Glossar

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z 0 0

A

Ätiologie

Lehre von den Ursachen

Akustisch evozierte Potenziale (AEP)

Ermöglichen eine Überprüfung der Nervenleitung beim Hören.

Albumin

Ein bestimmter, im Blut vorkommender Eiweißstoff. Albumin ist sehr wichtig zur Bindung von Flüssigkeit in den Blutgefäßen.

Alemtuzumab

Medikament zur verlaufsmodifizierenden Therapie bei Erwachsenen mit (hoch-) aktiver Verlaufsform einer schubförmig remittierenden MS (RRMS).

Aminosäuren

Bausteine der Proteine (Eiweißstoffe)

Anamnese

Krankengeschichte mit Angaben zu Art und Verlauf der Beschwerden, aber auch wichtigen Zusatzinformationen.

Antigen

Ein Molekül, häufig ein Eiweiß, welches Bestandteil von Bakterien, Viren oder anderen Stoffen ist und dem Körper schaden kann.

Antigenpräsentierende Zellen (APC)

Zellen im Körper, die sich auf die Erkennung von Antigenen spezialisiert haben und eine entsprechende Immunantwort einleiten.

Antikörper

Antikörper sind ein wichtiger Bestandteil der Immunabwehr. Antikörper werden von B-Lymphozyten gegen vorher erkannte Antigene gebildet. Sie machen die Antigene gemeinsam mit anderen Abwehrmechanismen unschädlich.

Astrozyten

Sternförmige Zellen im Nervensystem, die für die Ernährung von Nervenzellen, Transportfunktionen im Gehirn sowie auch für die Bildung der Blut-Hirn-Schranke zuständig sind.

Ataxie

Störung der Koordination von Bewegungsabläufen.

Autoimmunerkrankung

Ein Prozess, bei dem sich die Immunantwort des Körpers gegen körpereigene Strukturen richtet und hier zu Zerstörungen führt. Die MS ist ein klassisches Beispiel für eine Autoimmunerkrankung, andere Beispiele sind u.a. die rheumatoide Arthritis oder bestimmte Schilddrüsenerkrankungen. Die genauen Hintergründe, wodurch eine solche Erkrankung entsteht, sind nicht bekannt.

Autoinjektor

Ein stiftartiges Gerät, mit dem ein flüssiges Medikament unter die Haut gespritzt werden kann. MS-Patienten können einen Autoinjektor nutzen, um sich z. B. ein Interferon-Präparat zu spritzen.

Autonomes oder vegetatives Nervensystem

Nervenfasern, die unabhängig vom Bewusstsein arbeiten und lebenswichtige Körperfunktionen wie z. B. den Herzschlag, die Atmung oder die Verdauung koordinieren.

Autoreaktive Zellen

Immunzellen (meist Lymphozyten), die körpereigenes Gewebe angreifen können. Sie sind daher wesentlich an der Entstehung von Autoimmunerkrankungen wie der MS beteiligt.

Axon

Axone sind die Fortsätze der Nervenzellen. Sie sind wichtig für die Informationsweiterleitung im Gehirn und für die Kommunikation zwischen zentralem Nervensystem und anderen Zellen wie z. B. Muskeln. Axone werden im Verlauf der MS geschädigt und können nur sehr begrenzt repariert werden.

Azathioprin

Ein Medikament (Immunsuppressivum), welches die Immunabwehr unterdrückt. Es kann bei Erwachsenen mit schubförmig remittierender MS (RRMS) mit milder/moderater Verlaufsform eingesetzt werden. Heute findet es bei MS nur noch als Reservepräparat Einsatz, da modernere, besser untersuchte Substanzen zur Verfügung stehen.

B

B-Lymphozyten

Eine bestimmte Art von Immunzellen, die in der Lage sind, Antikörper gegen erkannte Antigene zu bilden und so die körpereigene Abwehr zu unterstützen.

B-Zellen

Eine bestimmte Art von Immunzellen, die in der Lage sind, Antikörper gegen erkannte Antigene zu bilden und so die körpereigene Abwehr zu unterstützen.

Babinski-Zeichen

Reaktion der Zehen mit Streckung nach oben auf Bestreichen der Fußsohle, häufig mit gleichzeitigem Spreizen der übrigen Zehen verbunden. Gehört zu den Zeichen einer Pyramidenbahnschädigung.

