Ich schäme mich nicht für die Kindererziehung vom Sofa aus

Ich schäme mich nicht für die Kindererziehung vom Sofa aus

Wenn man als Elternteil herausfindet, dass man erkrankt ist, kommen zwangsläufig gewisse Schuldgefühle auf. Durch die Symptome der Multiplen Sklerose ist man oftmals zu müde zum Spazierengehen oder zu müde zum Spielen – was einem das Gefühl gibt, als Mutter oder Vater zu versagen. Zusätzlich versucht man, die alltägliche Routine beizubehalten, d. h. man geht arbeiten, um die Familie zu ernähren und kümmert sich anschließend um den Haushalt. Genau dies schafft zusätzliche Herausforderungen und Schuldgefühle.

Kurz nach meiner Diagnose hatte ich stark mit diesen Schuldgefühlen zu kämpfen, bis meine Freundin Jess eines Tages zu mir sagte: „Jamie, hör auf damit." Sie schickte mir einen Post zum Thema „Kindererziehung vom Sofa aus". Doch vor allem machte sie mir klar, dass ich mein Bestes dafür gab, Karriere, Familie und meine Krankheit unter einen Hut zu bringen und mich dafür zu keinem Zeitpunkt schuldig fühlen müsste.

Man lernt dies mit dem weiteren Krankheitsverlauf zu akzeptieren. Dank meiner Arbeit als Sonderschulpädagogin ging es für mich im Leben vor allem um Anpassung. Wer sich an verschiedene Situationen anpassen kann, gehört zu den Überlebenden. Das ist eine einfache Wissenschaft. Mit diesem Wissen im Hinterkopf würde ich heute dazu raten, die Schuldgefühle loszulassen und stattdessen kreativ mit den eigenen Möglichkeiten des Elternseins umzugehen. Wie kreativ Ihre Kindererziehung vom Sofa aus sein wird, hängt davon ab, wie fortgeschritten Ihre Krankheit ist, wie viele Kinder Sie haben, wie groß Ihre Unterstützung durch andere ist und sogar davon, wie viel Geld Sie haben. Das sollten Sie nicht vergessen.

Hier sind einige Dinge, die ich während meiner Zeit des Mutterseins samt Krankheit gelernt habe. Ich hoffe, sie helfen Ihnen auf Ihrem persönlichen Weg.

Lassen Sie Ihre Erkrankung (ja, Sie haben richtig gelesen) in das Spielen mit einfließen

Ich bin die ganze Zeit über so müde, dass das Spielen mit meinen Kindern häufig einfach nicht immer in Frage kommt. Ich und andere Eltern mit MS können daher froh sein, dass unsere Kinder so clever sind. Ich soll mich zum Beispiel auf den Boden legen, damit sie mit Bauklötzen um mich herum bauen können. Oder der Schulleiter schlug ihnen vor, einfach zu Mama aufs Sofa zu krabbeln, wenn sie sich nicht gut fühlt, und ihr verrückte Frisuren zu machen, um dann ein paar Fotos zu schießen. Den Gefallen tue ich ihnen natürlich gerne, auch wenn ich mich manchmal etwas geniere. Wenn ich mich ausruhe, tue ich trotzdem mein Bestes, um mit ihnen zu spielen, und schlage ihnen vor zu zeichnen, zu malen oder zu puzzeln. Und Bücher sind auch immer eine gute Option! Sorgen Sie dafür, dass Sie damit ausreichend ausgestattet sind – Bücher sind lebensrettend.

Essen ist ein Leichtes

Essen ist für Kinder immer ein großes Thema. Wenn ich einen Schub habe und mit den Kindern allein zu Hause bin, ermutige ich sie, gesunde, aber einfache Mahlzeiten zu essen, die sie selbst zubereiten können, z. B. Müsli. Wenn wir es uns leisten können, das Abendessen zu bestellen und liefern zu lassen, dann gönne ich uns das auch mal. Dadurch spare ich letzten Endes viel Energie und für die Kinder ist es ein Verwöhnprogramm.

Schaffen Sie sich Ihr Helfer-Team

Jeder sollte ein Netzwerk an lieben Menschen haben, die jederzeit für einen da sind. Ich habe zwar kein großes Netzwerk an Unterstützern, doch wenigstens eine Person, auf die ich immer zählen kann – meine Schwiegermutter. Suchen Sie sich jemanden, der die Schwierigkeiten, denen Sie täglich gegenüberstehen, versteht und der Ihnen mit den Kindern aushelfen kann, wenn Sie sich ausruhen müssen. Denn Ruhe brauchen Sie!

Mit meinen Kindern spreche ich offen und ehrlich über meine Krankheit. Sie wissen, dass ich wie andere Eltern gerne aufstehen und mit ihnen spielen würde. Und ich lasse sie immer wissen, wie glücklich mich die Tage machen, an denen ich fit genug bin, um richtig mit ihnen zu spielen, so wie früher. An meinen schlechten Tagen bleiben wir trotz allem dankbar und sind ganz einfach anderweitig kreativ in der Gestaltung unserer gemeinsamen Zeit. Schuldgefühle sind tabu. Wir sorgen schon dafür, dass alles läuft. Es ist wunderbar, wie stark meine Kinder sind, wenn es mir besonders schlecht geht. Wie sehr sie sich einbringen und helfen wollen. Die Kinder sind der Lage gewachsen und sie meistern die MS – und wir tun es auch.

Wenn Sie Tipps für die Kindererziehung vom Sofa aus haben, vor allem in Bezug auf die Bandbreite an Möglichkeiten oder Ihre Geschichte über Schuldgefühle erzählen möchten, die man als Elternteil bei einer Erkrankung mit sich trägt, teilen Sie diese gerne mit uns auf Facebook. Es tut mir gut zu wissen, dass andere meine Probleme teilen, aber dennoch die ständige Müdigkeit bezwingen und nichts als Freude und Liebe in ihren Herzen tragen. Sie schenken mir Inspiration. Immer.

Autor: Jamie Tripp Utitus