Studium und Ausbildung
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Welchen Weg man nach der Schule einschlägt, entscheidet nicht nur die Durchschnittsnote auf dem Abschlusszeugnis. Die persönlichen Fähigkeiten und Interessen sind Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches und glückliches Arbeitsleben.

Welcher Beruf ist der richtige?

Stehen bei der Berufswahl die eigenen Wünsche und Interessen im Vordergrund, erleichtert das die Entscheidung ungemein. Gleichzeitig stärkt es die Motivation, diesen Weg zu gehen. 

Jeder sollte dennoch gut überlegen, welche Anforderungen der gewünschte Beruf mit sich bringt und ob er diesen dauerhaft gewachsen ist. Einige Berufe stellen besondere körperliche Anforderungen an den Arbeitnehmer oder sind seelisch stark belastend. Positiver, gesunder Stress spendet Energie und ist förderlich, wohingegen ständige Überforderung im Berufsleben sich negativ auf das Wohlbefinden auswirken kann.

Ausbildung oder doch Studium?

Eine berufliche Ausbildung bildet die Grundlage für eine qualifizierte Beschäftigung in einem bestimmten Arbeitsbereich. Das Bundesinstitut für Berufsausbildung (BIBB) hat die Grundlage für die Ausbildungsverordnung geschaffen. Für jeden Beruf wiederum gibt es die Handwerksordnung (HwO). In dieser werden die zu erwerbenden Fähigkeiten festgeschrieben.

Neben Fähigkeiten und Fertigkeiten werden auch die besonderen Verhältnisse behinderter und chronisch kranker Auszubildender in den zuständigen Stellen (Kammern) des Berufsbildungsgesetzes berücksichtigt. Diese Regelung ist insbesondere im Hinblick auf die zeitliche und sachliche Gliederung der Ausbildung, der Dauer von Prüfungszeiten, der Zulassung von Hilfsmitteln und der Inanspruchnahme von Hilfeleistungen Dritter für MS-erkrankte Auszubildende wichtig.

Jugendliche mit MS, die eine Fachhoch- bzw. Hochschulreife haben, denken vielleicht über ein Studium nach. Dieser Bildungsweg hat den Vorteil, dass hohe körperliche Anstrengungen oft in den Hintergrund treten und die Arbeitszeiten flexibler als in der Ausbildung sind.

So gut wie alle Hochschulen und Studentenwerke haben spezielle Beauftragte und Berater, die Studierenden mit Behinderung und chronischen Erkrankungen als Experten für Fragen zur Seite stehen. Bei ihnen gibt es Antworten rund um den Nachteilsausgleich bei der Hochschulzulassung, zum Studium und zu Prüfungen, zu Finanzierungs- und Versicherungsfragen, Unterstützungsmöglichkeiten bei der Studienorganisation und Informationen zur Barrierefreiheit des Hochschulgeländes.

Ein aktuelles Verzeichnis aller Berater deutscher Hochschulen findet sich unter: http://www.studentenwerke.de/de/behinderung

Das Behindertengleichstellungsgesetz BGG aus dem Jahr 2002 wurde am 27. Juli 2016 mit dem Gesetz zur Weiterentwicklung des Behindertengleichstellungsrechts aktualisiert. Damit will der Staat die Rahmenbedingungen für Studierende mit chronischer Erkrankung verbessern. Seitdem ist die Pflicht der Hochschulen im Hochschulrahmengesetz verankert, sich um die Belange dieser Studierenden zu kümmern und die Barrierefreiheit in öffentlichen Verwaltungen zu verbessern.

 

Finanzielle Leistungen – wo bekomme ich die Unterstützung, die ich brauche?

Wer kein Ausbildungsgehalt bekommt, kann BAföG oder einen sogenannten Bildungskredit beantragen. Zusätzlich zu diesen Optionen gibt es verschiedene finanzielle Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten, speziell für Auszubildende mit Behinderung und/oder chronischen Erkrankungen.

Die sogenannte „Berufsausbildungshilfe" (kurz: BAB) kann eine finanzielle Unterstützung während der Ausbildungszeit sein. Sie kann von allen Azubis beantragt werden. Für Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung können Extraleistungen, beispielsweise eine Verlängerung der Ausbildung oder eine Zweitausbildung, finanziert werden, wenn die Ausbildung aufgrund von längeren Krankheitsphasen unter- oder auch abgebrochen werden muss. Die BAB muss, anders als das Bafög, nicht zurückgezahlt werden.

Eine andere Finanzierungsmöglichkeit, die ebenfalls über die Agentur für Arbeit organisiert wird, ist das „Ausbildungsgeld". Anders als das BAB ist dies ausschließlich für Azubis mit Behinderung gedacht. Es wird sowohl während einer beruflichen Ausbildung als auch während berufsvorbereitender Maßnahmen gezahlt.

Von Informationen zum Schwerbehindertenausweis über den Nachteilsausgleich in Ausbildung und Studium bis hin zur Barrierefreiheit – die Erfahrung von Fachberatern kann für Ihre individuelle (Berufs-)Planung hilfreich sein. Anlaufstellen sind beispielsweise speziell ausgebildete Berater der Bundesagentur für Arbeit, das Deutsche Studentenwerk e. V., Reha-Experten der Krankenkassen, das Integrationsamt oder eine Beratungsstelle der DMSG (MS-Selbsthilfe). Sie unterstützen bei derSuche nach einem passenden Ausbil­dungsplatz oder Studienzweig.

Sollten Sie körperliche Einschränkungen haben, können Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben Sie auf Ihrem beruflichen Weg unterstützen. Mehr dazu finden Sie in dem Artikel „Beruf – am Arbeitsleben teilnehmen“.