Blut-Hirn-Schranke

Eine Barriere zwischen dem Blutkreislauf und dem zentralen Nervensystem. Sorgt dafür, dass schädliche Stoffe normalerweise das Gehirn nicht erreichen können.

Bobath

Eine spezielle Form von Krankengymnastik, die häufig bei neurologischen Erkrankungen eingesetzt wird und die Koordination zwischen Nerven und Muskeln fördert.

C

Computertomografie

Ein Röntgenverfahren, welches Schnittbilder z. B. vom Gehirn erzeugen kann. Wird bei der MS eher selten eingesetzt, da die Kernspintomografie besser verträglich ist und aussagekräftigere Bilder liefert.

Cyclophosphamid

Ein Medikament, welches nach Versagen anderer Therapien experimentell bei besonders schweren Fällen von Multipler Sklerose eingesetzt werden kann.

D

Demyelinisierung

Schädigung der Myelinscheiden, die die Nervenzellen umhüllen. Hierdurch kommt es zu einer Verlangsamung der Informationsübertragung und somit je nach Ort der Schädigung zu verschiedenen Symptomen. Bei starker Schädigung kann dieser Prozess auch zum Absterben von Neuronen führen.

Dendrit

Ein Ausläufer einer Nervenzelle. Dendriten sind für die Vernetzung der Nervenzellen untereinander wichtig.

Diagnosekriterien

Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, um eine bestimmte Diagnose wie MS zu sichern. Gängig sind zurzeit bei der MS die Diagnosekriterien nach Poser sowie McDonald.

Dimethylfumarat (Fumarsäure)

Medikament, welches zur verlaufsmodifizierenden Therapie der schubförmigen MS bei Erwachsenen zugelassen ist und bei der milden/moderaten Verlaufsform Einsatz findet.

Dysarthrie

Sprechstörung, die durch Schädigung des zentralen oder peripheren Nervensystems verursacht wird. Sie kann zu Problemen in der flüssigen und korrekten Aussprache führen.

E

EAE (Experimentelle allergische Encephalomyelitis)

Tiermodell für die MS bei Nagern. Wird häufig in der Forschung zur Entwicklung neuer Therapien eingesetzt.

EDSS (Expanded Disability Status Scale)

Eine Skala zur Erfassung von neurologischen Schädigungen. Die Skala geht von 0 bis 10, wobei 0 bedeutet „keine Schädigung", während der Maximalwert von 10 „Tod durch MS" ist. Die sogenannte Kurtzke-Skala wird häufig von Neurologen zur Verlaufsbeurteilung der MS angewendet.

EEG (Elektroenzephalogramm)

Erfassung der Hirnströme. Eine diagnostische Methode mit der bestimmte neurologische Erkrankungen (vor allem Epilepsie) festgestellt werden können.

EKG (Elektrokardiogramm)

Diagnostisches Verfahren zur Untersuchung der Herztätigkeit. Anhand von Elektroden, die an Brustkorb, Armen und Beinen befestigt werden, kann am Bildschirm abgelesen werden, wie schnell und geordnet das Herz schlägt.

EMG (Elektromyogramm)

Erfassung der elektrischen Spannung im Muskel. Hiermit kann festgestellt werden, ob eine Erkrankung des Muskels oder eine Reizleitungsstörung der versorgenden Nerven vorliegt.

Encephalomyelitis disseminata

Eine andere Bezeichnung für Multiple Sklerose.

Enzyme

Eiweißkörper, die für bestimmte Reaktionen im Körper erforderlich sind. Sie dienen als Katalysatoren.

Epidemiologie

Lehre von der quantitativen Erforschung der Faktoren, die Gesundheitszustände beeinflussen.

Epilepsie, Epileptischer Anfall

Krampfanfall durch erhöhte elektrische Aktivität im Gehirn. Ein Krampfanfall kann im Rahmen einer MS auftreten, ist aber eher selten.

Evozierte Potenziale

Messung der elektrischen Ströme im Gehirn z. B. in der Sehbahn, Hörbahn oder beim Fühlen. Bei Erkrankungen wie MS kommt es zu Veränderungen des Musters der Reizweiterleitung, die mittels dieser Methoden festgestellt werden können.

F

Fatigue

Schnelle Ermüdbarkeit sowie allgemeine Erschöpfung. Tritt häufig im Rahmen der MS auch unabhängig von den Schüben auf.

