Studium und Ausbildung mit MS

Studium und Ausbildung mit MS

Wer die Diagnose „Multiple Sklerose" schon sehr früh erhält, möglicherweise noch vor Ende der Schulzeit, macht sich verstärkt Gedanken um die Zukunft, vor allem auch um die berufliche Zukunft. Dort tauchen Fragen auf wie: Kann ich studieren oder überfordert es mich mit einer chronischen Erkrankung? Was ist denn eigentlich besser für mich: ein Studium oder eine Ausbildung? Bekomme ich mit meiner Erkrankung noch einen guten Ausbildungsplatz? Hat man sich für einen Weg entschieden, ist es vor allem wichtig, sich über seine Rechte klar zu werden und zu wissen, welche Unterstützungshilfen und Vergünstigungen es gibt und wer qualifiziert dazu beraten kann.

Ausbildung mit MS

Nach der Schule kann man eine betriebliche, außerbetriebliche oder auch schulische Ausbildung machen. Betriebliche Ausbildungen macht man z. B. in einem Handwerks- oder Industriebetrieb, außerbetriebliche Ausbildungen, z. B. beim Berufsbildungswerk und schulische Ausbildungen kombinieren oft die Theorie mit Praktika oder einem Praxisjahr in einem Betrieb. Wofür man sich letztendlich entscheidet, hängt vom Ausbildungsberuf ab.

Die Berufsfindung

Gerade wer schon in der Schule die Diagnose MS erhält, weiß oft nicht, ob und inwiefern dies später Einfluss auf sein Arbeitsleben nimmt und inwieweit er die Erkrankung bei der Berufswahl berücksichtigen sollte. Grundsätzlich stehen die Interessen im Vordergrund und die MS schließt auch keinen Beruf von vorneherein komplett aus.
Dennoch sollte man darauf achten, dass der Beruf körperlich nicht zu anstrengend ist und man keinen Extremsituationen (wie Hitze oder Kälte, starke Belastungen) ausgesetzt ist. Eine professionelle Berufsberatung, z. B. der Agentur für Arbeit, kann bei der Berufswahl helfen. Sie hat auch spezielle Angebote für Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung.

Finanzielle Leistungen

Wer kein Ausbildungsgehalt bekommt, kann BAföG oder einen sogenannten Bildungskredit beantragen. Zusätzlich zu diesen Optionen gibt es verschiedene finanzielle Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten, speziell für Auszubildende mit Behinderung und/oder chronischen Erkrankungen.

Die sogenannte „Berufsausbildungshilfe“ (kurz: BAB) kann eine finanzielle Unterstützung während der Ausbildungszeit sein. Sie kann von allen Azubis beantragt werden. Für Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung können Extraleistungen, beispielsweise eine Verlängerung der Ausbildung oder eine Zweitausbildung, finanziert werden, wenn die Ausbildung aufgrund von längeren Krankheitsphasen unter- oder auch abgebrochen werden muss. Die BAB muss, anders als das Bafög, nicht zurückgezahlt werden.

Eine andere Finanzierungsmöglichkeit, die ebenfalls über die Agentur für Arbeit organisiert wird, ist das „Ausbildungsgeld“. Anders als das BAB ist dies ausschließlich für Azubis mit Behinderung gedacht. Es wird sowohl während einer beruflichen Ausbildung als auch während berufsvorbereitender Maßnahmen gezahlt.

Hilfsmittel am Arbeitsplatz

Arbeitgeber können Zuschüsse bekommen, um einen Arbeitsplatz barrierefrei zu gestalten, beispielsweise beim Kauf von Hilfsmitteln (Computerzubehör, Lesehilfen, Greifhilfen etc.). Mit allen Fragen hinsichtlich der Ausbildung und der Zeit nach dem Schulabschluss kann man sich an die Agentur für Arbeit und/oder die Integrationsfachdienste wenden. Die Integrationsfachdienste bieten zudem spezielle Hilfe bei der Vermittlung und Begleitung von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung im und ins Arbeitsleben.

Studium mit MS

Rund 8 % der Studierenden in Deutschland haben eine Behinderung oder eine chronische Erkrankung. Dementsprechend bieten Universitäten für diese verschiedene Anlaufstellen und Unterstützung, die das Studium und vor allem das Leben drumherum erleichtern sollen.

So gut wie alle Hochschulen und Studentenwerke haben speziell Beauftragte und Berater, die Studierenden mit Behinderung und chronischen Erkrankungen als Experten für Fragen zur Seite stehen. Bei ihnen gibt es Antworten rund um den Nachteilsausgleich bei der Hochschulzulassung, im Studium und bei Prüfungen, zu Finanzierungs- und Versicherungsfragen, Unterstützungsmöglichkeiten bei der Studienorganisation und Informationen zur Barrierefreiheit des Hochschulgeländes.

Ein aktuelles Verzeichnis aller Berater deutscher Hochschulen findet sich unter: www.studentenwerke.de/behinderung (Stichwort: „Beauftragte für Behindertenfragen").

Die Studienfinanzierung

Wer ein Studium unter erschwerten gesundheitlichen Bedingungen aufnimmt, schafft es meist kaum, nebenbei auch noch zu arbeiten. Umso dringender ist dementsprechend die Frage nach der Finanzierung.

Es gibt die Möglichkeit bei den BAföG-Ämtern Nachteilsausgleiche geltend zu machen, die Studierenden mit Behinderung und chronischer Erkrankung bei Bezug von BAföG zustehen. Dazu gehört beispielsweise die Möglichkeit, einer Verlängerung des BAföGs über die Regelstudienzeit hinaus zu erhalten. Zudem gibt es z. B. Stipendien, die speziell Studierende mit Behinderung fördern. Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung können zusätzlich den sogenannten studienbedingten Mehrbedarf beantragen. Darunter fallen z. B. auch Kosten für Hilfsmittel oder Fahrtkosten.

Der Wohnort

Die meisten Studentenwohnheime bieten einzelne Zimmer oder Appartements speziell für Rollstuhlnutzer an. Studierende, die auf barrierefreie Zimmer angewiesen sind, werden hier in der Regel in den oft langen Wartelisten bevorzugt.