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Frauen mit Multiple Sklerose (MS) bekommen seltener hocheffektive Therapien als Männer – obwohl sie häufiger betroffen sind. Welche Rolle Gender Health Gap, Kinderwunsch und therapeutische Trägheit spielen und wie du im Arztgespräch selbstbewusst für deine Bedürfnisse eintrittst, liest du im folgenden Beitrag.

Untertherapierung von MS bei Frauen: Warum du mehr erwarten darfst

In unserer Kampagne heißt es: „Ich hab 1000 Seiten. MS ist nur eine.“ Doch diese eine Seite beeinflusst, wie frei du die anderen 999 schreiben kannst. Wenn MS zu spät oder zu vorsichtig behandelt wird, kann das langfristig zu stärkeren Symptomen, mehr Einschränkungen und weniger Selbstbestimmung führen.

Gleichzeitig zeigen aktuelle Daten: Frauen mit MS erhalten seltener und später krankheitsmodifizierende Therapien – und hochwirksame Medikamente werden häufiger abgesetzt als bei Männern.[1] Das ist kein Randdetail, sondern Beispiel dafür, dass Frauen im Gesundheitssystem oft schlechter versorgt werden als Männer. Dieses Ungleichgewicht wird als Gender Health Gap bezeichnet.[2]

Dieser Beitrag zeigt dir, wie du mithilfe von Kenntnissen der gendersensiblen Medizin und den Werkzeugen des Shared Decision Making (SDM) selbstbewusst für eine Therapie eintreten kannst, die zu dir und deinem Leben passt.

ier Frauen schauen selbstbewusst in die Kamera

Mehr Frauen mit MS – aber seltener entsprechend behandelt

Multiple Sklerose ist eine Erkrankung, die überdurchschnittlich viele Frauen betrifft. Trotzdem zeigen Registerdaten: [1][3]

  • Frauen starten später mit einer krankheitsmodifizierenden Therapie (DMT) als Männer – selbst bei vergleichbarer Krankheitsaktivität. [1]
  • Therapieeskalationen – also der Wechsel auf eine wirksamere Behandlung – erfolgen zurückhaltender und
  • hochwirksame Therapien werden bei Frauen häufiger beendet.[1]

Auswertungen aktueller Registerdaten deuten auf eine „therapeutische Trägheit“ (therapeutic inertia) hin: Obwohl die Krankheitsaktivität eine stärkere Behandlung erfordern würde, wird bei Frauen gezögert oder gar nicht behandelt. Und das ist kein Zufall, sondern Teil eines Musters.[1] 

  • In vielen Bereichen der Medizin wurden Frauen unterrepräsentiert.[2]
  • Medikamente wurden überwiegend an Männern getestet, Daten zu Frauen fehlen – ein klassischer Gender Data Gap.[2]
  • Geschlechterspezifische Unterschiede in Symptomen, Krankheitsverlauf und Therapieeffekten werden bis heute nicht immer ernst genommen. [2][4]

Die Folge: 
Als Frau trägst du die Last der Erkrankung, erhältst aber aufgrund deines Geschlechts nicht immer die volle Chance auf eine entsprechende Behandlung.

Women’s Health & MS: 
Mehr als „kleine Unterschiede“
Der Gender Health Gap zeigt sich auch bei Autoimmunerkrankungen wie MS: Frauen sind häufiger betroffen, werden aber später diagnostiziert und häufig vorsichtiger behandelt. Das liegt unter anderem daran, dass Frauenkörper in Studien unterrepräsentiert sind und viele Empfehlungen lange auf männlichen Daten beruhten – mit Lücken, die gerade bei komplexen Erkrankungen wie MS schwerwiegende Folgen haben können.

Download-Tipp:
Mehr zu Hormonen und MS findest du in unserer Broschüre.

Vorschaubild zur Broschüre MS und Hormone

Kinderwunsch & Schwangerschaft:
MS und Kinderwunsch schließen sich nicht aus

Viele Frauen bekommen die MS-Diagnose in einer Lebensphase, in der Kinderwunsch ein Thema ist – jetzt oder irgendwann. Verständlich, dass die Frage im Raum steht:
„Darf ich unter einer MS-Therapie überhaupt schwanger werden – und was bedeutet das für mein Kind?“

Wichtig ist:

  • Die meisten Multiple Sklerose Medikamente sind in der Schwangerschaft und Stillzeit nur eingeschränkt zugelassen. In einem Gespräch mit der Ärztin/dem Arzt sollten mögliche Behandlungsoptionen besprochen werden.[5]
  • Bei Verzögerungen der Therapie, etwa aufgrund von Bedenken, kann das Risiko späterer Einschränkungen steigen.
  • MS und Kinderwunsch schließen sich nicht aus.
  • Eine Schwangerschaft sollte eng mit den Ärztinnen und Ärzten aus der Neurologie und Gynäkologie geplant werden.
  • Es braucht einen klaren Plan – auch für die Zeit nach der Geburt.
Zwei Personen umarmen sich fröhlich

Schwangerschaftsassoziierte Risiken von MS-Therapien müssen klar kommuniziert und berücksichtigt werden. Gleichzeitig sollte das Geschlecht oder ein späterer Kinderwunsch nicht zu einer Untertherapie führen.