Fingolimod

Medikament, das zur verlaufsmodifizierenden Therapie der schubförmig remittierenden MS (RRMS) bei Erwachsenen Einsatz findet, wenn die bisherige verlaufsmodifizierende Therapie nicht ausreichend wirkt oder als Ersttherapie, wenn die Erkrankung sehr aktiv verläuft.

G

Gadolinium

Ein Kontrastmittel, welches häufig bei der Kernspintomografie eingesetzt wird, um die MS-Läsionen besser sichtbar zu machen.

Glatirameracetat

Medikament, welches zur verlaufsmodifizierenden Therapie der MS für Erwachsene mit einer schubförmigen MS (RRMS) für die milde/moderate Verlaufsform als auch für solche mit einem sog. klinisch isolierten Syndrom (CIS) und einem hohen Risiko, eine klinisch gesicherte MS zu entwickeln, eingesetzt werden kann.

Gliazellen

Zellen des Nervensystems, welche die eigentlichen Nervenzellen in ihrer Funktionsweise unterstützen.

Graue Substanz

Grau aussehende Teile des Zentralnervensystems, die sich vorwiegend aus Zellkörpern von Neuronen und nur wenigen myelinisierten Fortsätzen zusammensetzen.

H

HLA-System

Erblich festgelegtes System zur Unterscheidung zwischen körpereigenen und körperfremden Strukturen, welches eine wichtige Rolle in der Immunabwehr spielt.

I

Immunglobuline

Antikörper. Bestimmte Bluteiweiße, die für die Immunabwehr fremder Stoffe wichtig sind. Intravenös verabreichte Immunglobuline (IVIG) können unter bestimmten Umständen als Therapieversuch zur Behandlung der MS eingesetzt werden.

Immunmodulatoren

Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen. Die immunmodulatorische Therapie bzw. Immuntherapie mit Interferon ist ein typisches Beispiel, da hier die körpereigenen Immunprozesse unterstützt bzw. zu einem gewissen Grad normalisiert werden.

Immunologie

Die Wissenschaft vom Abwehrsystem gegen körperfremde Substanzen und Krankheitserreger.

Immunsuppressiv

Das Immunsystem schwächend. Diese Wirkung ist z. B. bei Autoimmunerkrankungen wie der MS oder nach Organtransplantationen gewünscht.

Immunsuppressiva

Immunsuppressiva sind Medikamente, die zu einer Unterdrückung bzw. Abschwächung des Immunsystems führen. Diese Wirkung ist z. B. bei Autoimmunerkrankungen wie der MS oder nach Organtransplantationen gewünscht.

Immunsystem

Ein komplexes System von verschiedenen Körperzellen und Botenstoffen, die dazu dienen, körperfremde Substanzen oder Krankheitserreger unschädlich zu machen. Besteht aus spezifischen und unspezifischen Anteilen. Störungen im Immunsystemen können z. B. zu Autoimmunerkrankungen führen.

Immuntherapie

Medikamentöse Beeinflussung eines gestörten Immunsystems. Die immunmodulatorische Therapie bzw. Immuntherapie mit Interferon ist ein typisches Beispiel, da hier die körpereigenen Immunprozesse unterstützt bzw. zu einem gewissen Grad normalisiert werden.

Impfung

Erzeugung einer Immunreaktion zur Vorbeugung von bestimmten Infektionserkrankungen. Gegen MS ist zurzeit keine Impfung möglich.

Infusion

Kontinuierliche Verabreichung einer bestimmten Flüssigkeitsmenge (meist mit einem gelösten Wirkstoff) über einen längeren Zeitraum. Die Verabreichung erfolgt in der Regel intravenös über einen Zugang (Verweilkanüle, Katheter) in eine Vene.

Injektion

Spritzen. Meist händisch ausgeführte, relativ schnelle Verabreichung eines in Flüssigkeit gelösten Medikamentes.

Intentionstremor

Zittern der Hände, welches bei der Annäherung an ein bestimmtes Ziel beginnt (z. B. beim Ergreifen einer Tasse).

Interferon beta-1b

Medikament, welches zur verlaufsmodifizierenden Behandlung der MS für Patienten mit schubförmiger MS mit milder/moderater Verlaufsform als auch für solche mit einem sog. klinisch isolierten Syndrom (CIS) und einem hohen Risiko, eine klinisch gesicherte MS zu entwickeln, eingesetzt wird. Es ist auch bei Patienten mit sekundär progredientem Krankheitsverlauf (SPMS) zugelassen, wenn noch Schübe erkennbar sind. Für Interferon beta-1b konnte man am längsten Erfahrungen in der MS-Therapie sammeln.

