Die Symptome der Multiplen Sklerose (MS) im Detail

Klicken Sie auf die Bilder im Auswahlelement, um Informationen zu den häufigsten Symptomen bei MS zu erhalten. Sie finden dort auch erste Hinweise, wie Sie die Beschwerden lindern können. Weitere Informationen zur symptomatischen Behandlung der MS erhalten Sie im Bereich „MS-Therapie". Die Beschreibung dieser Symptome kann Ihnen helfen, auftretende neurologische Beeinträchtigungen der MS-Erkrankung zuzuordnen. Zeigt sich ein Symptom dann erstmalig, können Sie schneller reagieren und frühzeitig mit Ihrem Arzt eine Behandlung einleiten.

Müdigkeit („Fatigue“)
Müdigkeit („Fatigue“)

Beschwerden:
Ungewöhnliche Müdigkeit schon nach geringer körperlicher und/oder geistiger Anstrengung.

Erklärung:
Fatigue ist eines der häufigsten Symptome bei MS überhaupt. Man nimmt an, dass mehr als 60 % der MS-Patienten darunter leiden.

Die Patienten sind schon nach geringen körperlichen oder geistigen Anstrengungen rasch erschöpft, fühlen sich müde und abgespannt. Oft berichten die Patienten, dass die Fatigue vor allem bei hohen Außentemperaturen oder in akuten mentalen oder emotionalen Stresssituationen auftritt.

Tipps:
Eine gezielte Behandlung gibt es meist nicht. Inzwischen gibt es einige Selbstmanagement-Programme und Verhaltenstherapien, die einen geeigneten Umgang mit der Fatigue vermitteln. Bei Hitze bessert sich die Fatigue häufig, wenn man sich in kühle Räume begibt oder sich mit Hilfe spezieller Kühlwesten Abkühlung verschafft. Außerdem unterstützen regelmäßige Ruhepausen im Tagesablauf und eine gute Schlafhygiene (abends nur leichte Mahlzeiten, kein Alkohol, kühles Schlafzimmer, usw.). Studien haben gezeigt, dass körperliches Training, insbesondere mit Ausdauersportarten, das subjektive Wohlbefinden deutlich verbessern kann. Auch Physio- oder Ergotherapie, einschließlich Energieeffizienztraining und Hilfsmittelversorgung, können die körperliche Belastbarkeit steigern. In schweren Fällen können auch Medikamente gegen Tagesmüdigkeit gegeben werden.

Depressionen
Depressionen

Beschwerden:

  • Mehr als zwei Wochen anhaltende gedrückte Stimmung
  • Antriebs- und interesselos
  • Schlafstörungen
  • Freudlos, möglicherweise sogar Lebensüberdruss

Erklärung:
Depressionen sind bei MS überdurchschnittlich häufig und betreffen bis zu
50 % der Patienten. Natürlich wirkt sich das Wissen, an einer chronischen Erkrankung zu leiden, auf Ihre Stimmung aus. Der Krankheitsverlauf erscheint ungewiss, jeder Schub ist eine immense Belastung und möglicherweise steht aufgrund der Erkrankung Ihre gesamte bisherige Lebensplanung in Frage. Halten die Gefühle von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit über längere Zeit an, kann sich eine Depression entwickeln. Dies ist eine sehr ernste Erkrankung, die unbedingt behandelt werden sollte. Zögern Sie nicht, sich Hilfe zu holen!

Tipps:
Sie selbst können viel zur Stabilisierung Ihres Gemütszustandes beitragen: Verkriechen Sie sich möglichst nicht, sondern reden Sie mit einer vertrauten Person. Gehen Sie weiter Ihrem Beruf nach und nehmen Sie am sozialen Leben teil. Treiben Sie Sport und pflegen Sie Ihre Hobbys. All dies steigert Ihr Selbstwertgefühl und ermöglicht Ihnen, trotz MS ein erfülltes, abwechslungsreiches Leben zu führen.

Tritt keine Besserung ein, ist professionelle Hilfe erforderlich. Wenden Sie sich unbedingt an Ihren Arzt. Eventuell ist eine vorübergehende medikamentöse Behandlung, ergänzt durch psychotherapeutische Verfahren, notwendig.