Früh erkennen, rechtzeitig behandeln
Untertherapierung beginnt häufig schon, bevor die erste Tablette eingenommen wird – nämlich dann, wenn MS-Symptome bei Frauen nicht ernst genommen oder falsch gedeutet werden. Je später die Diagnose, desto höher kann die Krankheitsaktivität im Hintergrund sein, ohne kontrolliert zu werden.

Download-Tipp:
Mehr über Frühsymptome, Diagnostik und warum frühe Behandlung so wichtig ist, liest du in unserer Broschüre.

Abbildung der Broschüre "Mutiple Sklerose"

Im Fokus: Geschlechtersensible Medizin & Shared Decision Making

Die geschlechtersensible Medizin (Gendermedizin) fordert, dass biologische und soziale Unterschiede zwischen den Geschlechtern systematisch in Forschung und Versorgung einfließen.[4]

Für Frauen mit MS heißt das:

  • Deine MS wird gemeinsam mit Hormonen, Zyklus, Schwangerschaft, Stillzeit oder Wechseljahren betrachtet.
  • Deine Rolle im Alltag – zum Beispiel Care-Arbeit, Beruf, psychische Belastung – sollte bei der Therapieentscheidung berücksichtig werden.
  • Studien sollen Daten liefern, die alle Geschlechter angemessen repräsentieren.

Ein zentrales Werkzeug gegen Untertherapierung ist Shared Decision Making – gemeinsame Entscheidungsfindung:

  • Du bringst ein, was dir wichtig ist: Job, Alltag, Ängste, Kinderwunsch, Lebensziele.
  • Dein Behandlungsteam liefert das medizinische Wissen: Krankheitsaktivität, Langzeitrisiken, Wirkungen und Nebenwirkungen verschiedener krankheitsmodifizierender bzw. verlaufsmodifizierender Therapien (DMTs), die Datenlage zu Gender Health Gap bei MS.[1][2]
  • Am Ende trefft ihr gemeinsam eine Entscheidung, bei der du den möglichen Nutzen und die Risiken verstanden hast.

Wertvolle Wegweiser sind unsere Informationsangebote: Unter „Multiple Sklerose: Informiert ins Arztgespräch“ findest du Unterstützung bei der Vorbereitung deines nächsten Termins, und im Beitrag „MS und Kinderwunsch: Das muss man wissen“ erhältst du konkrete Informationen zu Fragen rund um Familienplanung mit MS. 

Häufige Fragen zur Untertherapierung von MS bei Frauen (FAQ)

1. Bekommen Frauen mit MS seltener hocheffektive Therapien?

Ja. Studien zeigen, dass Frauen später mit krankheitsmodifizierenden beziehungsweise verlaufsmodifizierenden Therapien (DMTs) beginnen, seltener auf wirksamere Therapien wechseln und hochwirksame Behandlungen häufiger beenden.[1][3]

2. Bedeutet eine MS-Erkrankung, dass ich nie schwanger werden darf?

Nein. MS und Schwangerschaft schließen sich nicht aus. Es kommt auf die Behandlung, deinen Krankheitsverlauf und deine Planung an. Eine enge Abstimmung zwischen Neurologie und Gynäkologie ist entscheidend.[5]

3. 3. Darf ich Nein sagen, wenn ich das Gefühl habe, untertherapiert zu werden?

Du darfst immer Fragen stellen, Alternativen erfragen und deine Bedenken äußern. „Shared Decision Making“ heißt, dass Entscheidungen gemeinsam getroffen werden – deine Stimme zählt.

4. Wie merke ich, ob ich untertherapiert bin?

Hinweise können sein: häufige Schübe, neue Entzündungsherde in der Magnetresonanztomografie (MRT, sogenannte MRT-Läsionen) oder das Gefühl, dass dein Alltag deutlich stärker eingeschränkt ist. Sprich solche Beobachtungen offen an und bitte um eine erneute Bewertung deiner Therapie.

5. Muss ich Angst haben, eine „zu starke“ Therapie zu bekommen?

Ziel ist, durch eine frühzeitige Therapie spätere Einschränkungen zu vermeiden. Im Gespräch mit deiner Ärztin/deinem Arzt erfährst Du Nutzen und Risiken der verschiedenen Behandlungsoptionen. Du darfst jederzeit nachfragen, wenn dir etwas zu viel, zu wenig oder unklar erscheint: Therapieentscheidungen sollen gemeinsam getroffen werden, nicht über deinen Kopf hinweg.

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Quellen/Referenzen

  1. Gavoille, A. et al. (2025).  Sex-Related Gap in the Use of Disease-Modifying Therapies in Multiple Sclerosis. PubMed, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40737571/ (zuletzt aufgerufen am 20.02.2026).
  2. FEMNA Care: Gender Health Gap- Ungleicheiten in der Gesundheitsversorgung. Verfügbar unter: https://www.femnacare.de/gender-health-gap/ (zuletzt aufgerufen am 20.02.2026).
  3. Hegen, H. et al. (2024). Sex impacts treatment decisions in multiple sclerosis. PubMed, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38441611/ (zuletzt aufgerufen am 20.02.2026).
  4. Geschlechtersensible Medizin. Verfügbar unter: https://www.bundesstiftung-gleichstellung.de/wissen/themenfelder/geschlechtersensible-medizin/ (zuletzt aufgerufen am 20.02.2026).
  5. MS und Kinderwunsch - Allgemeine Informationen. Verfügbar unter: https://www.ms-und-kinderwunsch.de/allgemeine-informationen.html (zuletzt aufgerufen am 20.02.2026).