Auslandsreisen mit MS

Auslandsreisen mit MS

Für eine Auslandsreise mit MS sollten Sie an einige wichtige Dinge denken. Besorgen Sie sich zum Beispiel rechtzeitig alle Medikamente, die sie für den geplanten Reisezeitraum benötigen. MS-Medikamente gehören immer in ausreichender Menge ins Handgepäck! Außerdem sinnvoll als Ergänzung: Elektrolytgetränke bzw. -tabletten, nach Absprache mit dem Arzt Schmerzmittel und Tabletten gegen Durchfall und Reisekrankheit, Insektenspray, Pflaster, bei längeren Flug- oder Busreisen Thromboseprophylaxe mit Kompressionsstrümpfen. Um Wechselwirkungen zu vermeiden, klären Sie mit Ihrem Arzt bitte auch frühzeitig ab, welche Reisemedikamente zusammen mit Ihren MS-Medikamenten eingenommen werden können.

Gegebenenfalls müssen Sie vor der Einfuhr von Medikamenten Genehmigungen einholen. Die Bestimmungen variieren von Land zu Land und betreffen vor allem starke Schmerzmittel (Opiate), Beruhigungsmittel und Psychopharmaka. Informationen dazu finden Sie beim Auswärtigen Amt und beim Zoll des jeweiligen Reiselandes.

Falls Sie Hilfsmittel als Gehhilfe oder z. B. zur Kühlung benötigen, denken Sie daran, diese einzupacken und den Transport mit Fluggesellschaften abzuklären. Beispiele hierfür: Kühlelemente oder Kühlweste, Miniventilatoren, Gehstock bzw. Gehhilfe, kleiner Klappsitz, ggf. Rollator, Essbesteck etc.

In einigen Ländern benötigen Sie bestimmte Impfungen und müssen rechtzeitig Medikamente, z. B. als Prophylaxe von Malaria einnehmen. Bitte erkundigen Sie sich frühzeitig vor Antritt der Reise darüber, welche Impfungen nötig und im Fall einer MS-Erkrankung möglich sind.

Impfungen können bei MS-Patienten Krankheitsschübe auslösen. Deshalb sollten Sie immer abwägen, ob der Nutzen einer Impfung das mögliche Risiko eines Schubes ausgleicht. Lebendimpfstoffe haben für MS-Patienten, insbesondere unter immunsuppressiver Therapie, ein größeres Risiko der Infektion mit dem Impf-Erreger. Deshalb sollten Sie Lebendimpfstoffe - wenn möglich - meiden. Impfungen mit Totimpfstoffen oder Toxoiden gelten dagegen als unbedenklich. Erkrankungen des Immunsystems, wie MS, können ein vermindertes Ansprechen des Immunsystems auf eine Impfung zur Folge haben. Eine Impfung wirkt dann möglicherweise nicht oder nicht genauso gut, wie bei Gesunden. Auch können Medikamente, die auf das Immunsystem einwirken (z. B. Immunsuppressiva), den Impferfolg gefährden. Nach einem akuten Schub, insbesondere bei Einsatz von Cortison, halten Sie am besten einen Sicherheitsabstand von mindestens drei Monaten bis zum Impfzeitpunkt ein.

Denken Sie daran, die wichtigsten Dokumente einzupacken:

  • Reisepass bzw. Personalausweis 
  • Tickets 
  • Blutgruppenausweis 
  • Europäischer Notfallausweis (s. u.) 
  • Behindertenausweis 
  • mehrsprachige ärztliche Bescheinigung (mit Stempel und Unterschrift) über alle benötigten Medikamente und Gegenstände, z. B. Spritzen (gibt es als Vordruck u. a. beim MS und Ich-Service, Auswärtigen Amt oder ADAC), ggf. Zollbescheinigung / Einfuhrgenehmigung
  • Beipackzettel aller Medikamente
  • Bescheinigung einer Auslandskranken- und Reiserücktrittsversicherung

 

Es empfiehlt sich, die Dokumente in mehrfacher Ausführung mitzunehmen: die Originale im Handgepäck, eine Kopie im Koffer und zusätzlich einen Scan aller Dokumente auf einem USB-Stick. Sendet man sich die Scans zudem als E-Mail, hat man, selbst wenn man ausgeraubt wird, weltweit darauf Zugriff.

Der europäische Notfallausweis (ENA) kann freiwillig mitgeführt werden. Er liefert Informationen über bestehende oder überstandene schwere Erkrankungen, chronische Leiden, schwere Operationen, Überempfindlichkeiten gegen Medikamente, Impfungen, lebensnotwendige Medikamente sowie die Blutgruppe. Notärzte und Rettungsdienste haben durch den Ausweis bei medizinischen Notfällen die Möglichkeit, sich umgehend über medizinische Risikofaktoren in Kenntnis zu setzen. So können sie schneller und sicherer handeln und Zeit bei der Patientenversorgung gewinnen. Der Ausweis ist in neun Sprachen abgefasst. Er ist nicht größer als ein Personalausweis oder Führerschein. Am besten, Sie legen ihn zu diesen Dokumenten, damit er im Notfall rasch gefunden wird. Der ENA kostet ca. 3 Euro und ist bei Ärzten sowie in Krankenhäusern und Apotheken zu erhalten.

Unbedingt zu empfehlen sind eine Auslands-Krankenversicherung und eine Reiserücktrittsversicherung. Für den Fall eines Schubes im Urlaub ist vorab mit der (Auslands-)Krankenversicherung im Detail zu klären, welche Kosten übernommen werden. Lassen Sie sich dies am besten schriftlich bestätigen. Zwischen den verschiedenen Reiseversicherern gibt es oft große Unterschiede. Manche schließen Leistungen im Falle einer chronischen Erkrankung generell aus, andere sind sehr kulant. Versichert sind oft nur Krankheiten, die unerwartet und unvorhergesehen am Urlaubsort auftreten. Hier muss man eine Versicherung finden, die Leistungen nur für den Fall ausschließen, wenn die Behandlung vor Reiseantritt geplant oder durch eine ärztliche Diagnose absehbar war. Ein ärztliches Attest vor Reiseantritt kann dann die Reisefähigkeit bestätigen. Der Krankheitsfall gilt meist als unvorhersehbar, wenn die Krankheit in den letzten 12 Monaten nicht behandelt werden musste. Auch für den Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung ist ein solches Attest sinnvoll.

Wenn Sie der Landessprache nicht mächtig sind, ist es sinnvoll, sich zu Hause ein kurzes individuelles Wörterbuch aus dem Internet zusammenzustellen: „Das sind meine Medikamente.", „Wo ist das nächste Krankenhaus?" usw. So etwas steht meist nicht in den Reisewörterbüchern und ist in manchen Situationen sehr hilfreich.

Packen Sie vor allem leichte, luftdurchlässige Kleidungsstücke ein, die Sie bei Bedarf in mehreren Schichten übereinander tragen können. Bequeme, leichte Schuhe und dünne Regenbekleidung