Symptome an Blase und Darm
Symptome an Blase und Darm

Beschwerden:

  • Blase: häufiger Harndrang, Inkontinenz oder Blasenentleerungsstörung
  • Darm: Verstopfung, Inkontinenz

Erklärung:
Viele MS-Kranke bemerken irgendwann im Laufe der Erkrankung, dass die Blase nicht mehr richtig funktioniert. Normalerweise verspürt ein Mensch erst ab einer Füllmenge von 200 ml den Drang, die Blase zu entleeren. Doch sind die entsprechenden Nerven beeinträchtigt, kann bereits durch eine geringe Menge Urin ein sehr starker Harndrang ausgelöst werden. Betroffene müssen dann zum Teil sogar nachts sehr oft zur Toilette, scheiden jedoch immer nur kleine Mengen Urin aus. Ist der Blasenschließmuskel betroffen, entleert sich die Blase unwillkürlich und die Betroffenen leiden an Inkontinenz. Manchmal ist die Blasenentleerung auch unvollständig und es bleibt Restharn zurück. Oft führen die Funktionsstörungen zu weiteren Komplikationen wie chronischen Harnwegsinfektionen oder Blasen- und Nierensteinen.

Auch bei der Darmentleerung können Probleme auftreten. Am häufigsten leiden Menschen mit MS unter Verstopfung. Allerdings können sich Verstopfung und eine plötzliche Entleerung des Darms auch abwechseln. Hervorgerufen werden die Verstopfungen durch eine gestörte Steuerung der Darmmuskulatur und auch durch Bewegungsmangel.

Tipps:
Störungen der Blasen- und Darmfunktion sind für Betroffene meist sehr belastend und führen zu sozialem Rückzug und einem Verlust an Lebensqualität. Sollten Sie Blasen- oder Darmfunktionsstörungen haben, wenden Sie sich unbedingt an Ihren Arzt. Gegebenenfalls wird er Sie zu anderen Spezialisten überweisen, um die Störungen zu diagnostizieren und zu behandeln. Durch eine geeignete Therapie können Sie wieder Lebensqualität zurückgewinnen.

Bei Blasenfunktionsstörungen ist zunächst die Beratung über die Trinkmenge und Verteilung über den Tag wichtig. Viele Menschen versuchen dieses Problem zu lösen, indem sie nur noch sehr wenig trinken. Reicht die Trinkmenge nicht aus, können weitere Probleme, wie Blasen- und Nierensteinen, die Folge sein. Ausreichend zu trinken ist deshalb auch bei Blasenfunktionsstörungen sehr wichtig.

Unterstützend wirken Beckenbodentraining zur Kontrolle des Beckenbodens, Biofeedbackverfahren, die Behandlung der Auslöser wie beispielsweise Spastiken und Hilfsmittel wie Vorlagen oder Hautpflegeprodukte.
Für viele kostet die Selbstkatheterisierung zunächst große Überwindung, dennoch gibt die regelmäßige oder dauerhafte Harnableitung über einen Katheter eine wirksame Methode zur Behandlung der Inkontinenz und Reduktion der Häufigkeit von Harnwegsinfekten. In einigen Fällen ist eine medikamentöse Therapie zur Behandlung bzw. Prophylaxe von Harnwegsinfekten oder zur Erleichterung der Blasenentleerung nötig. [1]

MS-Kranke, die unter Verstopfung leiden, sollten besonders auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme (2 Liter pro Tag), Bewegung und eine ballaststoffreiche Mischkost (mit viel Vollkornprodukten, Obst und Gemüse) achten. Durch Beckenbodentraining kann auch die Darmfunktion besser kontrolliert werden. In schweren Fällen von Verstopfung helfen Abführmittel oder ein Einlauf. Wird die Inkontinenz nicht erfolgreich behandelt, können Analtampons benutzt werden.


