Häufigkeit und Ursachen der Multiplen Sklerose (MS)

Frauen erkranken häufiger an MS als Männer.

Die MS ist in absoluten Zahlen gesehen relativ selten. Dennoch ist sie die häufigste chronische Erkrankung des Nervensystems. In Deutschland leben mehr als 200.000 Erkrankte, pro Jahr treten ungefähr 2.500 Neuerkrankungen auf. Weltweit sind ca. 2 Millionen Patienten von MS betroffen. Global betrachtet herrscht bei der Verteilung der MS ein Nord-Süd-Gefälle: Ihr Vorkommen nimmt mit der Entfernung vom Äquator zu.

Die Symptome zeigen sich meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr das erste Mal. Von der häufigsten Form der MS mit zunächst schubförmigem Verlauf sind Frauen etwa dreimal häufiger als Männer betroffen. Die primär-progrediente Form hingegen betrifft Männer und Frauen gleich häufig – hier liegt das Erkrankungsalter zwischen 40 und 60 Jahren. Auch bereits im Jugendalter konnten MS-Erkrankungen nachgewiesen werden; bei Kindern ist MS selten: Nur bei bis zu 5 % aller MS-Patienten liegt der Krankheitsbeginn vor dem 16. Lebensjahr.

Die Ursachen der MS sind bis heute noch nicht genau geklärt. Es werden verschiedene Faktoren diskutiert, die zur Entstehung der MS beitragen. Dazu gehören: Vererbung, chronische Infektionen und eine Fehlregulation des Immunsystems:

Erbliche Veranlagung: MS selbst ist nicht erblich, es existiert allerdings eine gewisse Veranlagung dafür, MS zu bekommen. Man vermutet, dass ein Teil der erblich veränderten Gene, die einen Menschen für MS „empfänglich" machen, das Abwehr- oder Immunsystem steuern. Dieser erbliche Faktor alleine reicht aber noch nicht aus. Weitere, im Einzelnen noch nicht bekannte Faktoren müssen hinzukommen, um eine MS auszulösen.

Infektionen: Es gibt Hinweise, dass Virusinfektionen im Kindes- und Jugendalter die Autoimmunkrankheit begünstigen. Manche Forscher gehen davon aus, dass MS durch eine aus der Umwelt stammende Infektion ausgelöst werden könnte. So wurden in der Vergangenheit verschiedene Viren (unter anderem Epstein-Barr-Virus und Humanes Herpesvirus 6) und Bakterien verdächtigt, an der Entstehung einer MS beteiligt zu sein. Bislang konnte allerdings für keinen dieser Erreger ein direkter Zusammenhang nachgewiesen werden. Man glaubt heute auch weniger, dass ein einzelner bestimmter Erreger MS auslöst.

Immunsystem: Normalerweise dient das Immunsystem mit dafür speziell ausgerüsteten Zellen dazu, den Körper vor Erregern wie Bakterien oder Viren zu schützen. Dabei unterscheidet es sehr genau zwischen „fremd" – also von außen kommenden Krankheitserregern – und „eigen" – also den Bestandteilen des eigenen Körpers, die gewöhnlich nicht vom Immunsystem angegriffen werden. Gelegentlich kann in diesem komplizierten Ablauf eine Fehlregulation dazu führen, dass der Körper eigenes Gewebe als „fremd" erkennt und die Immunreaktion gegen sich selbst richtet. Eine solche Reaktion spielt bei der MS eine wesentliche Rolle. Man bezeichnet die MS auch als „Autoimmunerkrankung", weil sich die Immunreaktion gegen körpereigenes Gewebe richtet.