Interferone

Körpereigene Botenstoffe, welche die Steuerung von Immunprozessen beeinflussen. Bestimmte Typen werden zur verlaufsmodifizierenden Behandlung der MS eingesetzt.

Intramuskulär

„In den Muskel“. Bestimmte Interferone werden mittels einer langen Nadel direkt in den Muskel, der sich unter Haut befindet, gespritzt.

Intravenös

„In eine Vene hinein". Wenn eine Spritze oder Injektion direkt in eine Vene gesetzt wird.

Inzidenz

Anzahl der Neuerkrankungen in einem bestimmten Zeitraum.

K

Kernspintomografie

Ein bildgebendes Verfahren, welches ohne Röntgenstrahlung auskommt; wird auch MRT (Magnetresonanztomografie) genannt. Hiermit können Schnittbilder vom Gehirn angefertigt werden, auf denen die einzelnen Entzündungsorte und -stadien gut erkannt werden können. Gilt als Standarduntersuchung zur MS-Diagnose.

KIS

s. Klinisch isoliertes Syndrom

Klinisch isoliertes Syndrom (KIS)

Erstmaliges Auftreten einer neurologischen Funktionsstörung, die auf eine MS hinweist.

Kognitive Störungen

Störungen der Aufmerksamkeit, der Konzentration und des Gedächtnisses. Treten relativ häufig bei der MS auch unabhängig von den Schüben auf.

Kontraktur

Dauerhafte Verkürzung von Muskeln, Sehnen oder Bändern, mit Einschränkung der Beweglichkeit oder Fehlstellung der Gelenke. Eine Kontraktur kann z. B. infolge einer Spastik auftreten.

Kortex

Äußere Rindenschicht im Gehirn, welche überwiegend aus Nervenzellkörpern besteht.

Kortikoide / Kortikosteroide

Zu den Kortikoiden, auch Kortikosteroide genannt, werden verschiedene Wirkstoffe gezählt, die in ihrer chemischen Struktur und Wirkung dem körpereigenen Kortison, einem Hormon der Nebennierenrinde, ähnlich sind. Kortikoide können das Immunsystem unterdrücken. Sie werden zur Behandlung von akuten Schüben eingesetzt. Eine dauerhafte Therapie mit Kortikoiden spielt bei der MS nur eine untergeordnete Rolle.

Kortison

Körpereigenes Hormon mit sehr vielfältigen Funktionen. Kann das Immunsystem unterdrücken. Wird zur Behandlung von akuten Schüben eingesetzt. Eine dauerhafte Therapie mit Kortison wird bei vielen Erkrankungen durchgeführt, spielt jedoch bei der MS nur eine untergeordnete Rolle. Wird vom Medikament gesprochen, nennt man die Wirkstoffgruppe Kortikosteroide oder auch Kortikoide.

Kurtzke-Skala

Eine Skala zur Erfassung von neurologischen Schädigungen. Die Skala geht von 0 bis 10, wobei 0 bedeutet „keine Schädigung", während der Maximalwert von 10 „Tod durch MS" ist. Die Kurtzke-(EDSS-)Skala wird häufig von Neurologen zur Verlaufsbeurteilung der MS angewendet.

L

Läsion

Der Ort der lokalen Entzündung im ZNS, die bei der Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) sichtbar wird.

Leukozyten

Weiße Blutkörperchen. Wichtiger Bestandteil der spezifischen und unspezifischen Immunantwort mit umfangreichen Funktionen innerhalb des Immunsystems.

Lhermitte-Zeichen

Elektrisierender, plötzlich einschießender Schmerz bei Beugung des Kopfes nach vorne. Typisches Symptom der MS.

Liquor

Nervenwasser. Dient zur Ernährung der Nervenzellen und als mechanischer Puffer im ZNS.