[1] Leitlinien der DGN: Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Stand: Januar 2012, Ergänzung August 2014 (www.dgn.org)

Koordinations- und Bewegungsstörungen
Koordinations- und Bewegungsstörungen

Beschwerden:

  • Zittern (Tremor)
  • Unkoordinierte Arm- oder Beinbewegungen (Ataxie)
  • Störung der Feinmotorik

Erklärung:
MS-Patienten mit Koordinationsstörungen haben bei der Mahlzeit Mühe, das Besteck zu greifen, bei anderen wird der Gang wacklig oder zittrig, oder es fällt ihnen schwer, eine Bluse zuzuknöpfen. Diese gestörte Feinkoordination von Bewegungen wird als Ataxie bezeichnet.

Ist die Ataxie sehr ausgeprägt, wird die Selbstständigkeit der Betroffenen eingeschränkt. Dies ist z. B. der Fall, wenn Mahlzeiten aufgrund von Koordinationsproblemen nicht mehr selbstständig zubereitet und gegessen werden können. MS-Kranke mit Ataxie benötigen dann spezielle Hilfsmittel, beispielsweise ein spezielles Besteck mit verdickten Griffen. Bei Gangataxie werden Gehstöcke oder ein Gehwagen eingesetzt, um Stürzen vorzubeugen.

Auch ein so genannter Tremor kann Bewegungsabläufe stören. Tremor ist der medizinische Begriff für ein mehr oder weniger starkes Zittern, das meist die Hände betrifft und besonders dann auftritt, wenn man gezielte Bewegungen ausführen möchte, z. B. um aus einem Glas zu trinken.

Tipps:
Eine Ataxie wird im Allgemeinen durch regelmäßige Ergo- oder Physiotherapie behandelt. Hierbei werden die eingeschränkten Bewegungsabläufe trainiert. Auch das Einüben von Entspannungstechniken (z. B. autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation) kann helfen, die Beschwerden zu mildern. Durch Kühlung eines betroffenen Arms über 15 Minuten kann der Tremor für etwa 30 Minuten oder länger verbessert werden. Patienten können in dieser Zeit feinmotorische Tätigkeiten leichter durchführen. Ein starker, nicht ausreichend behandelbarer Tremor kann durch eine Elektrostimulation des Thalamus (operativer Eingriff) möglicherweise verbessert werden. [1]

Für das Arbeiten am Computer kann eine Großfeldtastatur benutzt werden. Diese hilft Menschen mit Koordinationsproblemen oder Tremor, leichter am PC schreiben zu können. Sie hat einen großzügigen Tastenabstand und vergrößerte Tasten, die das Tippen wesentlich erleichtern. Die Großfeldtastatur verfügt u. a. auch über längere Verzögerungszeiten beim Tastendrücken, so dass eine ungewollte Bewegung mit der Hand nicht gleich zur Auslösung eines Zeichens auf der Tastatur führt. Auch die Bedienung mit einem Finger wird erleichtert: Einzelne Tasten können z. B. gesperrt werden, damit eine bestimmte Tastenkombination nacheinander gedrückt werden kann und nicht gleichzeitig durch mehrere Finger gehalten werden muss.


[1] Leitlinien der DGN: Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Stand: Januar 2012, Ergänzung August 2014 (www.dgn.org)

Kognitive Störungen (Gedächtnis-, Aufmerksamkeits-/Wahrnehmungsstörungen)
Kognitive Störungen (Gedächtnis-, Aufmerksamkeits-/Wahrnehmungsstörungen)

Beschwerden:

  • Eingeschränkte Aufmerksamkeit und/oder Konzentrationsfähigkeit
  • Gedächtnisstörungen
  • Schwierigkeiten beim Planen und gezielten Handeln
  • Verlangsamung im Denken und im Erfassen von Informationen

Erklärung:
Als „kognitive Leistungen" bezeichnet man die höheren geistigen Fähigkeiten des Menschen. Dazu gehören die Bereiche Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Konzentration ebenso wie die Fähigkeit, bestimmte Sachverhalte in ihrer Bedeutung zu erfassen und Schlussfolgerungen für das eigene Handeln daraus zu ziehen. Diese Fähigkeiten können durch MS beeinträchtigt werden. Kognitive Störungen können in individuell sehr variabler Ausprägung bereits früh auftreten.

