfe übernommen werden.

Kurzzeitige Pflege durch Angehörige: Recht auf vorübergehenden Berufsausstieg

Durch manche Symptome der MS kann kurzfristig eine gewisse Pflegebedürftigkeit entstehen, beispielsweise während oder nach einem Schub. Für Angehörige stellt sich dann häufig die Frage, wie sie Betroffenen in diesen Momenten zur Seite stehen können und wie sich dies mit dem eigenen Beruf vereinbaren lässt.

Besteht Pflegebedürftigkeit, kann von pflegenden Angehörigen eine kurzzeitige Arbeitsverhinderung oder eine Pflegezeit beantragt werden. Grundsätzlich unterscheidet man die sogenannte „kurzzeitige Arbeitsverhinderung“von der „Pflegezeit“. Die kurzzeitige Arbeitsverhinderung bietet Angehörigen die Möglichkeit, bei einem plötzlichen Pflegefall in der Familie für maximal zehn Tage von der Arbeit freigestellt zu werden. Seit dem 1. Januar 2015 hat man für diese Zeit auch Anspruch auf Lohnersatzleistungen in Form des sogenannten „Pflegeunterstützungsgeldes“. Die Pflegezeit bezieht sich dagegen auf eine längere Auszeit vom Beruf, um pflegebedürftige Angehörige bis zu sechs Monate lang zu Hause pflegen zu können.
Beide Regelungen sollen Angehörigen helfen, flexibel über einen gewissen Zeitraum pflegebedürftige Personen in der Familie unterstützen zu können, ohne berufliche Konsequenzen erleiden zu müssen.

Neu ist die sogenannte „Familienpflegezeit“. Seit dem 1. Januar 2015 können pflegende Angehörige ihre Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden pro Woche für einen Zeitraum von bis zu 24 Monaten reduzieren, um sich der häuslichen Pflege zu widmen.

Weitere Informationen unter:
www.deutsche-rentenversicherung.de
www.einfach-teilhaben.de
www.bmg.bund.de
www.pflegeversicherung.net
www.bvkm.de (Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e. V.)
www.wege-zur-pflege.de