Liquorpunktion / Lumbalpunktion

Gewinnung von Nervenwasser (Liquor). Mit einer Hohlnadel wird im Sitzen zwischen zwei Lendenwirbelkörpern in den Rückenmarkskanal eingestochen. Um das Rückenmark herum befindet sich ein flüssigkeitsgefüllter Spalt, der das Nervenwasser enthält. Der Arzt schiebt bei einer Lumbalpunktion die Hohlnadel bis zu diesem Spalt vor, sodass das Rückenmark nicht verletzt wird. Bei fachgerechter Durchführung handelt es sich um eine risikoarme Untersuchung. Die Liquorpunktion wird auch Lumbalpunktion genannt.

Liquoruntersuchung

Im Liquor lassen sich häufig Entzündungen im ZNS nachweisen. Eine Liquoruntersuchung gehört daher zur Diagnostik der MS.

M

Magnetresonanztomografie (MRT)

Ein bildgebendes Verfahren, welches ohne Röntgenstrahlung auskommt; wird auch Kernspintomografie genannt. Mittels MRT können Schnittbilder vom Gehirn angefertigt werden, auf denen die einzelnen Entzündungsorte und -stadien gut sichtbar sind. Die MRT gilt als Standarduntersuchung in der MS-Diagnostik.

Makrophagen

„Freßzellen“ des Immunsystems, die daran beteiligt sind, körperfremde Antigene zu zerstören und zu entsorgen.

Mikrobiom

Alle auf und in einem Organismus beheimateten Bakterien.

Miktionsstörungen

Störungen beim Wasserlassen.

Mitoxantron

Medikament, das zur verlaufsmodifizierenden Therapie bei schubförmig remittierender MS (RRMS) mit (hoch-) aktivem Verlauf und bei Patienten mit sekundär chronisch progredienter MS (SPMS) eingesetzt werden kann, wenn die Wirkstoffe der 1. Wahl versagt haben oder eine Unverträglichkeit vorliegt.

Mortalität

Sterblichkeit

Motorik

Vom Gehirn gesteuerte Bewegungsvorgänge. Hierzu zählen willkürliche Motorik (z. B. gezieltes Heben eines Armes) und unwillkürliche Motorik (z. B. Herzschlag, Atmung oder Darmbewegung). Die Motorik kann in beiden Systemen bei der MS gestört sein.

Multiple Sclerosis Functional Composite (MSFC)

Weiterentwicklung der EDSS zur Beurteilung des Schwere grads von Behinderungen. Im Unterschied zur EDSS wurden als neue Bestandteile die Zeit zur Bewältigung einer bestimmten Gehstrecke, ein Stecktest zur Beurteilung der Armfunktion sowie die Beurteilung geistiger Fähigkeiten integriert.

Myelin

Myelin bildet die Hülle/Isolierung um die Nervenfortsätze (Axone). Wichtig für die elektrische Reizweiterleitung im Nervensystem. Die Myelinscheiden werden bei der MS meist als erstes geschädigt, wodurch es zu Störungen in der Kommunikation im Gehirn kommt.

N

Natalizumab

Medikament, das zur verlaufsmodifizierenden Therapie der schubförmig remittierenden MS (RRMS) bei Erwachsenen zugelassen ist, wenn Beta-Interferone oder Glatiramerazetat nicht ausreichend wirken. Natalizumab kann auch zur Ersttherapie der MS eingesetzt werden, wenn die Erkrankung sehr aktiv verläuft.

Neurologisch

Das Nervensystem betreffend

Neuron

Nervenzelle. Eine Nervenzelle besteht aus dem eigentlichen Zellkörper („Soma"), dem Fortsatz („Axon") und den stark verzweigten Fortsätzen am Ende („Dendrit").

Neurotransmitter

Botenstoffe, welche die elektrischen Impulse von einer Nervenzelle an andere Nervenzellen weitergeben.

Nystagmus

Augenzittern. Unkontrollierbare, rhythmische Bewegungen des Augapfels.

O

Oligodendrozyten

Eine Form von Gliazellen. Hauptfunktion ist die Bildung der Myelinscheiden. In gewissem Maße können geschädigte Myelinscheiden durch Neubildung von Oligodendrozyten repariert werden.

Oligoklonale Banden

Eine bestimmte Konstellation von Antikörpern im Nervenwasser („Liquor“). Typischer Befund bei MS.

Optikusneuritis

Entzündung des Sehnerves mit Sehstörungen. Häufiges Frühsymptom der MS.