Zum Beispiel kann es Menschen mit MS im Laufe der Zeit schwerer fallen, sich auf mehrere Dinge gleichzeitig zu konzentrieren oder über einen langen Zeitraum aufmerksam bei der Sache zu bleiben. Manche Menschen mit MS berichten, dass sich ihr Kurz- oder auch Langzeitgedächtnis verschlechtert hat und sie das Gefühl haben, geistig einfach nicht mehr so flexibel zu sein wie früher. Zeitliche und örtliche Orientierung oder die Intelligenz sind jedoch gewöhnlich nicht betroffen. Zu beachten ist, dass andere Begleitsymptome wie Fatigue oder Depressionen ähnliche, meist nur subjektiv empfundene Leistungsstörungen verursachen können, ohne dass tatsächlich Defizite bei den kognitiven Fähigkeiten vorliegen.

Tipps:
Durch störungsspezifisches kognitives Training, z. B. mithilfe von Computerprogrammen, können kognitive Störungen gebessert werden. Um einen Effekt zu erzielen, muss allerdings regelmäßig mit diesen Programmen trainiert werden. Vorab sollte eine genaue neuropsychologische Diagnose erfolgen, um gezielt zu erfassen, in welchen Bereichen der Kognition Schwächen vorhanden sind.

Es gibt viele Strategien und Hilfsmittel, die Ihnen helfen können, vorhandene kognitive Beeinträchtigungen zu kompensieren. So können Notizbücher, Kalender oder auch technische Erinnerungshilfen, z. B. Wecker oder Armbanduhr, das Gedächtnis unterstützen. Von „MS und ich“ gibt es eine App, die dabei hilft, an die regelmäßige Therapie zu denken.

Testen Sie auch unsere Kognitionsübungen. Wir haben für Sie abwechslungsreiche Übungen zusammengestellt, die Sie leicht in Ihren Alltag integrieren können. Sie können die Übungen direkt online absolvieren oder auf Ihren PC, Ihr Smartphone oder Tablet herunterladen. Die „MS und ich“-App enthält weitere Kognitionsübungen.

Weitere Informationen zu kognitiven Störungen bei MS sowie Tipps zum Umgang mit kognitiven Beeinträchtigungen im Alltag finden Sie im Bereich „Leben mit MS“.

Seh- und Augenbewegungsstörungen
Seh- und Augenbewegungsstörungen

Beschwerden:

  • Verschwommenes Sehen
  • Verschlechterung der Sehschärfe bis zur vorübergehenden Blindheit
  • Störung des Farbensehens
  • Gesichtsfeldausfälle
  • Doppelbilder
  • Schwindel
  • Schmerzen im Bereich der Augenhöhle
  • Augenzittern (Nystagmus)

Erklärung:
Sehstörungen gehören zu den häufigsten Frühsymptomen der MS und werden durch eine Entzündung des Sehnervs (= Optikusneuritis) hervorgerufen. Die Patienten sehen zum Beispiel verschwommen und können Schmerzen im Augapfel haben, wenn sie in eine bestimmte Richtung blicken. Das Bild erscheint unscharf und kontrastarm, als ob man durch eine Milchglasscheibe blickt. Auch das Farbensehen kann beeinträchtigt sein.

Augenbewegungsstörungen kommen durch Entzündungsherde im Bereich der Augenmuskelkerne im Hirnstamm zustande. Dadurch ist die Steuerung der Augen gestört. Der Patient sieht alles doppelt. Ein weiteres Symptom ist das Augenzittern (Nystagmus). Es ist gekennzeichnet durch rasch aufeinanderfolgende horizontale, vertikale oder kreisende Augapfelbewegungen und kann als vorübergehendes Symptom nach einer Lumbalpunktion auftreten.

Tipps:
Eine Entzündung des Sehnervs wird in der Regel mit Kortison behandelt, das als Infusion verabreicht wird. Bei Augenbewegungsstörungen können Medikamente sowohl im MS-Schub als auch bei anhaltenden Beschwerden helfen. In einigen Fällen können ein zeitweiliges Abdecken des Auges oder Prismenbrillen helfen. Lassen Sie sich in jedem Fall von einem Neurologen und/oder Augenarzt untersuchen. [1]


[1] Leitlinien der DGN: Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Stand: Januar 2012, Ergänzung August 2014 (www.dgn.org)

