Vor- und Nachteile des Schwerbehinderten­ausweises bei Multipler Sklerose (MS)

Ein Schwerbehindertenausweis bei Multipler Sklerose (MS) kann Vorteile und Nachteile haben

Schwerbehindert ist derjenige, bei dem auf Antrag ein Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 festgestellt wird. Der Antrag ist bei der für seinen Wohnsitz zuständigen Kommunalverwaltung oder beim Versorgungsamt zu stellen. Bei MS kommt es dabei auf die körperlichen und/oder seelischen Einschränkungen an, die mindestens sechs Monate lang vorliegen. Als Einschränkung wird jede negative Abweichung vom gesundheitlichen Befinden eines gleichaltrigen, nicht behinderten Menschen bewertet. Zurzeit wird die MS ohne besondere Einschränkungen in der Regel mit einem GdB von 30 eingestuft. Dies benachteiligt besonders junge MS-Erkrankte, die anfangs nur geringe Einschränkungen haben und oft nicht als Schwerbehinderte anerkannt werden.

Wer einen GdB von 30 erhält, kann bei der Agentur für Arbeit einen Antrag auf Gleichstellung mit Schwerbehinderten stellen. Er hat dann fast alle Rechte, die auch ein Schwerbehinderter hat. Die Gleichstellung wird aber nur bewilligt, wenn sie zur Erlangung oder zum Erhalt eines Arbeitsplatzes notwendig ist.

Schwerbehinderte/Gleichgestellte erhalten Hilfen als Ausgleich der eingetretenen Nachteile. Neben steuerlichen Erleichterungen und Hilfen im Beruf sind weitere Hilfen oft an besondere Voraussetzungen gekoppelt, zum Beispiel die unterschiedlichen Merkzeichen. Eine Übersicht zu den Merkzeichen finden Sie in der Broschüre Recht und Soziales mit MS.

Auch wenn Firmen ab einer gewissen Mitarbeiterzahl zur Beschäftigung von Schwerbehinderten gesetzlich verpflichtet sind, kann der Schwerbehindertenausweis in der Praxis ein Einstellungshindernis sein, da Arbeitgeber (fälschlicherweise) manchmal die Einstellung Schwerbehinderter fürchten. Der Schwerbehindertenausweis kann von seinem Inhaber nicht (freiwillig) zurückgegeben werden, der Inhaber kann nur die Verlängerung des ausgelaufenen Ausweises unterlassen.

Bereits seit dem 1. Januar 2013 kann der neue Schwerbehindertenausweis im handlichen Plastikkartenformat beantragt werden. Dieser ersetzt den bisher ausgestellten 13,5 mal 9,5 Zentimeter großen Papierausweis. Damit hat der Ausweis das gleiche Format wie der neue Personalausweis oder der Führerschein. Er ist nicht nur handlicher und besser zu verstauen, er enthält auch erstmals Informationen über die Behinderung in englischer Sprache. Seit dem 1. Januar 2015 wird der Schwerbehindertenausweis nur noch in neuer Form hergestellt. Wichtig: Die alten Ausweise bleiben natürlich weiter gültig, bis diese zum darauf gekennzeichneten Datum regulär auslaufen.

Weitere Informationen zum Schwerbehindertenausweis finden Sie in unserer Broschüre Recht und Soziales mit MS