Osteoporose

Knochenschwund. Aufgrund der in Spätstadien häufig eingeschränkten Gehfähigkeit und der häufigen Kortison-Stoßtherapien besteht bei MS-Patienten ein erhöhtes Risiko für die Entkalkung und einen Abbau des festen Knochengewebes, was zu einem erhöhten Risiko für Knochenbrüche führen kann.

P

Parästhesie

Missempfindung. Kann sich z. B. als „Ameisenlaufen“ oder Kribbeln an Armen und Beinen zeigen. Häufiges Symptom der MS.

Parese

Teilweise Lähmung. Betrifft vor allem die Extremitäten (Arme und Beine), kann aber auch im Gesicht oder in der Schluckmuskulatur auftreten. Relativ häufiges Symptom der MS.

Periventrikulär

Lateinisch für „um die Hirnkammern herum“. In diesem Bereich finden sich häufig die typischen MS-Läsionen.

Plaque

Fleckförmige Entzündungsherde im Zentralnervensystem. Werden auch als Läsion bezeichnet.

PPMS

s. Primär progrediente MS

Primär progrediente MS (PPMS)

Bei dieser Verlaufsform der MS kommt es von Beginn an zu einer kontinuierlichen Verschlechterung, ohne dass Schübe im eigentlichen Sinn auftreten.

progredient

fortschreitend, zunehmend, sich verschlechternd

Proteine

Eiweiße

Pyramidenbahn

Größte motorische Leitungsbahn im Zentralnervensystem. Führt von der Hirnrinde zum Rückenmark. Eine Schädigung führt zu gesteigerten Muskeleigenreflexen und spastisch erhöhter Muskelspannung, abgeschwächten Fremdreflexen und Babinski-Zeichen.

R

Ranviersche Schnürringe

An dieser Stelle ist die Markscheide, die das Axon umhüllt, unterbrochen. Ranviersche Schnürringe sind für eine schnelle Weiterleitung der Informationen wichtig.

Reflexe

Unwillkürlich ablaufende Reaktionen des Körpers auf einen bestimmten Reiz. Typisches Beispiel ist der Kniesehnenreflex: Bei einem Schlag auf die Sehne kurz unterhalb der Kniescheibe wird das Bein gestreckt. Veränderungen in den Reflexmustern können bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen auftauchen und geben dem Neurologen einen Hinweis darauf, an welchen Stellen im ZNS Schädigungen vorliegen.

Remission

Vorübergehendes oder dauerhafte Besserung von Symptomen. Kann vollständig oder teilweise sein. Typisch ist vor allem in der Anfangsphase der MS eine vollständige Rückbildung der Krankheitszeichen.

Remittierend

Mit einer Remission einhergehend

Remyelinisierung

Neubildung von Myelin nach einer Demyelinisierung. Die Gliazellen sind in gewissem Maße in der Lage, entstandene Schäden zu reparieren.

Retrobulbärneuritis

Entzündung des Sehnervs mit Sehstörungen. Häufiges Frühsymptom der MS.

Rezidivierend-remittierende MS (RRMS)

Häufigste Form der MS, die in deutlich abgrenzbaren Schüben verläuft. Die Symptome bilden sich anfangs vollständig zurück, im späteren Verlauf können aber auch dauerhaft bleibende Schäden auftreten. Zwischen den Schüben gibt es zeitweise stabile, symptomfreie Phasen.

RRMS

s. Rezidivierend-remittierende MS

S

Schub

Neue Symptome oder Verschlimmerung von bereits bestehenden Symptomen, die plötzlich auftreten und mindestens 24 Stunden anhalten.
Sie treten mit einem Zeitintervall von ≥ 30 Tagen zum Beginn vorausgegangener Schübe auf und lassen sich nicht durch Änderungen der Körpertemperatur (Uhthoff-Phänomen) oder im Rahmen von Infektionen erklären.

Sekundär progrediente MS (SPMS)

Die Erkrankung beginnt schubförmig, geht dann aber in eine Phase der kontinuierlichen Verschlechterung, mit oder ohne zusätzliche (aufgesetzte) Schübe, über.

Sensibilität

Wahrnehmung für Berührung, Schmerz und Temperatur.

Somatosensibel Evozierte Potentiale (SEP)

Diagnostisches Verfahren zur Überprüfung der Reizleitung zentraler Nervenbahnen. Dabei wird durch leichte elektrische Reize an Armen und Beinen gemessen, wie schnell diese Reize an das Gehirn weitergeleitet werden. Das Verfahren dient als objektiver Nachweis von Sensibilitätsstörungen und deren Lokalisation.