Sprech- und Schluckstörungen
Sprech- und Schluckstörungen

Beschwerden:

  • Zu leise/laute Stimme oder zu hohe/tiefe Stimmlage
  • Raue oder heisere Stimme
  • Undeutliches, verwaschenes Sprechen
  • Zu langsames/schnelles Sprechen
  • Monotone Sprachmelodie
  • Atemstörungen (Kurzatmigkeit beim Sprechen)
  • Häufiges Verschlucken, Hustenreiz, Speichelfluss
  • Schwierigkeiten beim Essen und Trinken

Erklärung:
Am Sprechvorgang sind viele Muskelgruppen und Gehirnregionen beteiligt. Vielfältige Abläufe müssen koordiniert und das Sprechen mit dem Atmen zeitlich in Einklang gebracht werden. Durch die Schädigung des zentralen oder peripheren Nervensystems kann bei MS auch die Sprechmuskulatur betroffen sein. Ist die Koordination gestört, führt dies zu Sprechstörungen. Bei MS-Patienten findet man verschiedene Arten von Sprechstörungen, die meist als Mischform in unterschiedlich starker Ausprägung zu finden sind.

Schluckbeschwerden erschweren die Aufnahme von Flüssigkeit und Nahrung. Häufiges Verschlucken begünstigt das Eindringen von Nahrungsbestandteilen in die Luftröhre und die Bronchien und kann dort eine Lungenentzündung verursachen. Mögliche Folgen von Schluckstörungen können z. B. Mangelernährung, ungewollte Gewichtsabnahme, verminderte Versorgung mit Flüssigkeit oder im schlimmsten Fall schwere Lungenentzündungen sein.

Tipps:
Ein Logopäde kann Ihnen kompetenten Rat und Hilfe bei Sprech- und Schluckstörungen geben. Er zeigt Ihnen Sprech- und Atemübungen, die Ihnen dabei helfen, die (Sprech-)Muskulatur zu stärken und besser zu kontrollieren. Eventuell empfiehlt er Ihnen, auch Hilfsmittel wie Sprachverstärker oder Sprachcomputer zu nutzen.

Mithilfe einer konsequenten „Schlucktherapie“ beim Logopäden können Schluckstörungen oft deutlich gebessert werden. Sie lernen (Schluck-)Techniken und Hilfsmittel kennen, die Ihnen das Essen und Trinken wieder erleichtern. Lassen Sie sich beim Essen viel Zeit und legen Sie immer wieder kleine Pausen ein. Wegen der vermehrten Schleimproduktion sollten Sie einen übermäßigen Genuss von Milch- und Süßspeisen möglichst meiden.

Beide Störungen werden interdisziplinär durch den Neurologen und den HNO-Facharzt (Hals-, Nasen-, Ohrenkrankheiten) diagnostiziert. Zusätzlich kann Logopädie, Physio- oder Ergotherapie zur Verbesserung der Symptomatik eingesetzt werden.

Spastik und Lähmungen
Spastik und Lähmungen

Beschwerden:

  • Anhaltend erhöhte Muskelspannung in Rumpf oder Extremitäten (Spastik)
  • Verringerte Kraftentwicklung der betroffenen Muskeln (Muskelschwäche, Parese)
  • Eingeschränkte motorische Geschicklichkeit
  • Schmerzhafte, einschießende Muskelkrämpfe

Erklärung:
Eine dauerhafte oder kurzfristig einschießende Verkrampfung der Muskulatur (Spastik), häufig begleitet von einer Schwäche oder Lähmung (Parese) der Muskeln, ist ein sehr häufiges Symptom, überwiegend der späteren Krankheitsstadien der MS.

Als Spastik bezeichnet man eine erhöhte Muskelspannung, die durch eine fehlerhafte Übertragung der Nervenimpulse in die Muskulatur zustande kommt. Der Muskel versteift und kann nicht mehr so gut arbeiten. Bewegungen können nur noch langsam erfolgen. Am häufigsten betrifft die Spastik die Beine, etwas seltener Arme und Rumpf. Die Ausdauer beim Gehen ist deutlich vermindert und auch das Treppensteigen fällt schwer. Die Spastik kann ganz plötzlich eintreten und ebenso plötzlich wieder verschwinden. Im Rahmen einer Spastik können auch rhythmische Zuckungen auftreten. Diese sogenannten Kloni, die oft ein Bein betreffen, lassen sich willentlich nicht unterdrücken.

