Was geht in Ihrem Kopf vor? MRT und MS

Was geht in Ihrem Kopf vor? MRT und MS

In 30 Minuten können Sie eine Menge Dinge tun. Ihre Lieblingssendung im Fernsehen ansehen. Ein leckeres Essen kochen. Sex haben (ok, bei dem einen oder anderen nimmt das etwas mehr oder weniger Zeit in Anspruch!). Aber seien wir ehrlich, unter den Augen Ihres Arztes in einer lauten, engen Röhre zu liegen, steht wohl nicht ganz oben auf der Liste. Die halbe Stunde (mehr oder weniger), die eine MRT-Untersuchung normalerweise dauert, ist aber sowohl für die Diagnostik als auch für die Überwachung der MS wirklich wichtig. Sie liefert Informationen, die den Ärzten bei therapeutischen Entscheidungen und bei der Überwachung der Erkrankung helfen.

Wenn bei Ihnen MS diagnostiziert wurde, hatten Sie sicher schon mindestens ein MRT. MRT steht für ‘Magnetresonanz- Tomographie', ein Verfahren, das bereits in den 1930er Jahren entwickelt wurde. Erst in den 1980er Jahren kam es jedoch erstmals in Krankenhäusern zum Einsatz. Heute ist es entscheidendes Hilfsmittel für Ärzte, insbesondere bei Erkrankungen wie MS, die das Zentralnervensystem betreffen. Die strukturellen Eigenschaften von Gehirn und Rückenmark sind im MRT viel klarer zu erkennen als mit Röntgen oder Computertomographie (CT) und, anders als Röntgen und CT, kommt das MRT ohne Strahlung aus.
MRT-Geräte sind eine ziemlich komplexe Angelegenheit, aber es geht um das große Ganze...

So funktioniert ein MRT

Das Gerät verwendet einen starken Magneten, Radiowellen und einen Computer, um detaillierte Aufnahmen weicher Gewebe (wie des Gehirns) anzufertigen. Dies geschieht mittels Darstellung der Menge an Wasser, die sich im Gewebe befindet. Geschädigte Bereiche des Gehirns (Läsionen) sind zu erkennen, weil sie einen höheren Gehalt an Wasser haben als gesundes Hirngewebe.

Arten von MRT-Aufnahmen

Zwei wichtige Arten von Aufnahmen werden bei MS häufig genutzt. Vielleicht haben Sie schon Ihren Arzt oder Radiologen über T1 und T2 sprechen hören. In T1-gewichteten Aufnahmen zeigt sich die weiße Substanz im Gehirn dunkler als die graue Substanz; in T2-gewichteten Aufnahmen ist sie dagegen heller. Für T1-Aufnahmen wird vorher ein Kontrastmittel mit dem Namen Gadolinium (abgekürzt Gd oder Gad) in den Körper injiziert, um dadurch klarere Aufnahmen zu erhalten.

Die beiden Arten von Aufnahmen können unterschiedliche Elemente der Krankheitsaktivität im Gehirn darstellen. Ein mit Gd angereichertes T1-gewichtetes MRT hebt entzündete Bereiche und „schwarze Löcher“ hervor. „Schwarze Löcher“ sind Bereiche, bei denen man von dauerhafter Schädigung ausgeht. T2-gewichtete Aufnahmen werden verwendet, um das gesamte Ausmaß der Schädigung oder die Läsionslast zu beurteilen. Es kann auch sein, dass Sie dafür die Bezeichnung Krankheitslast hören.

Diagnostik der MS mittels MRT

Die körperlichen Zeichen der MS sind in Wahrheit nur ein Teil der Geschichte. MS beeinflusst oft das Gehirn auf eine Weise, die äußerlich nicht erkennbar ist. Vor allem in einem frühen Stadium der Erkrankung ist dies der Fall. Um also eine MS-Diagnose zu bestätigen, verwenden Neurologen MRT-Aufnahmen, um unter die Oberfläche zu sehen. Der Nachweis frühzeitiger Veränderungen mittels MRT hat tatsächlich den Umgang der Neurologen mit MS verändert. Der Schwerpunkt verlagerte sich von körperlichen Symptomen darauf, Schäden im Gehirn von vornherein zu vermeiden.

Überwachen von Veränderungen mittels MRT

Das MRT ist auch eines der wirklich wichtigen Hilfsmittel Ihres Neurologen zur Überwachung der MS-Progression, wofür die meisten behandelnden Ärzte ein MRT pro Jahr empfehlen. Wird der Grad der MS-Aktivität in Ihrem Gehirn überwacht, kann aufgezeigt werden, wie rasch die Erkrankung fortschreitet und wie gut eine bestimmte therapeutische Strategie wirkt.

Was kommt in der MRT-Technologie als nächstes?

Die Technologie steht niemals still und wie viele andere Dinge entwickelt sich auch die MRT-Technologie ständig weiter. So deuten aktuelle Forschungen darauf hin, dass ein Verfahren mit Namen diffusionsgewichtetes Ganzkörper-MRT die Streuung von Blutkrebsarten im Körper verfolgen kann, die bisher extrem schwer zu überwachen waren.

Wissenschaftler sind dabei, neurologische Forschung dazu durchzuführen, wie sich unser Gehirn im Lauf der Zeit verändert. Dies geschieht, indem sie Aufnahmen gesunder Menschen aller Altersgruppen vergleichen. So soll ein besseres Verständnis der Hirnveränderungen gewonnen werden, die bei Erkrankungen wie MS auftreten.

 

In der Forschung ganz vorn

 

Zunehmend werden neue MRT-Verfahren für Forschungszwecke verwendet. Das herkömmliche MRT zeigt vor allem das Vorliegen von Läsionen. Neuartige Verfahren (die manchmal klingen, als kämen sie direkt aus einem Sci-Fi-Film) bieten den Wissenschaftlern hingegen ein zunehmend klareres Bild dessen, was in geschädigtem Gewebe tatsächlich abläuft, ebenso wie anderswo im Gehirn.

Ein Verfahren, das als Magnetisierungstransferverhältnis bezeichnet wird, visiert zum Beispiel geschädigte Bereiche an. Es ermöglicht den Forschern, das Ausmaß der Gewebeschädigung in bestimmten Läsionen zu berechnen. Die Kernspinresonanzspektroskopie (MRS) misst währenddessen wichtige chemische Veränderungen, die auftreten, wenn Hirnzellen geschädigt werden. Ein weiteres hochaktuelles Verfahren, die Diffusionstensor-Bildgebung, zielt auf einzelne Nervenfasern, um Veränderungen im Gehirn auf zellulärer Ebene aufzuzeigen.

Diese brandneuen Geräte sind in Entwicklung und Betrieb natürlich unglaublich teuer, weshalb sie vorerst nur in Labors zu finden sind. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis eines den Weg in ein Krankenhaus in Ihrer Nähe finden wird. In der Zwischenzeit ist es ermutigend zu wissen, dass diese Fortschritte beim MRT den Forschern helfen, die Multiple Sklerose besser zu verstehen, ganz zu schweigen von der Entwicklung neuer medikamentöser Therapien.

Das wirft ein vollkommen neues Licht auf die Frage „Was geht in Ihrem Kopf vor“, stimmt's?

Autor: LLY Redaktion