Verlaufsformen der Multiplen Sklerose (MS)

Der Krankheitsverlauf der Multiplen Sklerose ist nicht vorhersagbar. Sowohl die Art und Anzahl der MS-Symptome, Häufigkeit, Dauer und Schwere der MS-Schübe als auch das mögliche Fortschreiten einer Beeinträchtigung unterscheiden sich individuell bei jedem MS-Erkrankten. Grundsätzlich werden dennoch drei Verlaufsformen unterschieden.

Patienten mit der schubförmigen Verlaufsform der MS haben zwischen den Schüben keine oder wenige Beschwerden.

Verlaufsformen der MS

Es werden grundsätzlich drei Verlaufsformen der MS unterschieden:

Abbildung: Die drei Verlaufsformen der MS

  • Wie verläuft die Multiple Sklerose?

    Es ist unmöglich, den tatsächlichen Verlauf einer MS vorherzusagen. Dennoch gibt es einige Faktoren, die auf einen eher günstigen Krankheitsverlauf der Multiplen Sklerose hinweisen:1

    • Erstsymptome in jungen Jahren (< 40 Jahre)
    • Erstsymptome sind Sehnerventzündung (Optikusneuritis) oder Sensibilitätsstörungen
    • Schubförmiger Verlauf
    • Geringe Schubrate
    • Komplette Rückbildung der Schübe
    • Weibliches Geschlecht
  • Klinisch isoliertes Syndrom (KIS oder englisch CIS)

    Ein klinisch isoliertes Syndrom (KIS) liegt vor, wenn ein erstes Symptom auftritt, das auf MS hinweist und sich auch in der Magnetresonanztomographie (MRT) Hinweise auf die Erkrankung finden. Dabei kann sich der erste neurologische Ausfall auf ein bestimmtes Gebiet beschränken, beispielsweise den Sehnerv. Bei einem KIS kann es sich um das Anfangsstadium der MS handeln.

    Schubförmige MS (RRMS)

    Bei über 80 % der Patienten beginnt die MS mit einem schubförmigen-remittierenden Verlauf (englisch: Relapsing Remitting MS; RRMS).2 Die einzelnen, klar voneinander abgrenzbaren Schübe bilden sich nach einiger Zeit vollständig oder teilweise zurück (= Remission).

    Bei etwa 5 % der MS-Erkrankten (ca. 5 Prozent) verläuft die MS gutartig (Benigne MS).1 Die Betroffenen leben oft Jahrzehnte ohne wesentliche Beeinträchtigungen. Allerdings sollte man hier die versteckten Symptome wie Kognition und Fatigue im Auge behalten.

    Von einem chronisch progredienten Verlauf (SPMS, PPMS) spricht man, wenn die Symptome und Ausfallserscheinungen über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten kontinuierlich zunehmen.2

    Sekundär progrediente MS (SPMS)

    Bei mindestens 50 % der MS-Betroffenen geht die RRMS unbehandelt nach durchschnittlich 10 Jahren in den langsam fortschreitenden sekundär-progredienten Verlauf (englisch: Secondary Progressive MS; SPMS) über.2 Klinische Symptome und neurologische Ausfallserscheinungen nehmen dann im Krankheitsverlauf immer weiter zu; die Beeinträchtigung schreitet damit dauerhaft fort. Die SPMS kann von aufgesetzten MS-Schüben begleitet sein, doch sie kann auch ohne erkennbare Schübe erfolgen. Im späteren Krankheitsverlauf der MS zeigt sich die klinische Verschlechterung meist ohne erkennbare Schubaktivität.

    Primär progrediente MS (PPMS)

    Bei etwa 10 bis 15 % der MS-Erkrankten findet sich bereits von Beginn an eine kontinuierliche Verschlechterung ohne Schübe, der sogenannte primär-progrediente Verlauf (englisch: Primary Progressive MS; PPMS). Von dieser Form sind vor allem Patienten betroffen, bei denen die Erkrankung nach dem 40. Lebensjahr beginnt.Die neurologischen MS-Symptome nehmen bei dieser Form von Anfang an schleichend zu. Dabei treten keine isolierten MS-Schübe auf, sondern die Beschwerden gehen ineinander über.
    Welche MS-Symptome im Krankheitsverlauf auftreten können, das erfahren hier.

    Quelle(n):

    [1] Kompetenznetz Multiple Sklerose: http://www.kompetenznetz-multiplesklerose.de/patienteninformationen/ueber-ms/verlaufsformen/ (zuletzt besucht am 03.09.2018)
    [2] DGN-Leitlinien: Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Stand: Januar 2012, Ergänzung April 2014.
    [3] Besser R., Krämer G.: Multiple Sklerose: Antworten auf die 111 wichtigsten Fragen. Trias. 2006.