Lähmungen der Arme oder Beine sind in einem frühen Krankheitsstadium meist nur leicht ausgeprägt, können aber im Verlauf der Erkrankung zunehmen.

Spastiken und Lähmungen beeinträchtigen die Mobilität des Betroffenen, aber auch alltägliche Aktivitäten wie Waschen und Ankleiden. Zudem können sie weitere Symptome wie Blasen- und Darmfunktionsstörungen sowie Sexualfunktionsstörungen hervorrufen.

MS zu haben bedeutet aber nicht zwangsläufig, auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein. Weniger als 1/3 der MS-Kranken mit schubförmigem Verlauf benötigen nach 20 Jahren einen Rollstuhl. Dennoch benötigen viele langjährig Betroffene irgendwann Hilfsmittel wie Gehstock, Rollator oder Rollstuhl, um Kraft zu sparen oder sich vor Stürzen zu schützen.

Tipps:
Aktives und passives Bewegen der Muskulatur wirkt den Spastiken entgegen. Bewährt haben sich Fahrrad- und Laufbandtraining, teilweise auch motorgetrieben ohne Widerstand, und spezielle physiotherapeutische Verfahren wie Bobath, propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation (PNF) und Vojta. Unbedingt zu empfehlen sind gezielte krankengymnastische Übungen, um eine Fehlstellung der Gelenke (= Kontrakturen) und Schmerzen zu vermeiden. In schwereren Fällen werden auch Medikamente eingesetzt. [1]


[1] Leitlinien der DGN: Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Stand: Januar 2012, Ergänzung August 2014 (www.dgn.org)

Sexuelle Störungen
Sexuelle Störungen

Beschwerden:

  • Libidoverlust (Verlust des sexuellen Verlangens)
  • Orgasmusunfähigkeit
  • Erektionsstörungen
  • Trockenheit der Scheide
  • Verminderte Empfindung im Bereich von Klitoris und Scheide
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Erklärung:
Viele Menschen leiden unter sexuellen Störungen - auch ohne MS. Bei MS-Kranken kommen Störungen der Sexualität krankheitsbedingt häufiger vor, wobei Männer noch etwas häufiger betroffen sind als Frauen (75 % bzw. 50 %).

Verschiedene Faktoren können bei MS dazu führen, dass die Sexualität aus dem Gleichgewicht gerät. Bei Frauen sind meist das sexuelle Verlangen (Libido) und die Orgasmusfähigkeit eingeschränkt oder sie klagen aufgrund von Scheidentrockenheit über Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Bei Männern ist neben dem Libidoverlust die Fähigkeit zur Erektion und Ejakulation beeinträchtigt. Darüber hinaus können sich weitere Symptome von MS wie Fatigue, Spastik und die Blasenstörungen ungünstig auf die Sexualität auswirken. Und natürlich ist nicht nur der Körper, sondern auch die Seele beteiligt: Psychische Probleme wie Ängste oder mangelndes Selbstwertgefühl können die Lust am Sex schmälern.

Tipps:
Stecken Sie nicht den Kopf in den Sand. Pflegen Sie Ihre Beziehung, sprechen Sie Schwierigkeiten offen an und werden Sie erfinderisch. Scheuen Sie sich nicht, Hilfsmittel oder Gleitcremes einzusetzen. Eine erektile Dysfunktion lässt sich heute meist medikamentös erfolgreich bessern. [1]
Weitere Tipps zum Umgang mit Problemen beim Liebesleben.