Spastik

Erhöhte Muskelspannung, die bei rascher aktiver oder passiver Bewegung zunimmt. Wird durch zentrale Störungen in der Pyramidenbahn mit ausgelöst und tritt im Verlauf bei MS relativ häufig auf. Kann gut durch Physiotherapie behandelt werden.

SPMS

s. Sekundär progrediente MS

Stoßtherapie

Wird bei akuten Schüben eingesetzt. Die Stoßtherapie wird mit hochdosiertem Kortison durchgeführt, meist als Infusion über 3–5 Tage.

Subkutan

„Unter die Haut“. Einige der Interferon-Präparate werden unter die Haut gespritzt. Hier befinden sich viele Immunzellen, die das Interferon dann aufnehmen und entsprechend verarbeiten können.

Synapse

Kontaktstelle zwischen zwei Nervenzellen. Die Informationen werden von einer Zelle mittels Botenstoffen („Neurotransmitter“) zur nächsten Zelle weitergegeben.

T

T-Lymphozyten

Eine bestimmte Art von weißen Blutkörperchen, die in der Lage sind, Antigene zu identifzieren und eine wichtige Rolle bei der Einleitung einer Immunantwort spielen.

T1 / T2-Gewichtung (-Bilder)

T1 und T2 bezeichnen bestimmte technische Einstellungen in der Kernspintomografie (MRT). Je nach „Gewichtung“ können unterschiedliche Strukturen bevorzugt dargestellt werden.

Teriflunomid

Medikament zur verlaufsmodifizierenden Therapie bei Erwachsenen mit schubförmig remittierender MS (RRMS). Es wird für die milde/moderate Verlaufsform empfohlen.

Therapieoptimierung

In den neuen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) zur Behandlung der MS wurde zwischen milden/moderaten und (hoch)aktiven Verlaufsformen unterschieden. Dies soll schon frühzeitig die Einstellung auf oder Umstellung innerhalb der Immuntherapeutika im Sinne der Therapieoptimierung ermöglichen.

Thrombose

Vollständiger oder teilweiser Verschluss eines Blutgefäßabschnittes durch Blutgerinnung innerhalb des Gefäßes, z. B. infolge einer Bewegungseinschränkung, insbesondere Bettlägerigkeit.

Tremor

Zittern von Körperteilen, insbesondere die Hände sind häufig betroffen.

Trigeminusneuralgie

Plötzliche einschießende, kurz anhaltender heftiger Gesichtsschmerz durch Reizung des Gesichtsnervs (Nervus trigeminus).

U

Uhthoff-Zeichen

Vorübergehende Verschlechterung der Symptome durch eine Erhöhung der Körpertemperatur z. B. durch Sport, äußere Hitze, Sauna oder Fieber.

Uveitis

Entzündung der mittleren Augenhaut, der so genannten „Uvea". Im Deutschen findet sich häufig auch der Begriff „Regenbogenhautentzündung". Typische Symptome sind schmerzhafte Lichtempfindlichkeit und Sehverschlechterung.

V

Varizella-Zoster-Virus (VZV)

DNA-Virus aus der Gruppe der Herpesviren, welches beim Menschen Windpocken hervorruft. Nach der Infektion besteht in der Regel ein lebenslanger Schutz. Das Virus verbleibt jedoch lebenslang im Körper und kann bei Reaktivierung (z. B. bei geschwächter Immunabwehr) die Gürtelrose (Zoster) auslösen.

Visuell evozierte Potenziale (VEP)

Überprüfung der Nervenleitung beim Sehen. Wird häufig in der Diagnostik der MS eingesetzt, da sich hier häufig typische Veränderungen in der Untersuchung zeigen.

W

Weiße Substanz

Weiße Substanz im Gehirn besteht vorwiegend aus langen und myelinisierten Fortsätzen der Neuronen und wenigen Zellkörpern.

Z

Zentrales Nervensystem (ZNS)

Das zentrale Nervensystem umfasst die Nervenstrukturen von Gehirn und Rückenmark.

Zytokin

Zytokine sind Botenstoffe, die für die Kommunikation der Immunzellen untereinander von Bedeutung sind.

Zytoskeletts

Ein aus Proteinen aufgebautes Netzwerk im Cytoplasma jeder Zelle.