Schübe und Pseudoschübe bei Multipler Sklerose (MS)

Extreme Belastungen, wie z. B. Stress oder Infekte, können einen MS-Schub auslösen.

Man spricht von einem Schub, wenn Symptome bzw. Nervenfunktionsstörungen auftreten, die mindestens 24 Stunden anhalten und nicht durch Änderungen der Körpertemperatur (Uhthoff-Phänomen) oder im Rahmen von Infektionen erklärbar sind. Diese Symptome können sehr verschieden ausgeprägt sein, je nachdem, wo sich gerade ein Entzündungsherd im zentralen Nervensystem befindet. Es können dabei entweder neue Symptome auftreten oder vorhandene Symptome in verstärkter Form. Die Symptome bessern sich meist nach einigen Tagen oder Wochen (man spricht auch von Remission). Damit zwei Schübe als separat voneinander betrachtet werden können, muss deren Beginn mindestens 30 Tage auseinander liegen. Einzelne, wenige Sekunden oder Minuten andauernde Ereignisse, wie z. B. eine einschießende Spastik, werden definitionsgemäß nicht als Schub eingeordnet. Kommen diese jedoch über einen Zeitraum von mehr als 24 Stunden häufiger vor, können sie auf eine Entzündungsaktivität hinweisen und als Schub behandelt werden.

Was kann einen Schub auslösen?

Die genauen Vorgänge, die einen Schub auslösen, sind noch nicht ausreichend geklärt. Aus Erfahrung weiß man jedoch, dass einige Faktoren Schübe begünstigen können. Dazu gehören extreme Belastungen wie akute fieberhafte Infekte, Operationen, manche Impfungen (besonders solche mit Lebendimpfstoffen), hormonelle Umstellungen (z. B. nach einer Schwangerschaft) sowie anhaltender psychischer oder emotionaler Stress. Allgemein gilt zur Vorbeugung daher das, was auch Gesunde beherzigen sollten: sich vor Infektionen schützen, extreme Situationen meiden und eine gemäßigte Lebensführung mit ausreichend Ruhe- und Rückzugsmöglichkeiten, gesunder Ernährung, Stress reduzieren sowie eine persönliche Balance im Alltag finden.

Schub oder Pseudoschub?

Von den „echten“ Schüben zu unterscheiden sind so genannte Pseudoschübe: Dabei können sich bestehende neurologische Symptome oder die allgemeine Leistungsfähigkeit vorübergehend verschlechtern. Ein Beispiel ist das so genannte Uhthoff-Phänomen, das durch eine Erhöhung der Körpertemperatur (z. B. durch Fieber, Sport, Saunabesuch) ausgelöst wird. Es wurde erstmals 1890 vom Augenarzt Wilhelm Uhthoff beschrieben, der bei MS-Patienten eine vorübergehende Minderung der Sehschärfe nach körperlicher Anstrengung beobachtete. Ursache für das Uhthoff-Phänomen ist eine Verschlechterung der Leitfähigkeit der vorgeschädigten Nerven durch die erhöhte Körpertemperatur. Wird die Körpertemperatur wieder gesenkt, bilden sich die Symptome sofort oder nach spätestens nach 24 Stunden vollständig zurück [1].

Quelle(n):

[1] Tropische Wärme und Multiple Sklerose – das Uhthoff-Phänomen. www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ (zuletzt besucht am 20.01.2011)