[1] Leitlinien der DGN: Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Stand: Januar 2012, Ergänzung August 2014 (www.dgn.org)

Empfindungsstörungen
Empfindungsstörungen

Beschwerden:

  • Verminderte bzw. verstärkte Berührungsempfindlichkeit
  • Missempfindungen, z. B. Prickeln, Kribbeln, Taubheit
  • Störung des Temperatur- und Vibrationsempfindens
  • Störung des Lage- und Bewegungsempfindens

Erklärung:
Empfindungs- bzw. Sensibilitätsstörungen gehören zu den Hauptsymptomen der MS und treten häufig schon im Anfangsstadium auf. Man unterscheidet vermehrte Berührungsempfindlichkeit (Hyperästhesien) und verminderte Berührungsempfindlichkeit (Hypästhesien) sowie unangenehme oder schmerzhafte Missempfindungen (Parästhesien) wie Kribbeln, „Ameisenlaufen", Brennen oder Taubheitsgefühle und Störungen des Temperatur- oder Vibrationsempfindens. Oft treten solche Symptome anfallsweise auf.

Tipps:
Die Therapie beruht in erster Linie auf speziellen physiotherapeutischen Verfahren. Der Erfolg ist jedoch oft unbefriedigend. Eine medikamentöse Behandlung ist nur bei schmerzhaften Hyperästhesien und Parästhesien sinnvoll. [1]


[1] Leitlinien der DGN: Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Stand: Januar 2012, Ergänzung August 2014 (www.dgn.org)

Schmerzen
Schmerzen

Beschwerden:

  • Schmerzen im Schub: Nervenentzündung (z. B. bei einer Sehnerventzündung Schmerzen beim Bewegen des Augapfels)
  • Anfallsartige Schmerzen: Kopfschmerzen, Nervenschmerzen (Neuralgien)
  • Chronische Schmerzen: durch Spastik, Fehlhaltungen, chronische Missempfindungen bei Nervenentzündung (Neuropathie)

Erklärung:
Schmerzen sind bei MS viel häufiger als bis noch vor einigen Jahren angenommen. Zum Teil werden die Schmerzen direkt durch die MS verursacht, die Schmerzen können aber auch durch andere Symptome der MS sowie durch falsch angepasste Hilfsmittel ausgelöst werden.

Schmerzen als direkte Folge der MS, z. B.: Nervenschmerzen (Neuralgien, Nervenentzündung im akuten Schub), Kopfschmerzen bei MS-Herden in bestimmten Hirnbereichen, schmerzhafte Muskelkrämpfe und Parästhesien (Missempfindungen)

Schmerz als indirekte Folge von MS-Symptomen, z. B.: Gelenk- oder Muskelschmerzen bei Fehlhaltungen, Spastik, Kontrakturen, Geschwüre, Unterbauchschmerzen bei Blasenfunktionsstörungen oder Verstopfung, aber auch durch ungeeignete Hilfsmittel und/oder unsachgemäßen Gebrauch

Schmerzen unter medikamentöser Therapie, z. B.: grippeähnliche Symptome, Kopfschmerzen, Schmerzen an der Injektionsstelle

MS-unabhängige Schmerzen, z. B.: Rückenschmerzen (kann auch ein indirekt durch MS bedingter Schmerz sein), primäre Kopfschmerzen (Migräne, Spannungskopfschmerz), degenerative Knochenerkrankungen oder Polyneuropathie (Nervenschmerzen) anderer Ursache

Der Schmerz lässt sich nicht immer eindeutig einer Kategorie zuordnen. Klar ist jedoch, dass nicht jeder Schmerz auf die Erkrankung zurückzuführen ist. Viele MS-Patienten leiden unter chronischen Schmerzen. Hier sind neben Rücken- und Muskelschmerzen vor allem Missempfindungen wie z. B. brennende Beine, Taubheit bei Berührung oder Schmerzen der Gliedmaßen zu nennen.

Tipps:
Um die Häufigkeit, Intensität (visuelle Analogskala), Dauer, Auslösefaktoren usw. einzuschätzen, empfiehlt es sich, über einen gewissen Zeitraum ein Schmerztagebuch zu führen. Wenden Sie sich bei Schmerzen an Ihren Arzt. Er wird zunächst Art und Ursache der Schmerzen klären und dann in Abhängigkeit von dem Befund gezielt behandeln. Es gibt gute und wirksame Medikamente und Therapien gegen Schmerzen. [1]


[1] Leitlinien der DGN: Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Stand: Januar 2012, Ergänzung August 2014 (www.dgn.org)

Im Bereich „MS-Therapie" erhalten Sie weitere Informationen zur symptomatischen Behandlung der MS.