Was sind Sprech- und Schluckstörungen bei MS?

Am Sprech- und Schluckvorgang sind viele Muskelgruppen und Gehirnregionen beteiligt. Vielfältige Abläufe müssen koordiniert und das Sprechen und Schlucken mit der Atmung zeitlich in Einklang gebracht werden. Ist die Koordination gestört, kann dies zu Sprech- oder Schluckstörungen führen.

Sprech- und Schluckstörungen bei MS

Beschwerden bei MS: Sprech- und Schluckstörungen

  • Zu leise/laute Stimme oder zu hohe/tiefe Stimmlage
  • Raue oder heisere Stimme
  • Undeutliches, verwaschenes Sprechen
  • Zu langsames/schnelles Sprechen
  • Monotone Sprachmelodie
  • Atemstörungen (Kurzatmigkeit beim Sprechen)
  • Schwierigkeiten beim Essen und Trinken 
  • Häufiges Verschlucken, Hustenreiz, Speichelfluss 

Sprechstörungen bei MS

Bei MS-Patienten findet man verschiedene Arten von Sprechstörungen (Dysarthrie), die meist als Mischform in unterschiedlich starker Ausprägung zu finden sind. Sie reichen von einer kaum wahrnehmbaren Sprechstörung bis hin zur kompletten Unverständlichkeit beim Sprechen. Bei MS-Erkrankten findet man vor allem eine gestörte Lautstärkesteuerung, raue Stimme, Artikulationsstörung, gestörte Betonung, gestörte Tonhöhensteuerung und verminderte Lungenkapazität. Das Sprachvermögen an sich ist nicht betroffen.4

Schluckbeschwerden bei MS

Schluckbeschwerden machen sich durch häufigen Hustenreiz, vermehrten Speichelfluss und Schwierigkeiten beim Essen und Trinken bemerkbar. Verschlucken begünstigt das Eindringen von Nahrungsbestandteilen in die Luftröhre und Bronchien. Mögliche Folgen von Schluckstörungen können Mangelernährung, ungewollte Gewichtsabnahme, verminderte Versorgung mit Flüssigkeit oder im schlimmsten Fall eine schwere Lungenentzündung sein.4

Was kann ich im Umgang mit Sprech- und Schluckstörungen tun? 1-4

Ein Logopäde gibt kompetenten Rat und Hilfe bei Sprech- und Schluckstörungen. Er zeigt die richtige Sitz- und Kopfhaltung sowie geeignete Sprech- und Atemübungen, die dabei helfen, die (Sprech-)Muskulatur zu stärken und besser zu kontrollieren. Eventuell empfiehlt er, Hilfsmittel wie Sprachverstärker oder Sprachcomputer zu nutzen.

Mithilfe einer konsequenten „Schlucktherapie" können Schluckstörungen oft deutlich gebessert werden. Erlernte (Schluck-)Techniken und Hilfsmittel, können das Essen und Trinken wieder erleichtern. 

  • Tipps im Umgang mit Sprech- und Schluckstörungen:

    • Logopädische Behandlung von Störungen der Atmung, Stimmgebung und/oder Artikulation
    • Atemübungen und Sprechtraining auch zu Hause
    • Auf eine gute Sitz- und Kopfhaltung beim Sprechen und Schlucken achten
    • Begleitende Symptome wie Spastik, Tremor oder Fatigue behandeln lassen
    • Sich viel Zeit beim Essen und Trinken nehmen: kleine Bissen und Schlucke, die Nahrung gründlich kauen, zwischendurch kleine Pausen einlegen
    • Wegen der vermehrten Schleimproduktion einen übermäßigen Genuss von Milch- und Süßspeisen möglichst meiden 

Im Bereich Therapie erhalten Sie weitere Informationen zur symptomatischen Behandlung der MS.

Quelle(n):

[1] DGN-Leitlinien: Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Stand: Januar 2012, Ergänzung April 2014.
[2] Bethke F, Schipper S: Multiple Sklerose ganzheitlich behandeln. Deutscher Medizin Verlag 2010.
[3] Henze T: Symptome besser erkennen und behandeln. Zuckschwerdt 2013.
[4] Jacobs-Kersten C: Besser sprechen und schlucken bei Multipler Sklerose. Deutscher Medizin Verlag 2013.