Die tägliche Dosis Dankbarkeit und Glück!

Die tägliche Dosis Dankbarkeit und Glück!

Um es zuzugeben, nicht immer ist das Leben einfach. Oder? :-) Wer mit MS lebt, der kennt es. Depression. Oder so etwas Ähnliches. Oft ist man schlicht so überladen mit dem, was da an guten und schlechten Dingen passiert, dass man kurzfristig den Überblick über sich selbst verliert.

Ich bin dann wie so ein kleines Schiff auf einem Ozean voller Emotionen und trudle herum ohne zu wissen, welche Richtung ich einschlagen soll. Dabei, und das weiß ich heute, ist alles in Ordnung. Alles ist gut, meine Jobs klappen, ich bin glücklich verheiratet und habe auch sonst keine Probleme. Fräulein Trulla lässt mich eigentlich in Ruhe. Und doch nicht. Ich bin in solchen, mittlerweile seltenen Situationen, nicht mehr in der Lage mich über etwas zu freuen oder etwas zu genießen. Klar, ich funktioniere, mache meinen Job und erledige meine Dinge um am Abend fix und fertig aufs Sofa zu fallen und teilnahmslos in den Fernseher zu starren. Dann stricke ich nicht einmal mehr und wenn das passiert, ist eigentlich etwas richtig falsch.

So bin ich nicht. Ich bin fröhlich, habe eigentlich diese Ruhe in mir, ich bin gerne aktiv, liebe meine Arbeit und lebe mein Leben, habe Spaß und bin eine Genießerin vor dem Herrn. Ich kann mich über so viele große und kleine Dinge freuen. Normalerweise, in Fällen wie diesem bin ich es eben nicht.

Als ich das erste Mal in dieser Situation war, dauerte es einige Wochen, bis meine Resilienz wieder die Oberhand gewann und ich verstand, was falsch war. Das Gute, was da passierte, hatte mich schlicht für einen Moment überfordert und damit kam auch eine Depression. Ich verstehe heute den Satz, der besagt: Zuviel des Guten.

Einige Tage später las ich von Hailey Bartholomew aus Australien. Ihr war es ähnlich ergangen. Sie konnte sich nicht mehr freuen. Es schien, als wäre ihr das Leben auch für einen Moment zu viel geworden. Sie machte etwas, das mich sofort ansprang. Sie fotografierte täglich eine Sache, für die sie dankbar war und veröffentlichte sie auf ihrem Blog. Ich habe es erweitert, ich fotografiere täglich eine Sache, für die ich dankbar bin oder über die ich mich einfach freue. Für mich müssen es nicht immer ganz winzige Dinge sein, obwohl es sie auch gibt. Da ist mein Kater, meine Rose, meine Stricksocke, die ich mittlerweile fertig habe und vieles mehr.

Es ist meine persönliche Aufgabe, mich täglich zu freuen. Mein persönliches Rezept sozusagen. Damit ich nicht vergesse, aus meinem Loch zu kommen und mich zu freuen, wenn die Welt eher schwarz-grau ist anstatt bunt. Und es hilft. Es geht mir darum, täglich bewusst das Gute wahrzunehmen, zu verstehen, dass das Leben eben doch charmant, schön und nicht nur MS oder Job oder was weiß ich ist.

Meine Bilder stelle ich auf Instagram ein. Mit den # #dankbar #gedanken #Birgitsworld und dem Tag mit seiner Nummer. Und wenn ich bei 365 angelangt bin, dann werde ich die Bilder ausdrucken und ganz altmodisch in ein Album kleben. Am Ende steht eine Sammlung voller kleiner Momente, die dann auf das hinweisen, was am allerwichtigsten ist: Lebensfreude.

Und die zu haben und zu behalten, ich weiß, ist nicht immer einfach. Aber, davon bin ich überzeugt: Machbar. Anpacken muss man es halt.

Blog Hailey Bartholomew: http://365grateful.com/

Autor: Birgit Bauer